Roggwil
Trotz allem gibts heute in Roggwil frische Forellen

Vor knapp einem Jahr machte ein Gewitter Adrian Friederichs Zucht im Paradisli zur Hölle. Die Zucht wurde überschwemmt und hunderte Tiere schwammen davon. Von dieser Zeit ist heute nichts mehr zu sehen.

Samuel Thomi
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Heute und morgen verkauft Adrian Friederich Hunderte Regenbogenforellen ab Fischzucht.Fotos: sat

Heute und morgen verkauft Adrian Friederich Hunderte Regenbogenforellen ab Fischzucht.Fotos: sat

Wenn heute Gründonnerstag und morgen Karfreitag dutzende Oberaargauerinnen und Oberaargauer wie jedes Jahr im Roggwiler Paradiesli frische Forellen kaufen, werden sie von dieser Geschichte nichts mehr sehen. – Dass die Fischzucht in der Mange vor knapp einem Jahr von der Langete überschwemmt wurde, Hunderte Tiere über Nacht auf und davon schwammen, ist längst Geschichte.

«Natur hilflos ausgeliefert»

«Es war ein Schock», blickt Adrian Friederich bei einem Augenschein zurück. Mit zwei Kollegen richtet er seine Fischzucht gerade für den anstehenden Grossandrang her. «Wir waren der Natur hilflos ausgeliefert.» Das war in der Nacht auf den 13. Juli 2011, als Ausläufer eines heftigen Gewitters am Jurasüdfuss auch im Oberaargau dutzende Bäume wie Zündhölzer knickten. Strassen waren darauf zum Teil tagelang gesperrt. Und eben, im Paradiesli war für einmal die Hölle los. Mehrere Bäume fielen vom gegenüberliegenden Steilhang hinunter ins Wasser. Die Fischzucht unterhalb des Roggwiler Dorfkerns hatte in den letzten Jahrzehnten zwar schon zahlreiche Hochwasser unbeschadet überstanden. Doch jetzt floss der hochgehende Fluss plötzlich über die zahlreichen Weglein, durch die vielen Teiche und das Schlachthaus hindurch. «Schätzungsweise 200 Kilo Fische habe ich verloren», sagt Friederich. Das sind etwa 500 Tiere oder die Hälfte der Menge, die heute und morgen traditionellerweise direkt aus den Zuchtbecken verkauft werden. Während dem Jahr bestellt und holt man sonst bei Friederichs zu Hause ab. «Auch die geräuchten Filets, unsere besten Stücke im Haus.» – Dafür allerdings sorgt Susanna Friederich, Herrin über Haus und Buchhaltung. Derweil die Schäden an der Anlage von der Gebäudeversicherung übernommen wurden, waren die Tiere nicht versichert. Adrian Friederich nur: «Das war schon hart. Aber so ist nun mal die Natur.»

«Arbeit in der Natur motiviert»

«Damals – wie auch heute und bereits in den Jahren zuvor – haben wir Ädu gerne geholfen.» Damit meint Fritz Kurt sich und Bruno Tereo. Die zwei gehen Friederichs regelmässig zur Hand; Füttern die Fische, wenn die Fischhalter weg sind. Adrian Friederich haben sie umgekehrt inzwischen auf den Geschmack der Jagd gebracht. «Fischer und Jäger sind ja beides Sammler.» Die zwei Senioren aus Roggwil und Aarwangen reichen für den Grossandrang heute und morgen aber nicht: «Es werden noch zwei, drei weitere Helfer vor Ort sein», sagt Fritz Kurt. Überhaupt ist die Roggwiler Forellen-Zucht immer wieder auf Helferinnen und Helfer angewiesen. «Eigentlich arbeite ich nämlich in der Ziegelei», sagt Adrian Friederich erneut schmunzelnd. «Die Arbeit in der Natur motiviert und entschädigt für vieles», sagt Fritz Kurt fast entschuldigend. «Und ab und zu gibts natürlich auch ein feines Essen», fügt er an. «Überhaupt», sagt er, «hat in dieser Hütte schon alles, was im Oberaargau Rang und Namen hat, einmal richtig gefestet.» Tatsächlich hört man im Oberaargau immer wieder von legendären Vereinsfesten im Roggwiler Paradiesli.

Erfolgloser Fischer

Aufgebaut hat die Fischzucht vor über einem halben Jahrhundert Fritz Wälchli. «Die Tiere werden im Trinkwasser von Roggwil herangezogen», verweist Adrian Friederich auf die Quellen, welche die Teiche direkt aus dem Hang speisen. Lasse man das Wasser ab, füllten sie sich sogleich wieder. Den Umgang mit den Regenbogenforellen habe er bei der Mitarbeit nach Feierabend von seinem Schwiegervater erlernt, blickt Friederich zurück. Inzwischen seien aber noch zahlreiche Konzepte und Vorschriften hinzugekommen, damit die Fische schliesslich verkauft werden dürfen. Nicht nur an Private. Sondern auch an mehrere Restaurants
in der Region, etwa den «Löwen» in
St. Urban. Adrian Friederich: «Mit einer Angelrute habe ich bisher jedoch nur einmal gefischt.» Das war in der Langete nebenan. Jedoch erfolglos.

Was auffällt: Ausser einem Zaun ist die Anlage nicht geschützt. «Wir füttern eben auch den Fischreiher», sagt Adrian Friederich. «Ganz selten schauen Kormorane vorbei.» Das Problem sei ein anderes: Ob dem Laub der Bäume seien Netze unpraktisch.

«Ein alter, schöner Brauch»

Und wie ist das nun mit Gründonnerstag, Karfreitag und dem Fischessen? In der Woche davor nimmt Adrian Friederich jeweils Ferien. Ansonsten sei er nicht besonders religiös. «Es ist halt ein alter, schöner Brauch, den die Leute gerne Feiern. Und am besten natürlich mit frischem Fisch aus unserem kleinen Paradies.»

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