Stromkonzern

Alpiq-Deal geht in die Verlängerung

Soll für stabile Verhältnisse sorgen: Alpiq-Präsident und -CEO Jens Alder.

Soll für stabile Verhältnisse sorgen: Alpiq-Präsident und -CEO Jens Alder.

Drei Grossaktionäre wollen Alpiq komplett übernehmen und den Stromkonzern danach von der Börse nehmen. Im ersten Anlauf haben sie die dafür nötige Marke verpasst. Wir klären die wichtigsten Fragen.

Noch sind die drei Grossen nicht am Ziel. Statt der angepeilten 90 Prozent halten die Grossaktionäre nun 89,22 Prozent an Alpiq. Damit sind sie in ihrem Vorhaben, die Kleinaktionäre herauszudrängen und den Konzern letztlich von der Börse zu nehmen zwar einen Schritt weiter gekommen. Die entscheidende 90-Prozent-Schwelle verpassten sie jedoch. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Stand der Alpiq-Übernahme.

1. Worum geht es bei der Übernahme überhaupt?

Der grösste Schweizer Stromkonzern Alpiq liegt grösstenteils in den Händen dreier Investoren: 1. dem Konsortium der Schweizer Minderheitsaktionäre, 2. der EOS Holding und 3. dem Energie-Infrastrukturfonds der Credit Suisse, CSA. (Letzterer übernahm kürzlich den 25-Prozent-Anteil des französischen Investors EDF.)

Zusammen wollen die drei den Alpiq-Konzern komplett übernehmen und von der Börse nehmen. Die Begründung: Mit so wenigen Aktien im freien Verkauf, wäre der Kurs beliebig und viel zu volatil. Ausserdem wären die Kosten unverhältnismässig hoch. Sämtlichen Kleinaktionären wurde deshalb ein Angebot unterbreitet: Sie können ihre Aktien zum gleichen Preis andienen, den CSA selbst für seine Anteile bezahlt hat: 70 Franken pro Stück.

2. Warum ist die 90-Prozent-Marke so wichtig?

Sobald die drei Grossaktionäre 9 von 10 Alpiq-Aktien halten, kann eine sogenannte Abfindungsfusion durchgeführt werden. Anders ausgedrückt: Die Kleinaktionäre würden herausgedrängt. Sie erhielten dann eine Barabfindung in Höhe des Angebotspreises von 70 Franken je Aktie.

Da mit Ausnahme des Präsidenten Jens Alder sämtliche Mitglieder des Verwaltungsrats die Interessen der drei Kernaktionäre vertreten, stünde der Dekotierung der Alpiq nichts mehr im Wege.

3. Was würde eine Barabfindung für die Kleinaktionäre bedeuten?

Die Barabfindung, heisst es seitens der Zürcher Kantonalbank, könnte «erhebliche steuerliche Nachteile haben». Dies, weil der Nennwert der Alpiq-Namenaktien lediglich 10 Franken pro Stück beträgt.

Die Differenz zwischen Nennwert und Angebotspreis von 70 Franken, so die ZKB, würde der Einkommens- und Verrechnungssteuerpflicht unterliegen. Viele Käufer sind darüber hinaus bei einem wesentlich höheren Preis eingestiegen – auf ihrem Höchststand vor 11 Jahren war die Aktie zehnmal so viel Wert wie heute.

4. Sind 70 Franken hoch genug?

Alpiq-Präsident Jens Alder hat sich zu dieser Frage stets zurückhaltend geäussert. Im Gespräch mit dieser Zeitung sagte er zuletzt: «Es gibt keinen Anhaltspunkt, dass der Preis höher oder tiefer sein sollte.» EDF und CSA hätten sich auf diesen Preis geeinigt und sich dabei «nichts geschenkt».

Eine externe Überprüfung habe den Preis als angemessen beurteilt. Einige Aktionäre sehen das anders. Sie halten das Angebot für zu gering. Einige spekulieren auf eine Erhöhung des Angebots. Etwa die amerikanische Finanzgesellschaft Merion Capital – ein auf Gewinnmaximierung getrimmter US-Hedgefonds, der neu mit gut 3 Prozent bei Alpiq eingestiegen ist.

5. Wie geht es jetzt weiter?

Innerhalb der ersten Angebotsfrist sammelten die Grossaktionäre 222 359 Alpiq-Aktien ein – rund die Hälfte der notwendigen Aktien, um über die 90-Prozent-Schwelle zu kommen. Nun soll es eine Nachfrist geben: Vom 16. bis zum 27. September können die Kleinaktionäre ihre Aktien noch andienen. Bis zum 9. Oktober soll die Übernahme vollzogen sein.

6. Und wenn die 90 Prozent nicht erreicht werden?

Trotz Zuversicht bei den Kernaktionären ist noch nicht sicher, dass sie die nötigen Aktien während des laufenden Angebots erhalten. Die gesetzte Deadline ist allerdings nicht endgültig: Die Grossaktionäre haben auch danach noch die Möglichkeit, eine Abfindungsfusion einzuleiten, um Alpiq komplett zu übernehmen.

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Autor

Fabian Hock

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