Detailhandel
20 Millionen Strafsteuern: Self-Scanning-Kassen könnten Coop teuer zu stehen kommen

Eine Steuer von 10'000 Franken pro Monat auf jeden Self-Scanning-Automaten: Dies fordern linke Politiker im Kanton Genf. Der Detailhandel zittert.

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Wenn Maschinen Menschen ersetzen, soll das laut der SP Genf etwas kosten.

Wenn Maschinen Menschen ersetzen, soll das laut der SP Genf etwas kosten.

Keystone

Die Einkäufe selber scannen: Was vor wenigen Jahren noch nach Zukunftsmusik klang, ist heute für viele Konsumenten ganz normal. Self-Scanning-Kassen sind aus den Filialen grosser Detailhändler nicht mehr wegzudenken.

Dass Maschinen Menschen ersetzen, ärgert linke Genfer Politiker. Sie fordern, dass Detailhändler im Kanton künftig 10'000 Franken Strafsteuer pro Monat und Self-Scanning-Automat zahlen sollen – das entspricht ungefähr dem Monatslohn von zwei Kassiererinnen.

Das Geld soll in die Lehrlingsausbildung fliessen, aber auch an Geschäfte umverteilt werden, die ausschliesslich bediente Kassen haben. So soll die Massnahme dazu beitragen, Arbeitsplätze im Detailhandel zu sichern.

Landesweite Steuer kostete Coop 170, Migros 150 Millionen Franken

Noch in diesem Sommer berät das Genfer Parlament über den Gesetzesentwurf. Wie die «Handelszeitung» berichtet, wappnen sich die Detailhändler bereits für die anstehende Debatte. In einem Positionspapier rechnen sie vor, was eine solche Regelung kosten würde.

So müsste allein Coop für seine 181 Self-Scanning-Kassen in Genf jährlich knapp 22 Millionen Franken an Steuern bezahlen. Würde die Strafsteuer landesweit eingeführt, schlüge dies für Coop mit 170 Millionen Franken zu Buche. Die Migros müsste für all ihre Automaten in der Schweiz 150 Millionen Franken bezahlen.

Die Idee einer Automaten-Strafsteuer kommt auch im Zuge der Rentendebatte immer wieder auf. Denn: Im Gegensatz zu Menschen zahlen Maschinen weder AHV noch Pensionskassenbeiträge. In einem Leserkommentar macht sich deshalb etwa auch watson-User «reaper54» für eine bundesweite Steuer dieser Art stark.

Politologieprofessorin Silja Häusermann, spezialisiert auf die Rentenpolitik, sagt dazu: «Angenommen, es kommt wirklich so weit, dass die Arbeit nicht mehr von Menschen verrichtet wird: Dann ist ein Sozialstaat, der Leistungen an Erwerbsarbeit knüpft, natürlich überholt.» In diesem Fall erhielte ihr zufolge wahrscheinlich die Diskussion um ein bedingungsloses Grundeinkommen Auftrieb. «Bisher zeigte die Erfahrung jedoch, dass der technologische Fortschritt die Nachfrage nach Arbeit nicht sinken liess.»

(jbu)

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