Interview
Alpiq-Chefin Jasmin Staiblin: «Wir bleiben eine Wasserkraft-Produzentin»

Alpiq-Chefin Jasmin Staiblin sagt, warum fast die Hälfte des Wasserkraftportfolios zum Verkauf steht – und sagt, wer bereits Interesse bekundet hat.

Fabian Hock
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Jasmin Staiblin an der Pressekonferenz vom Montag in Olten.

Jasmin Staiblin an der Pressekonferenz vom Montag in Olten.

Keystone

Frau Staiblin, Alpiq lässt in- und ausländische Investoren Teile ihrer Wasserkraftwerke übernehmen. Geht das so einfach ohne politischen Widerstand?

Jasmin Staiblin: Wir öffnen das Portfolio zu 49 Prozent sowohl für in- als auch für ausländische Investoren, das ist richtig.

Sie erwarten keinen Widerspruch aus der Politik?

Die Öffnung ist ein unternehmerischer Entscheid. Meine Aufgabe ist es, das Unternehmen nachhaltig in die Zukunft zu führen. Deshalb öffnen wir das Portfolio für in- und ausländische Investoren, aber auch für Energieverteilunternehmen im Schweizer Heimmarkt. Wir bleiben eine Wasserkraft-Produzentin. Nur eine Minderheit geht in andere Hände. In wessen, kann ich im Moment noch nicht sagen.

Erste Interessenten dürften Sie aber schon haben.

Unsere Konsortialaktionäre haben bereits Interesse angekündigt, in Form von Direktbeteiligung oder in Form von Langzeitverträgen. Ansonsten starten wir jetzt den Öffnungsprozess.

Wird die Öffentlichkeit erfahren, welche ausländischen Investoren sich einkaufen?

Wenn wir die ganzen 49 Prozent oder einen Teil davon veräussern, ist das ad-hoc-relevant, also meldungspflichtig. Wir werden das der Öffentlichkeit melden.

Behalten Sie an jeder Anlage mindestens 49 Prozent oder ist der Verkauf ganzer Wasserkraftwerke möglich?

Wir öffnen das Portfolio bestehend aus insgesamt 18 Wasserkraftwerken. Das heisst, man kann sich an einem hochflexiblen Portfolio in Form von Eigentum oder von Langzeitverträgen beteiligen. Das ist der erste Pfeiler. Ausserdem prüfen wir die Veräusserung von nichtstrategischen Beteiligungen im Rahmen unserer Portfoliobereinigung.

Zevreila-Stausee oberhalb Vals sammelt das Wasser verschiedener Täler.
17 Bilder
Die Kraftwerke Maggia verwenden das Wasser aus dem Einzugsgebiet der Maggia und des Brenno.
Das Wasser im Lac de Salanfe nahe Evionnaz stammt aus den Einzugsgebieten von Salanfe und Saufla.
Kraftwerk Hinterrhein: Kernstück ist der Stausee Valle di Lei.
Lago di Livigno nähe Zernez im Engadin - ein Beispiel internationaler Zusammenarbeit.
Hongrin-Léma: Die Besonderheit dieser Staumauer sind die durch ein Widerlager verbundenen beiden Bogenmauern.
Das Speicherkraftwerk Blenio wurde zwischen 1959 und 1963 in Betrieb genommen. Zum Kraftwerk gehören die Zentralen Luzzone, Olivone und Biasca.
Die Anlage von Grande Dixence sammelt das Wasser von 35 Walliser Gletschern. Das Glanzstück der Anlage ist die Staumauer Grande-Dixence, die höchste Gewichtsstaumauer der Welt. Das Stauwasser stürzt in die Kraftwerke Fionnay und Nendaz.
Das Wasser im Stausee Gebidem stammt aus dem Aletschgletscher und ist reich an Ablagerungen. Die 55 m3 Wasser, die im Kraftwerk Bitsch pro Sekunde turbiniert werden, enthalten zwischen 10 und 13 kg Sand. Pro Stunde sind das an die 40 Tonnen.
Der 1930 Meter hoch gelegene Stausee Emosson speist sich aus einem Teil des Wassers des Montblanc-Massivs.
Simplon: Die Gesellschaft betreibt die drei Kraftwerke Gondo, Gabi und Tannuwald, die das Wasser aus dem Simplonmassiv für die Stromproduktion nutzen.
Das Kraftwerk Gougra nutzt die Wasserkraft aus dem Val d’Anniviers und dem Turtmanntal vor allem dank der 1954 gebauten Staumauer Moiry oberhalb Grimentz.
Das 1917 erbaute Kraftwerk Gösgen ist mit einer Jahresproduktion von rund 300 GWh eines der grössten Laufkraftwerke an der Aare.
Das Niederdruck-Laufwerk liegt am Rhein unterhalb von Stein-Säckingen. Eine Pionierleistung bildeten bei der Inbetriebnahme im Jahr 1931 die vier Kaplanturbinen von je 30 MW. Der Schweizer Anteil an diesem Grenzkraftwerk beläuft sich auf 50 Prozent.
Das Kraftwerk Flumenthal wurde im Jahr 1970 in Betrieb genommen. Die drei Turbinen-Generatoren-Gruppen leisten nach Massnahmen zur Effizienzsteigerung 27 MW und erzeugen pro Jahr durchschnittlich 146 GWh elektrische Energie aus erneuerbarer Wasserkraft und sechs Prozent mehr Strom.
Ruppoldingen: Ausgerüstet mit zwei Getriebeschachtturbinen leistet das Kraftwerk 23 MW und erzeugt rund 115 GWh pro Jahr.
Das Kraftwerk Martigny-Bourg wurde 1908 in Betrieb genommen und nutzt das Wasser auf der Schweizer Seite des Grand Saint-Bernard.

Zevreila-Stausee oberhalb Vals sammelt das Wasser verschiedener Täler.

Keystone

Kann ein Investor ein Kraftwerk komplett übernehmen?

Die meisten Kraftwerke sind in Form von Partnerwerken organisiert, an denen wir einen Anteil haben. Es geht um ein Gesamtportfolio, an dem er partizipieren kann. Wenn ein Einzelangebot vorliegen würde, dann müsste man das prüfen. Das Ziel ist aber, dass wir 49 Prozent als Portfolio zur Verfügung stellen.

Sie veräussern nicht nur Kraftwerke, sondern müssen auch Kosten sparen. Streichen Sie Stellen in der Schweiz?

Wir haben in den letzten Jahren über eine Viertelmilliarde an Kosten eingespart. Mit dem Sparprogramm, das wir 2014 angekündigt haben, haben wir personell vor allem im Produktionsbereich reduziert. Im Energiedientsleistungsbereich haben wir mit 1,5 Milliarden Franken Umsatz bereits eine signifikante Position. In der Schweiz haben wir zusätzliche Stellen geschaffen, unter anderem durch Akquisitionen innovativer Firmen. Das sind Wachstumsbereiche für uns.

Werden Sie im laufenden Jahr Stellen, zum Beispiel im Energiehandel, von der Schweiz ins Ausland verlagern?

Normale Effizienzprogramme hätten wir sowieso. Aufgrund der jetzt beschlossenen strukturellen Massnahmen gibt es kein Personalreduktionsprogramm.

Muss man den Energiehandel in der Schweiz betreiben? Im Ausland sind die Kosten tiefer.

Wir sind in Ost- und Südosteuropa die Nummer eins. Alle Aktivitäten, die wir in diesem Bereich haben, machen wir von Prag aus. Dort haben wir über 100 Mitarbeitende, die den gesamten osteuropäischen Bereich abdecken. Im Handel ist es wichtig, dass man in diesen Ländern auch vor Ort ist, die Sprache spricht. Wir sind an über 70 Grenzen im Handel tätig. Wir bauen in der Region für die jeweilige Region auf.

Wandern Stellen von der Schweiz nach Prag?

Wir prüfen selbstverständlich laufend unsere Kostensituation. Wenn es gewisse Teilbereiche gibt, die man aus Prag heraus günstiger machen kann, werden wir das selbstverständlich prüfen und auch implementieren. Das ist eine normale Effizienzsteigerungsmassnahme, da geht es nicht um ein Personalreduktionsprogramm.

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