Sagibach-Park
«Wir wollen nicht zurück zum Wuhrplatz»

Die Alkohol- und Drogenszene verärgert in Langenthal die Leute. Nach dem Abzug vom Wuhrplatz hat die Szene sich jetzt im Sagibach-Pärkli breitgemacht – sehr zum Unwillen der Quartierbevölkerung. Jetzt sprechen drei Vertreter der IG Pärkli.

Urs Byland
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Bei sonnigem Wetter trifft sich die Szene beim Pärkli am Sagibach. uby

Bei sonnigem Wetter trifft sich die Szene beim Pärkli am Sagibach. uby

Solothurner Zeitung

Die Interessengemeinschaft Pärkli tritt für die Alkiszene ein. Im Gespräch mit drei Vertretern der IG, zwei Männer (A., B.) und eine Frau (C.), werden die Anliegen der Szene deutlicher. Die Gesprächspartner der IG Pärkli wollten nur anonym Auskunft geben, weil sie Repressalien fürchten.

Wer ist die IG Pärkli?

A.: Wir vertreten die Interessen von etwa 35 Personen, die sich regelmässig treffen, früher auf dem Wuhrplatz, jetzt im Sagibach-Pärkli. Mit der Ankündigung der Stadt, uns vom Wuhrplatz auszuschliessen, haben wir uns durchgerungen, die IG Pärkli zu gründen. Wir wollen wissen, was Sache ist.
C.: Und wir suchen auch eine Möglichkeit, damit wir uns im Winter treffen können.

Wann wurde die IG gegründet?

A: Das war im Spätsommer 2010. Die Stadt hat zu einem Infotag eingeladen und den Bau des Wuhrplatzes angekündigt. Mit dabei waren der Sicherheitschef, mehrere Polizisten sowie Strassenarbeiter aus Bern und Burgdorf und andere. Etwa ein Dutzend Personen haben gegen uns gesprochen. Wir waren eine Minderheit. Wir konnten zwar ab und zu etwas sagen, wurden aber vor vollendete Tatsachen gestellt.

Trotzdem blieb die Szene noch längere Zeit neben dem Wuhrplatz an der Langete.

A.: Ja, der Bauplatz wurde abgesperrt. Ein kleiner Platz blieb übrig, den haben wir halt genutzt. Aber wir wussten, dass der Moment kommen wird, an dem wir gehen müssen. Und dass wir auch nicht mehr zurückkehren werden.

Nicht mehr zurückkehren?

A.: Das ist klar. Wir wollen nicht den Platz beschlagnahmen. Wir wollen einzig einen Ort, wo wir uns treffen können.

Unterstützen alle Szenegänger die Ideen der IG Pärkli?

B.: So ist es.
A.: Wenn wir mit neuen Ideen kommen, dann schlucken sie diese meistens.

Haben Sie sich bewusst auf die Suche nach einem neuen Ort gemacht?

A.: Ja, Eine unserer Lösungen wurde von der Stadt toleriert.
C.: Das mit dem Pärkli ist zwischen uns persönlich und dem Sicherheitschef der Stadt mündlich besprochen worden. Herauskristallisiert hat sich dies, weil wir immer wieder den Coop belagerten. Viele von uns waren auch auf dem Areal des «Bären» bei den Parkplätzen. Es gab Verweise und Verbote. Dann kam er einmal und sagte, so könne es nicht weitergehen, und wir haben verschiedene Möglichkeiten diskutiert.
A.: Und immer kam der Hinweis, das sei nur ein Provisorium. Wenn die geringste Sache passiere, würden sie restriktiv den Platz räumen.

Ohne ein Angebot für einen anderen Ort?

A.: Ja, das stand nie zur Diskussion. Wir hatten zwar den Infotag, an dem auch der Stadtpräsident anwesend war. Er sagte sogar, den Begriff Randständige dürfe man nicht mehr brauchen, denn es hat jeder eine Wohnung, einige haben einen Job, andere beziehen IV.
C.: Natürlich hat es psychisch auffällige Leute. Es gibt auch Szenegänger, die mit dem Alkohol grosse Probleme haben. In diesen Fällen sind wir auf Hilfe angewiesen.

Warum?

A.: Weil wir selber nicht mit diesen Leuten zurechtkommen. Wir würden gerne mit der Stadt zusammenarbeiten, um diese Leute den Institutionen zuweisen zu können, wo sie Hilfe finden.

Ist das Sagibach-Pärkli auch Umschlagplatz für harte Drogen?

B.: Nein, das hat sich in der Zwischenzeit zum grössten Teil aufgelöst.

Die Alkiszene tritt stets als Gruppe auf, was es auch schwierig macht, mit Einzelnen in Kontakt zu treten. Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?

A.: Ja, es heisst, wir seien eine autonome Gesellschaft. Aber sowohl Securitas als auch die Polizei, mit denen wir jetzt öfters im Gespräch sind, sagen: Was machen wir überhaupt hier, wozu müssen wir Euch zuschauen kommen, wir können ja nicht einmal jemanden aufschreiben, der seinen Zigarettenstummel nicht in den Abfall geworfen hätte.

Beim Wuhrplatz haben Sie den Abfall nicht weggeräumt.

B.: Wir hatten Rechen und Besen und hielten den Platz sauber. Was wir nicht ausschliessen konnten, war, dass die Leute Zigarettenstummel in die Langete werfen. Die Stadt hat dann gemerkt, dass viel Abfall von anderen kam.
A.: Als sie uns genauer kontrollierten, haben sie gemerkt, dass wir um zehn, elf Uhr nach Hause gingen. Beim Spanierklub bildeten sich Gruppen, die bei unserem Platz Vandalismus betrieben. Sie haben unsere Bänke und Stühle ins Wasser geworfen. Natürlich warf die Polizei uns zuerst vor, wir hätten dies in unserem Suff selber getan. Und dann gibt es noch eine Jugendhausgruppe, die nach Schliessung des Lokals spät nach Mitternacht randalierend durch Langenthal zog.
C.: Die Stadt hat uns für alles verantwortlich gemacht, bis sie dann merkten, dass es diese drei Gruppen gibt.

Ein Vorwurf ist, dass Sie in der Öffentlichkeit trinken?

C.: Man sieht halt immer Leute beim Pärkli, aber es sind nicht dieselben. Es gibt welche, die verbringen die Mittagszeit dort. Andere arbeiten Schicht und haben den Nachmittag frei, wieder andere kommen am frühen Abend.
A.: Beim Wuhrplatz waren Büsche, da konnten wir uns etwas verstecken. Hier im Sagibach-Pärkli sind wir wie auf dem Präsentierteller. Deshalb verstehen wir nicht, dass die Gemeinde uns nichts zur Verfügung stellt.
C.: Dabei wäre es so einfach, mit einem Zimmer oder einer Garage oder einem Container, wo wir uns treffen könnten.

Besteht dann nicht die Gefahr, dass weitere Leute angezogen werden?

A.: Dies bestätigt sich in der Realität nicht. Auswärtige schicken wir nett aber bestimmt weg. Wir schicken auch Jugendliche fort.

Es wurde auch im öffentlichen Raum uriniert oder Passanten beleidigt. Was sagen Sie zu diesen Vorwürfen?

A.: Das stimmt, es gab Fälle. Einer von uns wurde zweimal geschlagen, weil er darauf aufmerksam machte, dass eine Toilette in der Nähe ist.
C.: Wir haben ein halbes Dutzend psychisch schwerst Kranke, mit denen wir nicht umgehen können, und wir von der Stadt Hilfe brauchen.

Und die Hunde?

C.: Wir haben immer noch einige Fälle von Hundebesitzern, die die Hundeschule nicht gemacht haben. Auch hier sind wir auf die Hilfe der Behörden angewiesen.

Beim Sagibach-Pärkli will die Quartierbevölkerung keine Alkiszene. Wie gehen Sie weiter vor?

C.: Wir wollen ja eigentlich nicht dort bleiben. Wir hoffen auf einen Raum, Unterstand oder anderes, was im Winter auch das Problem lösen würde, dass alle beim Coop die Wärme suchen gehen.
A.: Aktuell heisst es, es bestehe kein Handlungsbedarf. Obwohl die Quartierbevölkerung gegen uns mobil macht.
B.: Wir haben auch schon Orte in Aussicht und versuchen mit der Stadt ins Gespräch zu kommen. Man hat uns versprochen, vor Weihnachten, einen Termin für einen Runden Tisch zu suchen. Bei diesem Treffen wollen wir uns in Augenhöhe begegnen können. Egal, ob Anwohner, Sicherheitschef, Polizei und sonstige.
C.: Für uns wäre auch die Containerlösung praktikabel. Wir wissen, wo die Probleme liegen: Es braucht eine sanitäre Anlage und einen Verkaufsladen mit Alkoholika in der Nähe.

Also kein Comeback auf dem Wuhrplatz?

C.: Wir haben einen Versuch gestartet. Aber kaum hatten wir uns hingesetzt, vertrieb uns die Polizei.

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