SC Langenthal
Meistersause in Langenthal: die Nacht wurde zum Tag

Nach dem Schlusspfiff feiern Fans und Spieler ausgelassen, erst in der Schoren, dann in der Stadt. Das Meisterbier von der mobilen Bar ist in Strömen geflossen und so wurde die ganze Nacht gesungen und gefeiert.

Julian Perrenoud
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Die Spieler ziehen sich nach getaner Arbeit zum Feiern für einen Moment in die Garderobe zurück.

Die Spieler ziehen sich nach getaner Arbeit zum Feiern für einen Moment in die Garderobe zurück.

Marcel Bieri

Kleine Augen blicken aus dem verschlafenen Gesicht, der Gang wirkt noch etwas unsicher, genauso wie der Stand. Unter der Alltagsjacke lugt der Zipfel eines gelb-blauen Trikots hervor. Sie ist ihm anzusehen, die lange Nacht, dem Mann, der sich nach halb acht Uhr am Bahnhof Langenthal unter die wartenden Pendler mischt.

So wie ihm wird es vielen ergangen sein, gestern in der früh. Denn: Es war eine denkwürdige Nacht, in der sich der SC Langenthal, Spieler und Fans, Betreuer und Verantwortliche, ja in der sich die Stadt mit einer Freinacht selber feierte. Mit dem Meistertitel der National League B tritt Langenthal vollends aus der oft zitierten Durchschnittlichkeit hervor.

Riesige Choreografie

3... 2... 1... Es ist geschafft! Die Spieler rasen aufs Eisfeld, ballen die Faust, schreien, liegen sich um Goalie Marc Eichmann in den Armen. Dahinter rollen enttäuschte Lausanner ihre Spruchbänder und Fahnen ein. Auf der gegenüberliegenden Seite aber ist der Freudentaumel gross: Wildfremde Menschen liegen sich in den Armen, Freudentränen fliessen, zuunterst entblössen die Ersten ihre strammen Oberkörper und wippen auf dem Geländer.

Bereits während des gesamten Spiels gleicht das Stadion einem Hexenkessel – nicht nur wegen der feucht-warmen Temperaturen. Mit einer riesigen Choreo aus blauen und gelben A2-Blättern hatten die Fans ihre Spieler begrüsst. Der Support kennt kaum Pausen, die meisten der 4800 Zuschauer in der erstmals ausverkauften Eishalle Schoren feiern das ganze Spiel über insgeheim schon den Titel.

Fans singen «Langethau, Langethau»

Applaus geht auch an die mit hängenden Köpfen davon schleichende Gästemannschaft. Dann das Meisterfoto. Die Medaillen. Der Pokal. Die Welle der Spieler vor ihrer Kurve. Und endlich werden die Fans aufs Feld gelassen, nun brechen alle Dämme: Jeder will aufs Eis, Stefan Tschannen oder Noël Guyaz herzen, den Pokal berühren. Die Mannschaft samt Staff rettet sich kurzum in die Kabinen, während in der Halle die Feier weitergeht.

Eine mobile Bar steht flugs bereit, das Meisterbier fliesst in Strömen. Auch Verwaltungsratspräsident Stephan Anliker wagt sich aufs Glatteis, daneben strahlt Stapi Thomas Rufener in die Fernsehkameras. Wenig später hält es auch die Mannschaft nicht mehr in den Katakomben, die Spieler stemmen auf der Haupttribüne den Pokal in die Höhe, die Masse sing: «Langethau, Langethau».

Bier für 10 Rappen

Die Kunde verbreitet sich schnell: Der Dogidog-Imbiss an der Ringstrasse schenkt zur Feier des Tages Bier für den symbolischen Betrag von 10 Rappen aus. Der perfekte Zwischenstopp auf dem Weg zum Wuhrplatz. Nun flammen rote Bengalen an den Kreiseln auf, Raketen jagen schreiend in den Nachthimmel, Anwohner applaudieren aus den Fenstern, vollgepackte Autos fahren hupend im Kreis. Ein einziges Fest, das kurz getrübt wird durch Pnos-Mann Dominic Lüthard und drei Komparsen, die sich eine wüste Schlägerei liefern.

Auch Spieler ziehen um die Häuser

Tief nach Mitternacht treffen immer mehr Gelb-Blaue auf dem Wuhrplatz ein. Die Spieler, so heisst es, sollen demnächst erscheinen. Und tatsächlich: Auf der Terrasse des Restaurants Turm zeigen sie sich, besingen sich selbst und lassen auch von Schmährufen gegen Lausanne nicht ab.

Stefan Tschannen, Captain und Publikumsliebling, mischt sich mit dem Pokal unter die Fans, gefolgt von Marc Eichmann und einigen mehr. «Die (Lausanne) haben uns ja kaum gefordert», sagt der Goalie und lacht. «Ambri wir kommen», singt eine Gruppe hinter ihm.

Die Spieler bestellen Runde um Runde

Für die mittlerweile frisch geduschten Spieler geht um zwei Uhr die Party weiter. In der vollgestopften Hofbar gönnen sie sich eine Rast auf den ausladenden Sofas, bestellen Runde um Runde. Dominic Hobi und Marc Eichmann ziehen bereits wieder singend durch die Gassen.

In der Bar des El Mosquito erwarten sie weitere Spieler, auch SCL-Kanadier Brent Kelly, der lässig auf einem Barhocker sitzt. Der gläserne Meisterpot ruht derweil auf dem Fenstersims. Es ist bald vier Uhr, und die Nacht ist noch nicht zu Ende. Der Morgen danach aber naht.