Jugendprojektwettbewerb
Musik hilft, Grenzen zu überwinden – zwischen Ländern, wie auch im Kopf

Johannes Küng steht bereits zum zweiten Mal vor der Jury des Jugendwettbewerbs «Projekter». Mit «Borda-to-Borda», einem transdisziplinären Hip-Hop-Projekt, hofft er den Sieg zu erlangen.

Anja Mosbeck
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Borda to Borda
8 Bilder
Johannes Küng am Imagine Festival in Basel
Drei Jungs machen den Kopfstand
Café Africa in Wohlen
Café Africa, Taye Mwasiba, Kibuuka Mukisa Oscar, Johannes Küng, Kerim Becker, Joram Ssekitoleko, Felix Lutakome
Breakdance Event in Kampala
Bboy Isa in einem Markt in Kampala
Café Africa in Wohlen, Johannes Küng

Borda to Borda

Kibuuka Mukisa Oscar

Mit Hip-Hop zueinander finden: Fünf Minuten hat Johannes Küng, um diese Botschaft der Jury des Jugendprojektwettbewerbs «Projekter» am Samstagabend in Winterthur vorzustellen. Bereits zum zweiten Mal steht der Dietiker mit «Borda-to-Borda» im Final.

Dieses Mal hofft er die Jury überzeugen zu können, denn die Idee des Projekts hat sich seit seiner Entstehung im Jahr 2013 um einiges weiterentwickelt.

Von Uganda in die Schweiz

Damals reiste der 23-jährige Sozialarbeit-Student in Begleitung des Genfer Rappers Jocelyn Daloz nach Uganda und nahm mit fünf einheimischen Rappern und Beatboxern ein Album auf. Aus klassischem Hip-Hop, Reggae, afrikanischen Klängen und Dancehall entstanden sieben Songs.

Aus der Idee zum Album entwickelte sich aber bald grösseres. «Hip-Hop ist ein bindendes Element zwischen Kulturen und gewährt Einsicht in die Lebensstile der Künstler», sagt Küng. Mit einer Reihe von Konzerten, Rap-, Breakdance-, Beatbox-Workshops und Fotoausstellungen gelang es den Musikern diesen Einblick zu vermitteln.

Dafür wurden Künstler von überall eingebunden. Im Juni 2014 ging es los: Sechs Wochen nahmen sie und Küng sich Zeit, um ihr Programm zu präsentieren – vier Wochen davon in der Schweiz, zwei Wochen in Berlin. «Ich durfte Uganda bereits kennenlernen », sagt Küng.

Deshalb reisten die ugandischen Künstler Felix, Joram, Moses, Taye, Oscar dieses Mal in die Schweiz. Der selbst gegründeten Verein YAEP – Young Artists Exchange Project, war dabei Mittel zum Zweck, um die Reise mit Sponsoren, CD-Verkäufen, kleineren Workshops, Stiftungen und privaten Geldern zu finanzieren.

Das Hauptziel wurde erreicht: Die Musiker von Uganda konnten nach Europa kommen und mit Küng zusammen performen.

«Um unserem Publikum die kulturellen Erfahrungen aus Uganda und der Schweiz mitzuteilen, war es uns wichtig, dass auch wir das jeweils andere Land und dessen Kultur kennenlernen», sagt Küng. So entstehe Toleranz, Respekt und Nächstenliebe.

Missverständnisse gehören dazu

Dass es im Umgang mit einer fremden Kultur Missverständnisse geben kann, hat Küng in den sechs Wochen der Zusammenarbeit erlebt. «Bei einer Einladung der Eltern des Organisators in Berlin war es uns überlassen, ob wir gehen wollten oder nicht», erzählt er.

Für die fünf Ugander unverständlich. Denn eine Einladung ist in Uganda Ehrensache. Dass ihnen freigestellt war zu erscheinen oder nicht, kränkte sie. Mit ein paar Erklärungen sei das Missverständnis aber schnell gelöst gewesen. Manchmal brauche es nicht viel, um sich zu verstehen – man müsse es aber wollen.

Küng will dieses gegenseitige Verständnis mit Hip-Hop fördern. Ideen für weitere Projekte hat er genug. Im Juni 2015 ist bereits ein nächstes dran, wobei die Künstler auf visuelle Kunst setzen wollen und mit Fotografie, Videos und vielleicht sogar Graffitis die ugandische Kultur nach Zürich bringen. Die Umsetzung sei aber noch in Planung, so Küng.

Charme und Qualität

Am Samstagabend vergibt die Jury an die Sieger des Jugendprojektwettbewerbs, der von der kantonalen Kinder- und Jugendförderung OKAJ Zürich sowie der Stiftung Mercator Schweiz organisiert wird, insgesamt 6000 Franken Preisgeld. «Das Geld würde in den Verein fliessen, um weitere Projekte realisieren zu können», sagt Küng.

«Borda-to-Borda» nehme eine immer grössere und vielseitigere Dimension an. «Wir lernen dazu und können professioneller auftreten», sagt Küng. Damit Geld zu verdienen sei aber nicht sein Ziel. Im Vordergrund stehe der Spass und er könne sich spontan auf weitere Projekte einlassen. Dass die Vorhaben klein gehalten werden und nicht auf die kommerzielle Schiene geraten, gefalle ihm. Dies vermittle Charme und Qualität.

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