Beinwil am See
Pflastersteine aus China haben keine Folgen: Gemeinde schmettert ökologische Vorgaben ab

Beinwil am See will auch bei zukünftigen Bauprojekten keine ökologischen Vorgaben machen. Die Gemeinde sei ein vergleichsweise kleiner Abnehmer, daher gebe es keine Notwendigkeit, hier spezielle Auflagen zu machen, sagt der Gemeindeammann.

Sibylle Haltiner
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"Made in China": Die Pflastersteine von weit her wurden in der Häsigasse verbaut. Für den neuen Werkhof (hier die Visualisierung) will die Gemeindeversammlung keine ökologischen Baukriterien.

"Made in China": Die Pflastersteine von weit her wurden in der Häsigasse verbaut. Für den neuen Werkhof (hier die Visualisierung) will die Gemeindeversammlung keine ökologischen Baukriterien.

zvg

Die meisten Traktanden der Gemeindeversammlung in Beinwil am See vom Freitagabend, an welcher 126 Stimmbürger teilnahmen, gaben nicht viel zu reden. Grund dafür war auch der gute Rechnungsabschluss 2016. Ausserordentlich hohe Einnahmen bei den Erbschaftssteuern sowie ein guter Abschluss der Eigenwirtschaftsbetriebe haben dazu beigetragen.

Kommt das Holz aus Sibirien?

Auch der Neubau des Werkhofs mit Feuerwehrmagazin war grundsätzlich unbestritten. Als Grundlage für den Baukredit von knapp 6 Millionen Franken diente das Siegerprojekt des Wettbewerbs, das Gesamtleistungsangebot der Zehnder Holz und Bau AG, Winterthur, das sich optimal der Hanglage des Geländes anpasst. Ein Böjuer wollte jedoch vom Gemeinderat wissen, ob es für diesen Bau eine Vorgabe betreffend Baumaterialien und Ökologie gebe. Er befürchtete, dass Platten aus Portugal, Holz aus Sibirien oder gar Steine aus China verwendet würden.

Anlass für die Anfrage war der Einbau von Pflastersteinen aus China in der Häsigasse. «Wo der Generalunternehmer die Ware bezieht, liegt nach der Ausschreibung nicht mehr in der Kompetenz des Gemeinderates. Wir sind ein vergleichsweise kleiner Abnehmer und sahen deshalb keine Notwendigkeit, hier spezielle Auflagen zu machen», meinte Gemeindeammann Peter Lenzin in der «Schweiz am Wochenende» vom 6. Mai dazu. So konnte Lenzins Aussage, man sei beim neuen Werkhof noch nicht in der Ausführungsplanung, den Votanten nicht befriedigen und er stellte den Antrag, verbindliche ökologische Kriterien für den Bau zu formulieren. Da solche Vorgaben das Projekt verteuern könnten, warnte Peter Lenzin, dass bei Annahme des Antrags nachfolgend nicht über den Kredit abgestimmt werden könnte. Mit nur 12 Ja-Stimmen wurde der Antrag auf Festlegung von ökologischen Kriterien für den Werkhof- und Feuerwehrmagazin-Neubau abgelehnt, der Kredit anschliessend mit grossem Mehr gutgeheissen.

Da in der Gemeinde weitere Bauten anstehen, zum Beispiel Gemeindehaus und Kindergarten sowie die Sanierung der Turnhalle und von Schulhäusern, stellte der Votant den Überweisungsantrag, dass die Gemeinde für sämtliche zukünftigen Bauprojekte ein Pflichtenheft betreffend Materialien und Ökologie erstellen müsse. Dieser Antrag machte dem Gemeindeammann sichtlich keine Freude. «Wir können höchstens auf die nächste Gemeindeversammlung einen Kredit für dessen Ausarbeitung traktandieren», meinte Lenzin. Die Gemeinderäte seien nicht vom Fach und ein solches Pflichtenheft müsse professionell erstellt werden. «Ich habe auch bei anderen Gemeinden im Bezirk angefragt, keine kennt solche Vorgaben», erklärte er. Nach längerer Diskussion wurde der Antrag mit 70 zu 27 Stimmen deutlich abgelehnt.

«Danke für die gewonnene Freizeit», sagte Gemeindeammann Peter Lenzin danach erleichtert.

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