Grossveranstaltungen
Strikte Maskenpflicht gilt bei Sportanlässen – bei anderen Grossevents gelten flexible Lösungen

Der Zürcher Regierungsrat will ab Oktober Grossveranstaltungen wieder ermöglichen. Er behält sich aber vor, sie kurzfristig auch wieder abzublasen.

Matthias Scharrer
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Kein Publikum im Hallenstadion: Ab Oktober sollen solche Bilder der Vergangenheit angehören.

Kein Publikum im Hallenstadion: Ab Oktober sollen solche Bilder der Vergangenheit angehören.

Keystone

Ab Oktober sind Grossveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen wieder zulässig. Sie müssen aber durch den Kanton bewilligt werden. Am Donnerstag gab der Regierungsrat bekannt, wie er dies handhaben will. «Wir wollen Veranstaltungen ermöglichen, nicht verhindern», sagte Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP). Dabei gelte es, alles zu tun, um Besucher und Personal vor dem Coronavirus zu schützen.

Bei Grossveranstaltungen im Sport herrsche strikte Maskenpflicht, wie der Bundesrat tags zuvor verkündet hatte. Die Bewilligungen können von den Vereinen mit jeweils einem Gesuch für die ganze Saison beantragt werden.

«Für alle anderen Grossveranstaltungen müssen jeweils eigene Kriterien festgelegt werden», so Fehr. Eine Maskenpflicht sei sinnvoll, wenn der Mindestabstand von eineinhalb Metern länger nicht eingehalten werden könne.

Eine zentrale Rolle bei der Bewilligung spielt die kantonale Arbeitsgruppe Grossveranstaltungen, die vom Rechtsanwalt Thomas Iseli geleitet wird. Sie dient als Kompetenzzentrum für die Bewilligungen. Der Entscheid liegt aber bei der jeweils zuständigen Direktion des Regierungsrats. Falls es Differenzen zwischen der Arbeitsgruppe und der jeweiligen Direktion gibt, entscheidet die Gesamtregierung, wie Fehr erklärte. Die Bewilligungen seien kostenfrei.

Allerdings könne der Kanton bereits erteilte Bewilligungen wieder zurückziehen, wenn sich die epidemiologische Lage ändere. Anspruch auf Entschädigung hätten die Veranstalter in solchen Fällen nicht. Kurzfristige Absagen werde es aber wohl nur im Extremfall geben, sagte Iseli. Eher würden bei einer verschlechterten Lage die Teilnehmerzahlen für Grossveranstaltungen verringert. Genaue Kriterien für eine Verschlechterung der Lage wurden an der Medienkonferenz auch auf Nachfrage nicht genannt. Nur soviel: Mitentscheidend sei, ob der Kanton das Contact-Tracing noch aufrecht erhalten könne.

Ab mehr als 100 Neuinfektionen pro Tag im Kanton Zürich könne dies kritisch werden, hatte es bei früherer Gelegenheit geheissen. Gestern lag die Zahl der neuen Fälle bei 72, vor einer Woche waren es 118. «Das Contact Tracing funktioniert sehr gut», versicherte Fehr. Er wertete es als Erfolg, dass die Zürcher Fallzahlen in der letzten Woche etwa konstant blieben. Dies, nachdem sie in den vorangehenden Wochen angestiegen waren.

Es geht um über eine Milliarde Franken pro Jahr

Fehr betonte, mit den Grossveranstaltungen wolle der Kanton ein Stück Normalität wiedererlangen. Auch wirtschaftliche Überlegungen spielen mit: Die Eventbranche schafft im Kanton Zürich pro Jahr eine Wertschöpfung von 850 Millionen Franken, wie Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) sagte. Der Zürcher Spitzensport erwirtschafte jährlich 434 Millionen Franken. Bis Ende Jahr seien jetzt kantonsweit 30 nicht-sportliche Grossveranstaltungen geplant.

«Die ganze Branche ist kurz vor dem Kollaps»

Eventhallenbetreiber im Raum Zürich sehen die neuen Regelungen für Grossveranstaltungen kritisch: «Noch immer haben wir keine Planungssicherheit», sagt Hallenstadion-Direktor Philipp Musshafen. «Aber es ist ein erster Schritt nach vorne.» Er rechnet damit, dass das Hallenstadion sowohl beim Eishockey als auch bei Events zwei Drittel seiner Maximalkapazität ausschöpfen kann. Je nach Layout seien dies 5000 bis 7000 Personen. In den Gängen sowie beim Ein- und Ausgang sei Maskenpflicht vorgesehen. Ob diese auch auf den Sitzplätzen gelte, sei noch zu klären. Eine Alternative wäre, wie in Kinos, ein Sitz Abstand zwischen Besuchergruppen. Dank Kurzarbeit sei das Hallenstadion bis jetzt ohne Entlassungen durch die Coronakrise gekommen. Aber: «Die ganze Branche ist kurz vor dem Kollaps und es ist wichtig, dass wir nun wieder unsere Arbeit machen können», sagt Musshafen.

Von einem «Affront an unsere Branche» spricht Anke Stephan, Geschäftsleiterin der Samsung Hall in Dübendorf. Da der Kanton Veranstaltungen je nach epidemiologischer Lage wieder abblasen könne, fehle es an Planungssicherheit – und die Veranstalter trügen das volle Risiko. Es gelte abzuwägen, ob Grossveranstaltungen so überhaupt möglich seien. «Wir wissen nicht, ob wir dieses Jahr mit dieser Ausgangslage überstehen werden», sagt Stephan. Und fügt an: «Man lässt die Eventbranche an der ausgestreckten Hand verhungern!» (mts)

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