Amerika
Die führenden Technologiefirmen sind trotz Kritik Geldmaschinen: Facebook, Alphabet und Co. schreiben Milliarden-Gewinne

Das Geschäft brummt im Silicon Valley, dem Zentrum der US-Technologiebranche. Im 3. Quartal erzielten Aushängeschilder wie Microsoft oder Alphabet zweistellige Milliarden-Gewinne. Politisch stehen die Social Media-Konzerne aber im Gegenwind.

Renzo Ruf, Washington
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Die Facebook-Whistleblowerin Frances Haugen ist eine gefragte Auskunftsperson. Diese Woche gab die Informatikerin vor einem Ausschuss des britischen Parlaments Auskunft über das Geschäftsgebaren des Social Media-Konzerns.

Die Facebook-Whistleblowerin Frances Haugen ist eine gefragte Auskunftsperson. Diese Woche gab die Informatikerin vor einem Ausschuss des britischen Parlaments Auskunft über das Geschäftsgebaren des Social Media-Konzerns.

Matt Dunham / AP

Der Kontrast ist augenfällig. Im politischen Amerika sitzen die führenden Technologie-Konzerne aktuell auf der Anklagebank. So mussten sich diese Woche in Washington drei Vertreter der Internet-Dienste Snap, TikTok und Google dafür rechtfertigen, dass ihre Angebote schädlich für Kinder seien.

An der Wall Street hingegen reiben sich die Investorinnen und Investoren die Hände, schaufelten Aushängeschilder der amerikanischen Technologieindustrie wie die Google-Mutter Alphabet, Microsoft, Facebook und Twitter doch auch im abgelaufenen Quartal erneut hohe Gewinne. Der Boom der Branche, der im vorigen Jahr durch die Folgen der Corona-Pandemie mächtig angeheizt wurde, hält vorderhand an.

Alphabet mit 19 Milliarden Dollar Gewinn

Drei Beispiele bloss. Microsoft, vor einigen Jahren noch als Ladenhüter verschrien, erzielte im 3. Quartal 2021 einen Umsatz von 45,3 Milliarden Dollar – 22 Prozent mehr als im Vergleichsquartal 2020. Die Nettoeinnahmen stiegen, dank einem Boom der «Cloud»-Dienste, auf 20,2 Milliarden Dollar (plus 27 Prozent). Alphabet wiederum, Tochterfirma des Suchdienstes Google und der Videoplattform YouTube, legte von Juli bis September 2021 beim Umsatz um 41 Prozent zu, auf 65,1 Milliarden Dollar. Und der Alphabet-Nettogewinn stieg im Vergleich zum 3. Quartal im Vorjahr um 68 Prozent auf fast 19 Milliarden Dollar.

Eine Geldmaschine ist auch die zunehmend angefeindete Social Media-Plattform Facebook. Im abgelaufenen Quartal resultierte ein Einnahmeplus von 35 Prozent. Unter dem Strich erwirtschaftete der Konzern damit 29 Milliarden Dollar. Die Nettoeinnahmen stiegen, dank einem Boom der Online-Werbung um 17 Prozent auf 9,2 Milliarden Dollar.

Apples «App Tracking Transparency» zeigt Wirkung

Umsatzzahlen allerdings geben nicht immer einen vollständigen Einblick in den Zustand einer Firma. So fiel der Aktienkurs von Facebook in den vergangenen Tagen, weil die Investorinnen und Investoren nervös auf die Auswirkungen einer neuen Initiative von Apple reagierten, dem Hersteller des allgegenwärtigen iPhones. Seit einem halben Jahr können die Konsumentinnen und Konsumenten selbst bestimmen, ob sie sich von Werbeschaffenden ausspionieren («tracking») lassen wollen. Die Kunden von Facebook allerdings sind über die «App Tracking Transparency», wie der neue Apple-Dienst heisst, wenig begeistert – ihnen fehlt nun der Einblick ins Nutzerverhalten gewisser Bevölkerungssegmente.

Facebook räumte bei der Präsentation der Quartalsergebnisse ein, dass sich sich der Wunsch nach mehr Transparenz negativ auf die Werbeeinnahmen auswirke. Konzernchef Mark Zuckerberg sprach von Gegenwind, dem sich Facebook ausgesetzt sehe. Andere Aushängeschilder der Technologiebranche hingegen gehen davon aus, dass die Tracking-Initiative von Apple keine allzu grosse Folgen auf den Nettogewinn haben wird. So sagte Ned Segal, Finanzchef des Kurznachrichtendienstes Twitter, diese Woche im Gespräch mit Investorinnen und Investoren: «Bis jetzt sind wir zufrieden, mit dem, was wir gesehen haben.»

Facebook: Untersuchungen der Aufsichtsbehörden

Entscheidend für das Geschäft der Technologiebranche sind deshalb wohl nicht kleine Anpassungen im User-Verhalten – sondern der anhaltend hohe politische Druck auf die Social Media-Unternehmen, ihre Strategie anzupassen und grösseres Gewicht auf den User-Schutz zu legen.

Facebook dient Washington dabei als Exempel, auch weil die breite Öffentlichkeit dank der Whistleblowerin Frances Haugen nun einen ungewöhnlich tiefen Einblick in die inneren Vorgänge des Konzerns hat. Zuckerberg findet dies unfair. «Wir sehen koordiniere Bestrebungen, um gezielt zugespielte Dokumente zu nutzen, um ein falsches Bild unserer Firma zu zeichnen», sagte der Konzernchef diese Woche im Gespräch mit Investoren.

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