Ratgeber Gesundheit
Wenn die Wade zwickt

Wegen Fibromyalgie-Rheuma bekomme ich (47) drei bis viermal jährlich eine Cortisonspritze. Seit rund drei Jahren leide ich nun auch an regelmässig wiederkehrenden schmerzhaften und sehr lange andauernden Wadenkrämpfen. Was kann ich dagegen tun? Herr A. L. aus W.

Andreas Thueler, Chefarzt Rehabilitation & Rheumatologie am Kantonsspital Baden
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Gesundheit Aargau

Wadenkrämpfe sind leider sehr häufig. Die nächtlichen, kurz andauernden Wadenkrämpfe sind zwar schmerzhaft und lästig, aber meistens harmlos. Die Ursache bleibt häufig unklar. In der Schwangerschaft können sie vermehrt auftreten. Es gibt auch Erkrankungen, bei denen Muskelkrämpfe gehäuft vorkommen. Dazu gehören besonders Nieren- und Schilddrüsenerkrankungen sowie Erkrankungen an Blutgefässen (Venen und Arterien); Erkrankungen der Nerven und Muskeln wie auch Diabetes mellitus. Medikamente, die den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt beeinflussen, können potenziell ebenfalls Wadenkrämpfe auslösen.

Wenn jedoch ein Dauerschmerz besteht, gehen wir in der Regel nicht mehr von Muskelkrämpfen aus. Hier stellt sich die Frage, ob es sich nicht um einen Schaden/eine Erkrankung des Muskels, der Nerven oder der Gelenke/Knochen handelt. Gelegentlich können bei starken Krämpfen Muskelfaserrisse entstehen, die zu Einblutungen im Muskel führen und für sechs bis acht Wochen Dauerschmerzen verursachen können.

Bei länger andauernden Schmerzen muss nach anderen Veränderungen im Bewegungsapparat gesucht werden. Es gibt leider sehr viele Möglichkeiten, die zu lokalen Muskel- oder Nervenschmerzen führen können. Häufige Ursachen sind Gelenkveränderungen wie Arthrosen oder Veränderungen an der Lendenwirbelsäule mit Druck auf Nerven, die ins Bein führen. Besonders bei älteren Menschen kommt es nicht selten zu Verengungen im Nervenkanal der Wirbelsäule. Typische Beschwerden sind dann ein- oder beidseitige Beinschmerzen, die bereits nach kurzen Gehstrecken auftreten können und beim stehenbleiben und Hinsetzen wieder verschwinden.
Für die Behandlung der Wadenkrämpfe mit unklarer Ursache gibt es keine allgemeingültigen Empfehlungen. Bei etlichen Personen hat sich Magnesium bewährt; andere profitieren von muskelentspannenden Medikamenten oder Chinin (etwa in Tonic Water enthalten).