Ratgeber Gesundheit
Kann Radioaktivität heilen?

PD Dr. Irene Burger ist seit 2019 Chefärztin der Klinik für Nuklearmedizin am KSB und forscht einen Tag in der Woche an der Uni Zürich und der ETH.

PD Dr. Irene Burger ist seit 2019 Chefärztin der Klinik für Nuklearmedizin am KSB und forscht einen Tag in der Woche an der Uni Zürich und der ETH.
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Gesundheit Aargau

Frau Burger, alle Welt fürchtet sich vor Radioaktivität. Bei Ihnen bekommen Patienten radioaktive Substanzen sogar intravenös gespritzt oder als Kapsel zum Schlucken?

Irene Burger: Das stimmt. Beispielsweise können wir mit der Radiojodtherapie eine Schilddrüsenüberfunktion behandeln. Diagnostisch können wir zudem sehen, ob jemand an Demenz oder Krebs erkrankt ist. Anhand der Zuckerverteilung im Gehirn kann man sogar zwischen verschiedenen Demenzgruppen unterscheiden.

Und dies ist mit den bisherigen diagnostischen Methoden wie CT, Röntgen und MRT nicht nöglich?

Wir können mit dem PET-CT, einer Kombination aus Positronen-Emissions-Tomografie und Computer-Tomografie, viele Tumore genauer und das Erkrankungsstadium exakter bestimmen als mit den konventionellen Methoden wie CT, Röntgen und MRT.

Ist dies nicht gefährlich?

Die Strahlenbelastung bei einer nuklearmedizinischen Untersuchung ist meist so gering wie bei einer üblichen Röntgenuntersuchung, weil das radioaktive Medikament schnell zerfällt beziehungsweise über die Nieren ausgeschieden wird.

Die Bildqualität hat sich in den letzten Jahren enorm verbessert. Was kommt in der Nuklearmedizin als Nächstes?

Den nächsten Quantensprung erleben wir wohl bei den verwendeten Substanzen, den sogenannten
Radiopharmaka. Gerade erst haben wir in Zusammenarbeit mit der Onkologie eine neue Therapie für Prostatakrebs erstmals erfolgreich anwenden können, weitere Therapieansätze für Brustkrebs oder Eierstockkrebs werden intensiv erforscht. Aber auch in der Diagnostik werden wir dank neuen Radiopharmaka weitere Aussagen zur Beschaffenheit und Ausdehnung von Tumoren machen können.

War Ärztin schon immer ihr Traumberuf?

Ich habe Naturwissenschaften schon immer geliebt, schwankte aber eher zwischen Biologie und Physik. Ein Freund meines Vaters hat mich schliesslich vom Medizinstudium überzeugt. Mit der Nuklearmedizin habe ich nun ein sehr spannendes Feld gefunden, das meine Interessen an Physik, Chemie und Physiologie kombiniert. Ich schätze diese Verbindung aus naturwissenschaftlichen Aspekten und der direkten Nähe zu den Patienten sehr.

Wie die Nuklearmedizin radioaktive Substanzen zur Diagnostik nutzt, sehen Sie im Video auf www.blog.ksb.ch