Lebensmittelhandel
Wie die Dorfkäserei mit einem Roboter in die Zukunft gehen will

Die Dorfkäsereien Aarwangen und Koppigen spannen mit neuem Reifungslager zusammen. Dabei wird auch die neue Technologie mit in das Konzept einbezogen.

Andrea Marthaler
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Die Dorfkäserei befindet sich im Wandel
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Trotz Maschine braucht es noch Handarbeit
Ruedi Beutler von der Dorfkäserei Koppigen und Thomas Hofer von der Dorfkäserei Aarwangen haben sich fürs neue Lager zusammengetan
Das neue Gebäude in Koppigen
Das Käsereifungslager
Die Käse werden automatisch gepflegt

Die Dorfkäserei befindet sich im Wandel

Eingangs Koppigen steht seit einiger Zeit ein grauer Neubau der Firma fromaca ag. Dahinter steckt nicht irgendein auswärtiger Investor, sondern die beiden Dorfkäsereien in Aarwangen und Koppigen. Gemeinsam mit dem Käsetechnologen und Betriebsorganisator Hansruedi Feldmann aus Alchenstorf haben sie ein Zentrum zur Käsereifung und Käselagerung realisiert. «Hätte mir vor zwei Jahren jemand gesagt, dass ich in so einen Neubau investieren werde, hätte ich es nicht geglaubt», sagt Thomas Hofer, Inhaber der Dorfchäsi Aarwangen. «Dies für unsere Paar Chäsli.»

Doch es ist anders gekommen. Die Situation im Käsemarkt mache es immer schwieriger, konkurrenzfähig zu sein. Zugleich fehlte den beiden Käsereien, die schon seit zehn Jahren zusammenarbeiten, an Platz, um die Käse reifen zu lassen. Bisher waren sie in der ehemaligen Käserei in Rumendingen eingemietet gewesen, wegen Engpässen aber auch in Käselager in Lützelflüh und im Berner Jura.

Neubau nur gemeinsam realisierbar

«Der Aufwand für die dezentralen Lager wurde zu gross», erklärt Ruedi Beutler, Inhaber der Dorfkäserei Koppigen. Als dann die Käserei Rumendingen verkauft wurde, war der Entscheid schnell gefällt – ein Neubau kam günstiger als die Umnutzung bestehender Räume und konnte erst noch besser an die Bedürfnisse angepasst werden.

«Wir hätten diesen Neubau beide alleine nicht gemacht», ist Beutler überzeugt. Erst durch ihre Partnerschaft wurde er realisierbar. «Wir haben ähnliche Betriebe und ergänzen uns gut», so Hofer. Er geschäfte vor allem in der Region Langenthal, Beutler in der Region Kirchberg/Burgdorf. Um flexibler zu sein und Arbeitszeit einsparen zu können, setzen sie zum Beispiel gemeinsam die Kulturen der Milchsäurebakterien an.

Beide bleiben aber trotz des gemeinsamen Käsereifungslagers ihren eigenen Produkten treu. Die Dorfkäserei Koppigen hat sich neben dem Emmentaler auf den Koppiger Dorfkäse, Hartkäse für Fondue sowie Jersey-Käse spezialisiert, die Dorfchäsi Aarwangen ergänzend zum Emmentaler auf den Aare Chäs, Hauskäse, Magerkäse und neu auch Raclettekäse.

Käse werden per Roboter gepflegt

Koppigen eignete sich als Standort, da zumindest eine der beiden Käsereien in der Nähe liegt und sich die beiden Käsereien stärker nach Bern denn nach Osten orientieren. «Die Gemeinde Koppigen hat sich zudem stark für uns engagiert und grosses Interesse gezeigt», ergänzt Hofer.

Für über 2 Millionen Franken – dies ohne Subventionen, da, beide Käsereien nicht genossenschaftlich organisiert sind – wurde der Neubau erstellt. Das Herzstück ist die Halle zur Käsereifung. Dort herrscht ein konstantes Klima mit 11,5 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 95 Prozent, wobei sich keine Tropfen bilden dürfen. Hier verrichtet Roboter Fränzi seine Arbeit, getauft in Anlehnung an den Käsermeister Franz Sutter, der für den Betrieb zuständig ist.

Fränzi wendet und pflegt die Käse vollautomatisch nach einprogrammiertem Ablauf. «Das erleichtert uns einiges», so Hofer, «denn es wird immer schwieriger Leute, für die Käsepflege zu finden. Zudem ist sie in Handarbeit kostspielig.» Fränzi kann je nach Sorte 90 bis 120 Käse in der Stunde pflegen. Bei den Kleinen ist das nicht viel mehr als von Hand auch möglich wäre, doch bei den grossen arbeitet die Maschine deutlich schneller. Und Fränzi arbeitet auch nachts.

Käse länger reifen lassen

Entlassen werde aber niemand wegen des Roboters. Stattdessen könne die Menge Käse hochgefahren werden. Die Angestellten konzentrieren sich nun stärker aufs Verarbeiten, zum Beispiel Käse schälen oder Fondue schneiden. Das Wichtigste sei aber, dass mit Fränzi die Käse länger reifen können. «Wir haben die Lagermenge erhöht und können nun jede Käsesorte im gewünschten Reifegrad produzieren», erklärt Hofer. «Denn wenn man Käse zu einem besseren Preis verkaufen möchte, muss man ihn lagern können.»

Derzeit hat es in der Halle mit Platz für bis zu 160 Tonnen Käse sogar noch freie Kapazität, sodass sich andere Käsereien aus der Umgebung einmieten konnten. Mit dem Neubau fühlen sich die beiden Käser für die Zukunft gerüstet, trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage. «Es werden in Zukunft noch viele Betriebe verschwinden», bedauert Hofer. Die Dorfkäsereien Aarwangen und Koppigen haben hingegen nun einen wichtigen Schritt für ihre Weiterentwicklung getan.

Tag der offenen Tür im Käsereifungslager Aspi: Samstag, 10. September, 9 bis 17 Uhr.

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