WEF 2014

«All-inclusive»: Der «Davos Man» kann sein Portemonnaie vergessen

Paradies für Gourmets : Eröffnungsbuffet vom 22. Januar. swiss-image.ch

Paradies für Gourmets : Eröffnungsbuffet vom 22. Januar. swiss-image.ch

Von frühmorgens bis spätabends ist für das leibliche Wohl der Besucher gesorgt – kostenlos. Ob traditionelle Schweizerkost, chinesisch, indisch oder nigerianisch: Kulinarisch bleiben keine Wünsche offen. Auch an der Bar wird nicht gespart.

Vor einem Wohnhaus mitten in Davos GR sitzen Besucher des World Economic Forum (WEF) an Tischchen, trinken Kaffee und essen Cookies. Für die Kosten kommt der schottische Fondsbetreiber Aberdeen Asset Management (AAM) auf.

Ein Sparfuchs kann sich während des WEF rund um die Uhr umsonst durchfüttern lassen. Obendrein ist es keine Kunst, sich, ohne je das Portemonnaie zu öffnen, einen veritablen Kater anzutrinken. Wer WEF-Mitglied ist, hat einen Bonus: Die Firma, also meist der Aktionär, berappt eine Teilnehmergebühr von 18 000 Franken. Dafür erhalten die Mitglieder freien Zutritt zu vielen Tafelrunden.

Die Qual der Wahl

Das beginnt schon am frühen Morgen: AAM mietet während des WEF einen Laden und betreibt ein Café. Das Catering betreibt das Davoser Kaffee Klatsch. Eine halbe Million habe der Finanzdienstleister dafür budgetiert – WEF-Mitgliederbeitrag inklusive. Im Grandhotel Steigenberger Belvédère greift man am Buffet des Beratungskonzerns KPMG zu. Auch in der Lounge des Konkurrenten PwC werden Gratisgetränke gereicht.

Am reichsten ist das Gratisangebot im Kongresszentrum. Besucher haben die Qual der Wahl. Sie können sich mittags an der «Health Bar» gesundfuttern. Wers üppiger mag, schreitet zum gesponserten Buffet. Am Mittwoch lud beispielsweise Nigeria ein und schenkte jedem Esser zudem einen Schal in den Landesfarben.

Wer das verpasste, genoss um 17 Uhr Bündnerfleisch und Schweizer Käse. Gestern gabs zur Abwechslung chinesisch. Abends bieten Hotels Dinners für WEF-Mitglieder an. Einziger Nachteil: Es finden Diskussionsrunden mit Experten zu aktuellen Themen statt.

Gratisdrinks bis zum Abwinken

Andere eilen abends erst an einen Stehempfang, dann zum Dinner und dann zur Party. Einzige Voraussetzung für den Zugang zu feinen Häppchen: eine Einladung des Gastgebers, also einer Firma oder eines Landes. Zu später Stunde erhalten auch andere Gäste Zutritt. Und Gratisdrinks bis zum Abwinken. Die gibts ebenfalls an der «Belvédère»-Bar – vom Espresso über das Cüpli Laurent-Perrier bis zum Edelgin Tanqueray Ten.

Sponsor ist der indische IT-Dienstleister Wipro. Bis zu 30 000 Franken pro Tag habe laut Insidern der frühere Sponsor Google dafür springen lassen.

Indra Nooyi, die Chefin des Süssgetränkeherstellers PepsiCo, mietete gleich eine Gaststätte: das «Schneider’s». Wer Platz findet, kann dort frühstücken oder mittags und abends Snacks wie ein Bündner Plättli oder eine Pizza verzehren. Für geladene Gäste ist das gratis. Am Dienstag galt dies tagsüber auch für andere Kunden. Abends kostet eine Pizza 15 statt 20 Franken – Pepsi sei Dank.

Im Wintergarten des «Schneider’s» kocht ein Team des legendären Hotels Tadsch Mahal Palace in Mumbai, das zum Tata-Konzern gehört. Mieterin ist die indische Stiftung für Wirtschaftsförderung (ABF), die hier ein «Adda» betreibt, ein Strassencafé. Hier halten indische Politiker und Wirtschaftsführer Meetings ab. Das freut den Inhaber des Cafés, Urs Prächtiger. Er verdient während des WEF noch mehr als früher.

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