20 Jahre Swissair-Grounding
Die Swissair ist nicht mehr – doch sie bleibt mehr als ein Mythos

20 Jahre sind seit dem Grounding der Swissair vergangen. Und mit jeder Generation schwindet die Erinnerung an den einstigen Stolz des Landes. Doch ihr Ende hatte auch etwas Gutes.

Benjamin Weinmann
Benjamin Weinmann
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2. Oktober 2001 – der Tag, an dem die Swissair still stand.

2. Oktober 2001 – der Tag, an dem die Swissair still stand.

Steffen Schmidt / KEYSTONE

Wer eine 20-Jährige heute nach der Swissair fragt, darf keine grosse Reaktion erwarten. Denn die Airline ist je länger je mehr Vergangenheit. Das Grounding ist und bleibt ein Stück Schweizer Wirtschaftsgeschichte, doch die Erinnerungen an die Swissair, an das, was sie ausstrahlte und für was sie stand, schwinden mit jeder Generation.

Die globale Luftfahrt befindet sich derzeit in einer weit grösseren Krise – und mit ihr auch die Swiss. Diese Pandemie führte nicht nur in Kloten zu einem Grounding, sondern weltweit aller Airlines. Manche Politiker versuchten mitten in den Corona-Turbulenzen die alte Swissair wieder ins Spiel zu bringen, schürten die Idee nach einer eigenen, unabhängigen Airline. Doch die Planspiele, wonach der Bund der Lufthansa die Swiss abkaufen und sie selbst betreiben könnte, sind vor allem von Nostalgie geprägt. Und sie sind hanebüchen.

Die Swiss – darüber herrscht in der Branche Einigkeit – hat sich insbesondere dank den Synergien im grossen Lufthansa-Netzwerk zur Cash-Cow im Kranich-Konzern mausern können. Die junge Flotte und die hiesige Kaufkraft halfen ebenso. Doch letztlich ist die Verbundsgrösse matchentscheidend in der sich stetig konsolidierenden Aviatik. Das wusste auch schon Swissair-Chef Philippe Bruggisser, nur wählte er den falschen Weg.

Was brachte das Grounding? Bundesrat Moritz Leuenberger sagte zehn Jahre später: «Der Untergang der Swissair hat dazu geführt, dass in vielen Aktiengesellschaften der Verwaltungsrat gegenüber dem Management kritischer auftritt und es besser kontrolliert.» Das mag etwas gar blauäugig klingen, doch sollte das Grounding allen hiesigen Verwaltungsräten durchaus eine Lehre sein.

Rückblickend stellte Leuenberger fest, dass die Regierung gezögert hatte, weil sie sich nicht sicher war, ob es richtig war, die Swissair zu unterstützen. «Wir entdeckten erst schleppend die ‹Too big to fail›-Problematik.» Eine Erkenntnis, die 2008 der UBS zugutekommen sollte – und 2021 der Swiss.

Von der Swissair und ihrem Ende bleibt also mehr also als nur der Mythos und die Erinnerung an unbeschwerte Aviatikzeiten, als es um Cüplis an Bord ging statt um CO2-Verschmutzung und Fluglärm. Das Ende der nationalen Airline, es hatte auch sein Gutes.

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