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Mietbetrug: Wenn man vor der Tür eines Anderen steht

Die besten Angebote auf Wohnungsportalen stellen sich oft als Online-Fallen heraus.

Delphine Conzelmann
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Gerade günstige Wohnungsanzeigen können teuer werden, wenn man die Hinweise auf einen Betrug nicht erkennt.

Gerade günstige Wohnungsanzeigen können teuer werden, wenn man die Hinweise auf einen Betrug nicht erkennt.

Thinkstock

Es hat sich angehört wie ein Traum: Bei seiner Suche nach neuen vier Wänden ist Pascal P. auf ein Angebot für eine erstaunlich günstige, moderne Wohnung im Gundeli-Quartier gestossen. Ein Angebot wie dieses hat bei der heutigen Wohnungsknappheit viele Interessenten. Ohne sich grosse Hoffnungen zu machen, kontaktiert P. den Inserenten, der sein Fundstück auf der einer Internetplattform angepriesen hatte.

Und er hat Glück. Nach nur wenigen Tagen freundlicher Korrespondenz bekommt er eine Zusage: Schon auf August könne er einziehen. Die Vorfreude ist aber so gross, dass er beschliesst, sich noch vor der Schlüsselübergabe den Bau aus der Nähe anzusehen. Die zukünftigen Nachbarn sind hilfsbereit, öffnen das Tor und erzählen, wie grossartig die Wohnlage hier sei.

Wo im Haus denn eine Wohnung frei werde, wird P. gefragt: «Im dritten Stock.» Das könne nicht sein. Da wohnten bereits er, seine Frau und seine Tochter, sagt ihm der freundliche Mann im Treppenhaus. Erst ist sich der junge Wohnungssucher sicher, dass er sich im Annoncentext vertan hat. Doch dann wird klar: In seiner neuen Bleibe lebt eine nichtsahnende Familie, und hier einziehen kann er nicht. P. ist einem Betrug aufgesessen.

Sympathische Betrüger

Das einzige Glück, das P. bei der Sache blieb, war, dass er noch nicht die geforderten 2'600 Franken für die Kaution und die erste Monatsmiete vorbezahlt hat. Diesen Betrag hätte er einer Maklerfirma in Manchester überweisen sollen, bevor diese ihm den Schlüssel für die offizielle Besichtigung zugesandt hätten.

Spätestens der Mietvertrag, der P. einen Tag nach der enttäuschenden Entdeckung erreicht hat, hätte ihn misstrauisch werden lassen müssen: Der Text ist mit Schreibfehlern gespickt und die Unterschrift des angeblichen Vermieters sieht einer typischen Word-Schriftart verdächtig ähnlich.

Weder die Makler, noch den Inserenten «Dr. Peter Storz» gibt es wirklich. Die in der Anzeige verwendeten Bilder gehörten tatsächlich zur Wohnung im Gundeli, waren aber von einem Inserat gestohlen, das die Wohnungsbesitzer zu einem realistischeren, aber doppelt so hohen Preis auf einer anderen Plattform online gestellt hatten.

Bei der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt ist diese Masche wohlbekannt: «Auch bei Ferienwohnungen oder kurzen Mietaufenthalten während Messen, ist Vorsicht geboten. Es gilt grundsätzlich: Nichts mieten, das man nicht selbst besichtigt hat und keine Vorauszahlungen tätigen», warnt Kriminalkommissär Peter Gill.

Doch auch wenn es nicht zu einem Geldverlust kam: Die Ernüchterung über das falsche Wohnangebot bleibt. Einen Schwindel frühzeitig zu entdecken, gestaltet sich aber schwieriger, als man denkt. Während es klassische Enkeltrickbetrüger auf einsame Rentner abgesehen haben, haben die so aktiven Gauner gerade jüngere Leute, zum Beispiel Studenten im Visier. Bei diesen ist zwar finanziell weniger zu holen, ihre Hoffnung auf eine billige Wohnung scheint allerdings so gross zu sein, dass sie für die Online-Gefahren erblinden.

Mit persönlich klingenden Nachrichten erschleichen sich die Betrüger das Vertrauen ihrer Opfer: «Ich muss Ihnen von Anfang an sagen, dass ich kein Problem damit habe, wenn Sie ein Student sind oder Haustiere haben. Ich besitze selbst einen kleinen Hund und ich schätze Aufrichtigkeit.», schrieb etwa «Storz». Er sei Ingenieur bei einem pharmazeutischen Unternehmen in Basel und habe hier die Wohnung gekauft. Jetzt sei er in seine Heimatstadt Manchester zurückgekehrt und suche einen Nachmieter.

P. meldete der bz seinen Fall diese Woche, eine ähnliche vorliegende Korrespondenz aus dem Jahr 2013 zeigt, dass diese Masche schon seit längerem bis in den Wortlaut gleich abgezogen wird: Damals war es eine spanische Forscherin mit Bulldogge, die nach ihrer Zeit bei einem Basler Pharmazieunternehmen nach Madrid zurückgekehrt ist und eine voll abbezahlte, günstige Wohnung hinterliess. Wer sich für solche Angebote interessiert, wird nicht sofort zur Kasse gebeten, sondern zuerst nach persönlichen Daten gefragt: Von Kindheitshobbies über den aktuellen Beziehungsstatus bis zur Lohnauskunft geben die Opfer in der Hoffnung, als Mieter gewählt zu werden, alles Preis.

Besser Vorsicht, als Nachsicht

P. hat auf Anfrage sogar ein Foto von sich und die Kopie seiner ID eingeschickt: «Jetzt habe ich Angst, dass diese Betrüger für ähnliche Aktionen meine Identität missbrauchen können». Da aber noch kein Geld geflossen ist, gilt er nicht als Geschädigter. Und selbst dann, so Gill, sei eine Strafverfolgung schwierig: «Die Drahtzieher sind meist im Ausland und kaum auffindbar. Wenn Geld einmal einbezahlt ist, ist es in der Regel verloren». Aktuell sei die Zahl der gemeldeten Fälle nicht besorgniserregend, sagt Gill: «Die letzte grosse Welle gab es 2014. Damals haben wir die Bevölkerung ausgiebig gewarnt, woraufhin die meisten Leute vorsichtiger geworden sind».

Selbst wenn sich nun wieder vermehrt Internetkriminelle mit diesem Trick auf die Lauer legen, bleibt Prävention die einzige Waffe gegen sie. Gerade weil sie keine rechtlichen Konsequenzen zu befürchten haben, lohnt sich Dreistigkeit. «Dr. Peter Storz» zum Beispiel hakt bis heute nach: «Ich habe keine Neuigkeiten von dir! Hast du die Anweisungen erhalten?», schrieb er erst gerade noch in einem Email an P. Für diesen ist im Rückblick auf jeden Fall klar: «Das Angebot war ohnehin zu schön, um wahr zu sein».