Wohnen
Nachhaltigkeit beim Wohnen

Der Begriff der Nachhaltigkeit ist zum Modewort geworden. Skepsis ist angebracht, denn klare Kriterien, wann ein Produkt, eine Bau- oder Handlungsweise nachhaltig ist, gibt es nicht. Das birgt die Gefahr, dass sich gerade jene Nachhaltigkeit auf die Fahnen schreiben, bei denen es für Zertifikate und Umweltsiegel nicht reicht.

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Wieso Möbel oder eine Bauweise als „nachhaltig“ und „umweltfreundlich“ beworben werden, sollte so oft wie möglich hinterfragt werden. Nur so lassen sich schwarze und weisse Schafe trennen. Unternehmen, die die Auswirkungen ihrer Arbeit bedenken, haben auch gute Antworten zum Thema Nachhaltigkeit.

Beim Wohnen gibt es mehrere Trends, die konsequent dem Gedanken der Nachhaltigkeit folgen und zugleich Hausbau und Einrichtung mit neuen Ideen bereichern. So wie beim Wein die Zeiten vorbei sind, in denen man sich zwischen Bio und Genuss entscheiden musste, ist es auch beim „Öko-Bau“: Viele Hersteller und Werkstätten bieten in punkto Design, Material- und Verarbeitungsqualität nachhaltige Produkte der Spitzenklasse an.

Holz – die richtige Auswahl treffen

Der Werkstoff Holz spielt beim Haus- und Möbelbau eine zentrale Rolle. Das ist einerseits gut, denn es handelt sich um ein reines Naturmaterial. Andererseits ist es problematisch, denn die Ressourcen sind begrenzt. Die schwer fassbare Hochrechnung: Pro Minute (!) wird eine Waldfläche von mehr als 30 Fussballfeldern von der Erde getilgt.

Der nachhaltige Holzanbau bildet daher einen der Grundpfeiler für die Nachhaltigkeit beim Wohnen. Verbraucher können sich beim Kauf von Hölzern, Parkett und Möbeln an Zertifikaten orientieren, die die Unbedenklichkeit beim Holzanbau bescheinigen. Wichtigstes Label weltweit ist die Zertifizierung „FSC“ (Forest Stewardship Council), die auch in der Schweiz fest verwurzelt ist. Im vergangenen Jahr waren bereits 50 Prozent der Schweizer Wälder FSC-zertifiziert, was einer Fläche von 612.000 ha entspricht. Rund 70 Prozent aller verkauften Hölzer stammen aus diesen Waldgebieten. Im Vergleich zu den zertifizierten Tropenhölzern ist das eine echte Erfolgsgeschichte. Zwar ist auch FSC-zertifiziertes Teak oder Mahagoni erhältlich, der Anteil der Hölzer aus Raubbau dürfte jedoch klar überwiegen.

Möbel mit dem Anspruch auf Nachhaltigkeit

Menschen, die ihre Wohnumgebung umweltbewusst gestalten wollen (und das sind immer mehr), verzichten auf Kunststoffe und achten auf die Schadstoffbelastung der verwendeten Materialien. Neben Holz finden dabei viele weitere Materialien Verwendung, zum Beispiel Bambus oder Baumwolle. Ein nachhaltiges und ökologisches Möbel-Konzept reicht jedoch über die Frage umweltfreundlicher Materialien hinaus und beschäftigt sich zugleich mit den Arbeitsbedingungen und Transportwegen. Die wichtigsten Kriterien sind:

  • Hölzer aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung
  • Kurze Lieferwege
  • Keine Schadstoffe
  • Keine Oberflächenversieglung mit schadstoffhaltigen Ölen oder anderen Lasuren
  • Hohe Verarbeitungsqualität für eine lange Lebensdauer

Verlässliche Zertifikate sind für diese Möbel nur schwer zu finden. So steht das Label „création suisse“ zwar für hochwertige Möbelstücke aus Schweizer Produktion, sagt über die Ökobilanz aber nur wenig aus. Auch Siegel wie „der Blaue Engel“ (kein oder nur sehr geringer Schadstoffausstoss), „öko control“ (ökologisch orientierte Einrichtungshäuser) oder „eco-Institut Tested Product“ (weitgehende Kontrolle vom Lebenszyklus eines Produktes) decken jeweils nur Teilaspekte ab. Dennoch: Wer auf strengere staatliche Auflagen pocht, sollte zunächst die vorhandenen Möglichkeiten nutzen. Die Nachfrage nach umweltfreundlichen Materialien und Herstellungsprozessen wird mittelfristig auch das Angebot positiv beeinflussen.

Upcycling – mit Kreativität zum umweltfreundlichen Designerstück

Der Trend zum Upcycling mag in der globalen Ökobilanz bisher nur feine Spuren zu hinterlassen, in unserem Wohnumfeld hat er jedoch ein enormes Potential: Steht vor jedem Gang zur Abfalltonne die Frage der ökologischen Wiederverwendbarkeit, kann daraus so manches vielbeachtete Unikat entstehen. Kommoden aus Holzpaletten, Tische aus Kabeltrommeln oder der Tisch aus Opas Koffer – der Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt. Nachhaltiger kann eine Verwertung nicht sein, folgt hier doch auf den beendeten Lebenszyklus ein völlig neues Produkt.

Nachhaltiges Wohnen wird nicht allein von unserer Umgebung bestimmt, selbst wenn Sie umweltbewusst in einem „Green Building“ residieren (ein eigenes Thema). Letztlich ist es unser Verhalten, dass die Bilanz ausmacht. Nun haben Fragen wie: Muss es denn schon wieder ein Steak sein oder ein Übersee-Flug, immer einen bitteren Beigeschmack. Ja, es muss, heisst es dann schon aus purem Trotz.

Um nachhaltig(er) zu wohnen, können wir viele Dinge tun (und lassen), die im Grunde keinen Verzicht bedeuten. Und genau das scheint uns der richtige Ansatz zu sein. Die folgenden Punkte kennt im Grunde jeder, und es lohnt sich, sie gelegentlich wieder ins Gedächtnis zu rufen. Hier kann mit Nachhaltigkeit sogar gespart werden, was beim Bauen meist nur auf lange Sicht der Fall ist:

  • Wasser muss nur fliessen, wenn es tatsächlich genutzt wird. Beim Zähneputzen ist das zum Beispiel nicht (durchgehend) der Fall.
  • Ungenutzte Elektrogeräte sollten konsequent vom Netz genommen werden, aus dem hoffentlich Ökostrom fliesst.
  • Jede Wohlfühltemperatur hat eine Toleranz und jedes Grad weniger spart rund fünf Prozent Heizenergie. Da ist der kuschlige Kaschmir-Pullover schnell finanziert.
  • Erdbeeren im 5kg-Korb waren günstiger? Aber nicht, wenn man die verschimmelten Früchte später wegwirft.
  • „Chez Mamie“ grüsst aus dem Wallis und punktet gleich doppelt: Die „Zero-Waste-Strategie“ funktioniert hier bei der Menge der gekauften Ware und bei der (fehlenden) Verpackung.
  • Einwegflaschen sind in umweltbewussten Haushalten Geschichte, Einwegprodukte aber nicht unbedingt. Brauchen Sie zum Beispiel täglich ein neues Brillenputz- oder Abschminktuch?

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