Mode
Auch die Mode-Glitzerwelt wirft Schatten

Der Luxuskonzern LVMH hat Sorgen mit diversen Marken. Nach Guerlain und Dior macht auch jetzt auch Louis Vuitton unschöne Schlagzeilen. Der berühmte Kofferhersteller diente nach 1940 dem Vichy-Regime an und erhielt Nazi-Orden.

Stefan Brändle, Paris
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Eine Frau trägt eine Tasche von Louis Vuitton (Symbolbild, Archiv)

Eine Frau trägt eine Tasche von Louis Vuitton (Symbolbild, Archiv)

Keystone

Die Welt von LVMH ist und bleibt wunderschön: Das illustriert etwa die neuste Werbekampagne des Lederwarenherstellers Louis Vuitton mit Angelina Jolie als Blickfang. Bei genauerem Hinschauen zeigen sich ein paar Risse im Glitzer und Glamour von Louis Vuitton Moët Hennessy (LVMH), zu dem auch internationale Marken wie Dior, Guerlain, Givenchy, Kenzo, Berluti, Heuer oder Veuve Clicquot gehören.

Bei Dior steht derzeit weniger die neue Damenkollektion von Interimsleiter Bill Gaytten im Zentrum als vielmehr die Frage, wer auf Chefdesigner John Galliano nach seiner Gerichtsbusse wegen antisemitischer Saufsprüche folgen wird. Favorit Marc Jacobs verlangt dem Vernehmen nach 10 Millionen Dollar im Jahr, was gar für den LVMH-Besitzer Bernard Arnault etwas viel ist.

Roben für die Nazi-Besatzer

In Paris meinen viele, Arnault habe sich mit der Entlassung Gallianos mehr Probleme eingebrockt als vom Hals geschafft. Zum Beispiel eine Geschichtsdebatte, die er unbedingt vermeiden wollte. Bei der letzten Modeschau Diors mit Galliano-Kreationen im März dieses Jahres verlas Markenchef Sidney Toledano auf dem Laufsteg ein Communiqué voller Pathos gegen jede Form von Antisemitismus und Rassismus. Schliesslich, so fügte er an, sei im Zweiten Weltkrieg auch eine Schwester des Firmengründers Christian Dior ins Konzentrationslager Buchenwald deportiert worden.

Französische und amerikanische Medien berichten allerdings nun, dass der legendäre Dior nach 1942 auch Gattinnen der Nazi-Besatzer ausstaffiert habe. Ähnlich handelten damals viele Firmen in Paris, doch in das schöne Bild, das Toledano zeichnete, passte es dennoch nicht.

Gallianos abruptes Ende bei Dior war zweifellos durch Arnault veranlasst worden. Er wollte damit eine zweite Rassismus-Affäre im eigenen Laden verhindern, nachdem Ende 2010 schon Jean-Paul Guerlain ausfällig geworden war. «Ich begann wie ein Neger zu arbeiten», erinnerte sich der Ex-Patron der gleichnamigen Parfum-Marke in einem Fernsehinterview. «Ich weiss nicht, ob die Neger immer so hart gearbeitet haben, aber gut...» LVMH hatte darauf nicht reagiert; erst nach Boykottaufrufen der afrokaribischen Gemeinschaft wurde Guerlain zu einer Entschuldigung angehalten.

Dem Vichy-Regime angedient

Nun gibt aber mit Louis Vuitton schon eine weitere LVMH-Marke zu reden. Die französische Ausgabe der Zeitschrift «GEO» wollte in ihrer Geschichtsreihe zum Zweiten Weltkrieg über die «Kollaboration» französischer Firmen wie Société Générale, Renault oder eben Louis Vuitton berichten. Dass sich der berühmte Kofferhersteller nach 1940 dem Vichy-Regime angedient und Nazi-Orden erhalten hatte, ist an sich nichts Neues. Eine fundierte «Familiensaga Louis Vuitton» hatte die wenig rühmlichen Fakten schon vor Jahren aufgelistet.

Der fertig produzierte, inhaltlich unbestrittene Beitrag in «GEO» erschien aber nicht. Ob aus Selbstzensur oder auf Druck von LVMH, ist unklar. Die Journalisten protestierten wütend, doch das Ethikkomitee des deutschen Medienkonzerns Gruner+Jahr segnete den Rauswurf des Artikels aus «ökonomischen Gründen» ab. Gemeint war aus Rücksicht auf die Anzeigen, ist LVMH doch ein wichtiger Werbekunde des französischen G+J-Zeitschriftenverlags Prisma Presse.

Dieser Vorfall wirbelt in Paris bedeutend mehr Staub auf, als es der gekippte Beitrag jemals getan hätte. Die Zeitung «Le Monde» nennt Vuitton in einem Atemzug mit Vichy
und Pressezensur. Das ist dem Blatt umso höher anzurechnen, als in der gleichen Ausgabe ein ganzseitiges LVMH-Inserat erschien.

Immerhin: Auch der Luxusgüterkonzern stoppte es trotz des kritischen Beitrags nicht. Was doch von einer gewissen Lernfähigkeit zeugt.