Wirtschaft

Antrag an die Wettbewerbskommission: Swatch soll «Null Prozent» liefern

Schaufenster von Swatch.

Schaufenster von Swatch.

In der Wettbewerbskommission will das Sekretariat ein Verbot, so steht es im Antrag. Es kann dennoch anders kommen.

Die Swatch-Tochter ETA könnte von der Wettbewerbskommission Weko mit einem Lieferverbot belegt werden. Ein solches Verbot hat das Sekretariat der Behörde beantragt bei der Kommission, dem Entscheidungsorgan. Darüber hatte die Schweiz am Wochenende als Erstes berichtet.

Ein Verbot mutet drastisch an. Damit dürfte die ETA im Jahr 2020 keine Kunden ausserhalb der Swatch Group mit mechanischen Uhrwerken beliefern. Doch so steht es im Antrag des Sekretariats, der CH Media vorliegt.

Unter dem Titel «Dispositiv» heisst es, der Erlass des folgenden Dispositivs werde beantragt. Punkt eins, die ETA solle verpflichtet werden, für die Dauer des Verfahrens «Swatch Group Lieferstopp/Ablauf Lieferverpflichtung» weiter mechanische Uhrwerke «in unten stehendem Umfang an ihre bisherigen Kunden zu liefern». Unter 1a wird der Umfang dann beschrieben. «Für das Jahr 2020 liefert ETA 0% der Referenzmenge an mechanischen Uhrwerken an ihre Kunden.»

Was die Referenzmenge ist, wird unter 1b beschrieben. Doch ist die Definition belanglos. Null Prozent von irgendeiner Menge bedeutet so oder so Null. Die ETA würde verpflichtet für 2020 keine Uhrwerke zu liefern. Das wäre ein Lieferverbot.

Was die Kommission entscheidet, ist offen

Damit ist allerdings nur der Antrag beschrieben, den das Sekretariat gestellt hat. Auf einem andren Blatt steht, wie die Kommission entscheidet. Das wird am Donnerstag veröffentlicht. Möglich sind mehrere Varianten.

Die Kommission könnte den Antrag gutheissen. Die ETA wäre einem Lieferverbot unterstellt. Das wäre jedoch erst eine vorsorgliche Massnahme. Das Sekretariat friert damit den Ist-Zustand ein. In dieser Zeit befragt es den Markt: hat die ETA noch eine beherrschende Stellung im Markt für mechanische Uhrwerke? Ist das geklärt, gelangt das Sekretariat erneut an die Kommission. Dann könnte es beantragen, die ETA von Lieferverpflichtungen zu befreien. Oder die Pflicht zu verlängern.

Oder die Kommission entscheidet zwar gegen ein Lieferverbot. Aber sie verfügt vorsorglich, die ETA ein Jahr einer Lieferpflicht zu unterstellen. Sie würde beispielsweise gleich viel liefern wie 2019. Das Sekretariat erhält damit wiederum Zeit, den Markt zu untersuchen. Oder die Kommission kommt zum Schluss, die ETA beherrsche den Markt nicht mehr. Diese könnte sich diese ihre Kunden frei auswählen.

Schaden ist bereits entstanden

Wie die Kommission auch entscheidet, Schaden ist bereits entstanden. Bis heute ist offen, ob die ETA ihre Drittkunden beliefern darf. Also wurde die Herstellung für 2020 gar nicht begonnen. Diese benötigt eine lange Vorlaufzeit. Es ist darum in jedem Fall zu spät, um die Kunden rechtzeitig zu beliefern. Kunden wie Chopard beklagen darum bereits einen Umsatzverlust.

Die lange Vorgeschichte

Die Intervention der Wettbewerbshüter hat eine lange Vorgeschichte. Mitte der 80er-Jahre bündelt der Vorgänger der Swatch Group die verzettelte Produktion mechanischer Uhrwerke in der ETA. Diese hat ein Monopol – und wird später von der Weko mit einer Lieferpflicht belegt: Sie muss Drittkunden beliefern, wenn diese es wünschen, ablehnen kann sie nicht.

2013 kommt ein Deal zu Stande. Die ETA beliefert bis Ende 2019 auch Konkurrenten der Swatch. Jedoch jedes Jahr mit kleineren Mengen. So soll Raum für Konkurrenten entstehen, die ETA ihre Sonderstellung verlieren und von Lieferpflichten befreit sein. Der Deal wäre 2020 ausgelaufen. Das Sekretariat der Wettbewerbskommission hatte andere Pläne.

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