Huttwil
Wo Kühe weiden, sollen bald Cowboys reiten

Die Herdgemeinde stimmt der Baulandabgabe im Kammermoos für eine Westernreiter-Trainingsanlage nach Diskussionen deutlich zu. Jetzt gelte es, Offerten einzuholen, die Erschliessungskosten zu eruieren und den Quadratmeterpreis zu beziffern

Hans Mathys
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Neben der Fabrik der Novex (hinten) ist die Reitanlage geplant.

Neben der Fabrik der Novex (hinten) ist die Reitanlage geplant.

Solothurner Zeitung

66 Stimmberechtigte erschienen zur Versammlung der Huttwiler Herdgemeinde in der Hübeliwald-Hütte. Dass die Beteiligung so gross war, lag einerseits an der Brisanz der Traktanden und andrerseits an den traditionsgemäss offerierten Grilladen.

Im Mittelpunkt der Versammlung stand eine Baulandabgabe im Kammernmoos. Alain Bürgin aus Eigenthal LU und Jeannette Krähenbühl aus Auswil wollen dort eine Trainingsanlage für Westernreiter - speziell für die Disziplin Reining - erstellen.

50 der 66 Anwesenden stimmten dem Antrag des Herdrates zu, Bürgin und Krähenbühl rund 10 000 Quadratmeter Bauland nach dem Standard-Baurechtsvertrag Industrie abzugeben. Damit hat der Herdrat die Kompetenz, die Landfläche zu gegebenem Zeitpunkt abzugeben. Je acht Herdburgerinnen und Herdburger waren dagegen oder enthielten sich der Stimme.

Völlig unbestritten war dieses Geschäft jedoch nicht, denn der Abstimmung gingen einige Diskussionen voraus. Nachdem Alain Bürgin das Projekt für die Reithalle mit 20 Pferdeboxen vorgestellt hatte, wurden kritische Fragen gestellt. Bürgin hatte darauf verwiesen, dass es schweizweit nur zwei geeignete Trainingsanlagen für Westernreiter gebe – eine in Matzendorf, eine im Welschland. Kann er bauen, hat er zusätzlich Interesse an Weideland, das die Herdgemeinde verpachten kann.

Reiten im Industriegebiet?

«Wie kommt man auf die Idee, so etwas im Industriegebiet zu planen?», wollte jemand wissen, und ob der Lärm die «Biggere» nicht störe. «Wie viele neue Arbeitsplätze würden entstehen?», lautete die nächste Frage. Bürgin schätzt «vier bis sechs». Auch der nächste Votant meldete Bedenken an: «Wir geben rund einen Drittel unseres Industrielandes ab. Ist das für uns nicht ein zu grosses Risiko – und was bringt uns das Ganze?» In Melchnau stehe mit dem Slide-In eine vergleichbare Anlage, und diese stehe zum Verkauf.

Nach den Kritikern meldeten sich jetzt vermehrt Befürworter zu Wort: «In Lotzwil darf der Tennisclub Langenthal eine Tennishalle bauen. Auch wir sollten Hand bieten, dass das hiesige Projekt realisiert werden kann.» Huttwil könne von einer neuen Art Tourismus profitieren, denn die Leute, die wegen der Westernreitanlage hierher kämen, würden auf «unsere wunderschöne Gegend» aufmerksam, schwärmte der nächste Votant. Ob er – falls das Projekt realisiert werde – nach Huttwil zügeln und hier Steuern bezahlen werde, wurde Alain Bürgin zuletzt noch gefragt. «Nein», war die kurze und klare Antwort.

Auch ohne Zügelabsicht Bürgins gab es ein klares Ja zur Baulandabgabe. Jetzt gelte es, Offerten einzuholen, die Erschliessungskosten zu eruieren und den Quadratmeterpreis zu beziffern. «Bevor der Vertrag abgeschlossen ist, passiert nichts», betonte der über das Ergebnis der Abstimmung glückliche Herdratspräsident Rolf Flückiger.

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