Wahlen 2011
Nach den Wahlen: Wunden lecken bei den Bürgerlichen

Die FDP und die Grünen sind im Kanton Bern die grossen Verlierer der Nationalratswahlen; alle grossen Parteien verloren vorgestern Wähleranteile; die «neue» Mitte mit GLP und BDP gewann die Wahlen.

Tobias Granwehr
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Fulvio Pelli verfolgt die Wahlresultate im Studio des Schweizer Fernsehens

Fulvio Pelli verfolgt die Wahlresultate im Studio des Schweizer Fernsehens

Keystone

Dieses Fazit trifft nicht nur auf den ganzen Kanton zu, sondern auch auf die Stadt Langenthal. Die FDP, in Langenthal traditionell stark, kommt jetzt gerade noch auf 15,4 Prozent. Die SVP verlor in Langenthal ebenfalls und liegt jetzt praktisch gleich auf wie die SP (siehe Tabelle rechts).

Was sagt Langenthals FDP-Präsident Rudolf Lanz zum schlechten Abschneiden seiner Partei? «Im Kanton Bern hat die Partei eine Niederlage erlitten, die nachdenklich stimmt. Allerdings gab es national auch Erfolge.» Lanz verweist auf das Glanzresultat von Ständeratskandidatin Karin Keller-Sutter in St.Gallen. Im kantonalen Vergleich habe die FDP in Langenthal ein Spitzenresultat erzielt. Es sei aber nach wie vor unbefriedigend. Der FDP-Präsident sieht zum einen die neue Konkurrenz durch GLP und BDP als Grund für die Niederlage. Zum anderen habe die FDP im Kanton Bern taktische Fehler gemacht: «Pierre Triponez hätte zum Beispiel vor einem halben Jahr zurücktreten sollen, um einem neuen Kandidaten Platz zu machen», sagt er. Die Partei hätte dann mit einem Bisherigen mehr antreten können. Zudem sei die Partei keine Listenverbindungen eingegangen.

Jetzt müsse sich die FDP mit der Niederlage zurechtfinden. «In Langenthal müssen wir dieses Resultat kritisch anschauen und uns fragen, was das für die Gemeindewahlen in einem Jahr bedeutet.» Lanz zählt drei Punkte auf: «Welche Botschaften vermitteln wir? Welche Kandidaten stellen wir in einem Jahr auf? Gehen wir Allianzen ein?» Die Resultate dieser Nationalratswahlen zeigten, dass Listenverbindungen Überlegungen wert seien.

Glücklich dank Christine Bobst

Nicht ganz so negativ wie Lanz äussert sich Lukas Bissegger, Präsident der Jungliberalen Langenthal und Umgebung (JLL), dem Juniorpartner der FDP. Für den Jungfreisinn sei das Resultat nicht so schlecht. Bissegger zählt Christa Markwalder und Christian Wasserfallen ebenfalls zu den Jungfreisinnigen. «Wir sind stolz, dass beide gewählt wurden», sagt er. «Sehr glücklich bin ich zudem über das Resultat von Gemeinderätin Christine Bobst.» Aber: Für die FDP sei es ein schlechtes Resultat. Auch er sieht den Grund bei der neuen Konkurrenz. Ob das ein Trend ist für die Langenthaler Wahlen 2012? «Schauen wir mal, was in den Bundesratswahlen im Dezember passiert», sagt Bissegger. Es werde auf jeden Fall schwierig. Die Frage ist für den JLL-Präsidenten, wie sich die neuen Parteien etablieren.

Trotz Verlust: selbstbewusste Grüne

Zu den Verlierern der Wahl gehören in der Stadt ebenfalls die Grünen (Minus 3,1 Prozent gegenüber 2007). Präsidentin Anna Aeberhard sieht es realistisch: «Kantonal haben wir das geholt, was möglich war.» Sie habe erwartet, dass die drei Sitze gehalten würden. In Langenthal sei sie mit dem Resultat nicht unzufrieden, Christine Badertscher aus Madiswil habe vielleicht noch etwas mobilisiert. Für die Gemeindewahlen in einem Jahr hat Aeberhard ein klares Ziel: «Die Grünen streben einen dritten Stadtratssitz an. Wir sind auf dem richtigen Weg.» Sie müssten präsent sein und im Parlament auf sich aufmerksam machen.

Daniel Steiner, Präsident der EVP Langenthal, gibt unumwunden zu: «Aufgrund der Listenverbindung EVP/GLP/CVP hofften wir auf einen zweiten Sitz im Kanton. Das haben wir deutlich verpasst.» Den einen Sitz zu halten, habe er jedoch erwartet, so Steiner. Gemeinderätin Paula Schaub habe ein ausgezeichnetes Resultat erzielt. Auch mit seinem persönlichen Resultat sei er zufrieden. Einen Trend für die Gemeindewahlen 2012 sieht er nicht. Lokal erziele die EVP immer mehr Stimmen als national. «Grossrats- und Lokalwahlen sind mehr Personenwahlen.» Allerdings ist sich der EVP-Präsident bewusst: «Wir werden kämpfen müssen.» Die Partei mache sich dementsprechend bereits Überlegungen zu Listenverbindungen.

GLP: «Das gibt Auftrieb»

Stefan Ryser, Präsident der SP Langenthal, ist mit dem Resultat in der Stadt zufrieden. «Wir sind über dem kantonalen Durchschnitt. Das ist positiv.» Es erstaune ihn jedoch nicht, dass die SP in Langenthal mehr Stimmen hole als im restlichen Oberaargau. Für ihn zeige die Wahl am Sonntag, dass die sozialdemokratische Politik goutiert werde. «Wenn wir aber in der Stadt zulegen wollen, müssen wir noch aktiver werden als bisher», so Ryser. Die Zusammenarbeit mit den Grünen (die beiden Parteien bilden im Stadtrat eine Fraktion) wertet er nach wie vor als positiv.

Von der SVP, die in Langenthal ziemlich viele Stimmen verlor, war gestern nur wenig zu erfahren: «Das Resultat der SVP im Kanton entspricht den Erwartungen», sagte Ralph Burlon, Präsident der SVP Langenthal. Zu den Verlusten in der Stadt selbst wollte er sich nicht äussern.

Zu den Gewinnern gehört klar die GLP – auch in Langenthal. «Das Resultat ist sehr gut, besser als erwartet», sagte Thomas Kalau, Präsident der GLP Oberaargau. In Langenthal habe die Partei die 5-Prozent-Hürde deutlich übertroffen. «Das ist ein Auftrag der Bevölkerung, uns noch mehr zu engagieren», sagte er. Die junge Partei habe den Anfangserfolg bestätigt, «das gibt Auftrieb.» Bei den Gemeindewahlen in der Stadt will die GLP laut Kalau mindestens die beiden Sitze halten oder sogar dazu gewinnen.