«Paradise Papers»
Altlasten von Genfer Rohstoffhändler Trafigura wirken bis heute nach

Der Genfer Rohstoffhändler Trafigura soll engere Bande mit der angolanischen Elite haben, als man lange zugeben wollte. Das zeigen die «Paradise Papers».

Andreas Schaffner
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Ölraffinerien vor der Küste Angolas.

Ölraffinerien vor der Küste Angolas.

HO

Sie werden in Baar ZG, im Hauptsitz des Rohstoffgiganten Glencore, immer noch abschätzig «die Trafis» genannt. Die alte Feindschaft zwischen Glencore und dem Genfer Rohstoffhändler Trafigura ist auch heute noch zu spüren. Sie geht auf das Jahr 1993 zurück, als sich die Gründer von Trafigura – allen voran der inzwischen verstorbene Claude Dauphin – im Streit vom damaligen Management der Baarer Gesellschaft, die damals noch Marc Rich + Co hiess, trennten.

Heute ist Trafigura hinter Glencore und Vitol der drittgrösste Rohstoffhändler der Welt und mit einem Umsatz von knapp 100 Milliarden Franken eines der umsatzstärksten Unternehmen in der Schweiz. Die Firma war lange in Luzern eingetragen, wird heute aber von Singapur aus kontrolliert. Sie ist hauptsächlich im Ölgeschäft tätig, daneben handelt sie auch mit Metallen. Ein grosser Teil des Handels geschieht immer noch in Genf und Amsterdam. In die Schlagzeilen geriet Trafigura 2009 wegen eines Giftmülltransports in die Elfenbeinküste.

Wie Glencore tauchte auch Trafigura diese Woche in den «Paradise Papers» auf. Diese basieren auf gestohlenen Daten der Anwaltskanzlei Appleby, die von einem internationalen Journalistenkonsortium ausgewertet wurden. Dabei geht es um Trafiguras Geschäfte in Angola. Das Land im Südwesten Afrikas ist einer der weltweit grössten Erdölexporteure und steckt derzeit wegen der Flaute an den Ölmärkten in einer Wirtschaftskrise. Die alten Machthaber wurden abgelöst.

Bekannt war schon länger, dass Trafigura mit zwei Tochterfirmen einen grossen Teil des Exports von Rohöl und des Imports und der Verteilung von Treibstoffen an Tankstellen kontrolliert. Dass Angola überhaupt einen grossen Teil des Benzins und Diesels importieren muss, liegt daran, dass im Land – wie so oft in Afrika – die Infrastruktur fehlt.

Nichtregierungsorganisationen wie Public Eye (früher Erklärung von Bern) warfen Trafigura in der Vergangenheit immer wieder vor, in Angola nur mittels Korruption an die lukrativen Swap-Verträge gekommen zu sein.

Partner mit Beziehungen

Die Dokumente, die vom niederländischen Newsportal «Trouw» ausgewertet wurden, zeigen, dass Trafigura nicht nur mit einem der einflussreichsten Menschen im angolanischen Regime zusammen geschäftet hat. Die Bande sind gar noch enger als bisher vermutet. So soll Trafigura für den Geschäftspartner in Steueroasen einerseits Firmen gegründet haben, andererseits sollen diese auch von Trafigura verwaltet worden sein. Diese Unternehmen sollen den Angolaner schliesslich auch bezahlt haben.

Mit diesen Zahlungen, so der Vorwurf, habe sich Trafigura die Nähe zur Elite «erkauft». Denn beim Geschäftspartner handelt es sich um Leopoldino Fragoso do Nascimento. Mit seiner Firma Cochan investiert er in angolanische Firmen wie Supermärkte und Telekomanbieter. Gleichzeitig betreibt er aber auch das besagte Joint Venture mit Trafigura. Fragoso do Nascimento soll zum innersten Zirkel des angolanischen Ex-Präsidenten José Eduardo Dos Santos gehört haben, der Ende September nach fast 38 Jahren zurückgetreten ist. Fragoso do Nascimento war zudem General in Angolas Armee. Die «Paradise Papers» können zwar keine direkten Geldtransfers von Trafigura zum Angolaner nachweisen. Doch sei die Bezahlung der Gelder faktisch im Auftrag Trafiguras abgewickelt worden sein, schreibt «Trouw».

Eine besondere Unterstützung

Eine Trafigura-Sprecherin erklärt der «Schweiz am Wochenende», dass man Fragoso do Nascimento «administrative Unterstützung» für seine Firma Cochan gewähre. Dies mit Blick auf die langjährige Beziehung, die man mit Fragoso do Nascimento pflege. Sie weist jedoch darauf hin, dass seine Firmen nicht Teil der Trafigura-Gruppe seien. Pikant ist, dass der Trafigura-Manager, der die Angola-Deals verantwortete, ausgerechnet in Brasilien im Rahmen der Korruptionsaffäre um den Ölkonzern Petrobras verwickelt ist.

Für Trafigura kommen die Enthüllungen in einem Moment, in dem man sich von den Wurzeln der Gründer lösen möchte. Jeremy Weir, der seit 2014 am Ruder ist, hat mit einer Transparenzoffensive die verschwiegene Branche überrumpelt. Im Nachhaltigkeitsbericht finden sich detaillierte Aufzeichnungen, wie die Geldflüsse in den einzelnen Staaten verlaufen. Doch die Offenlegung beschränkt sich nur auf Staaten, die Mitglieder der internationalen Transparenzinitiative EITI (Extractive Industries Transparency Initiative) sind. Ausgerechnet Angola gehört hier nicht dazu.