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Kältewelle: Mensch und Tier gehen mit Energien haushälterisch um

Die aktuelle Kälteperiode findet laut Prognosen kein rasches Ende. Inzwischen werden für die ganze kommende Woche Minustemperaturen vorhergesagt.

Urs Byland
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Einige Damhirsche knabbern an einem Weihnachtsbaum, andere beobachten den Besucher. uby

Einige Damhirsche knabbern an einem Weihnachtsbaum, andere beobachten den Besucher. uby

Die Tiere wissen davon nichts. Sie handeln instinktiv, ziehen sich zurück und warten ab, wie Wildhüter Hansjörg von Allmen aus Gondiswil erklärt. Er betreut die Region Langenthal: «Bei dieser Kälte halten sich die Wildtiere still und harren aus. Sie haben sich einen windgeschützten Platz irgendwo im Wald gesucht. Es ist wichtig, dass die Tiere so wenig Energie wie möglich verbrauchen.» Deshalb erinnert Hansjörg von Allmen Spaziergänger daran, die Tiere nicht aufzuschrecken. Der bis anhin milde Winter habe aber auch dazu geführt, dass die Tiere bisher keinerlei Strapazen aushalten mussten und deshalb gut gerüstet in diese Kälteperiode gestiegen seien.

Im Tierpark ist Mitarbeiter Beat Loosli gerade mit dem Füttern der Rehe, Hirsche, Wildschweine und Ziegen fertig geworden. Die Tiere stehen in grossen Gruppen und verhalten sich ungewohnt ruhig. Loosli bestätigt für die Tiere im Park, was Hansjörg von Allmen zum Verhalten der Tiere in der freien Natur erklärt. «Die Tiere bleiben zusammen, springen nicht wild umher und suchen die ‹hilberen› Ecken in ihren Gehegen auf. In der Kälte versuchen sie, so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen.» Loosli achtet darauf, dass die Tiere etwas Abwechslung im Nahrungsangebot erhalten. Ein Beispiel sind die Äste, die von Gärtnern geliefert wurden und die von den Tieren bis aufs Holz abgenagt werden. Ein anderes Beispiel sind die Tannenbäume. 90 Stück habe ein schwedisches Möbelhaus geliefert. Überreste aus dem Weihnachtsgeschäft, auf die sich die Tiere beinahe stürzen.

Die Geissen hat Beat Loosli an diesem Morgen wegen der Kälte kaum aus dem Stall treiben können. Sie haben einen verstärkten Zaun erhalten und einen elektrischen Draht, nachdem im letzten Frühjahr der Fuchs in ihrem Gehege gewütet hatte. Auch Nachwuchs kann der Tierpark schon vermelden. Am 11. Dezember hat eine Wildsau acht Frischlinge geworfen. «Zwei Monate früher als gewohnt. Es war halt lange schönes Wetter», sagt Loosli.

Schwierig wirds im Tiefbau

Die Kälte sorgt dafür, dass Menschen nur spärlich draussen anzutreffen sind. Auf der Baustelle beim Spital Region Oberaargau in Langenthal sind dennoch einige dick vermummte Arbeiter unterwegs. Adrian Schärer, Polier der Firma Kibag AG, sorgt dafür, dass zumindest im Tiefbau noch etwas geht. «Die Aushubarbeiten können wir noch machen, solange es nicht tiefer hinunter gefriert. Im Hochbau wurden die Betonarbeiten eingestellt, aber die Arbeiter können sich mit Innenausbauarbeiten behelfen.» Sollte es länger kalt bleiben, könnten die Arbeiten im Tiefbau nicht mehr korrekt durchgeführt werden und müssten gestoppt werden.

Mit ihren diversen Fahrzeugen bei der Arbeit anzutreffen sind die Mitarbeiter des Werkhofes von Langenthal. Mit jedem Grad, das auf der Quecksilbersäule tiefer angezeigt wird, werde die Arbeit im Strassendienst mühsamer, erklärt Werkhof-Leiter Hanspeter Zingg. «Das Salz hat weniger Wirkung, weshalb mehr gebraucht wird.» Das Salzlager sei aber noch voll. Zingg lässt wegen der Kälte auch die Toilettenanlagen öfters kontrollieren. «Man muss aufpassen, dass nirgends etwas gefriert.» Ansonsten würden bei tieferen Temperaturen diejenigen Arbeiten ausgeführt, die der Werkhof für diese Zeit ausgespart hat. «Bäume gehen wir jetzt nicht schneiden, aber die Bodendecker und Sträucher.» Zudem wurden bei den bisherigen Baumarbeiten Depots mit Schnittgut angelegt, die jetzt abgeführt werden sollen. «Wir haben in Langenthal auch viele Gewässer, deren Böschungen ausgeholzt werden müssen. Das ist eine Arbeit, die jetzt gemacht werden kann.»

Der Verkehr wird wegen dem liegen gebliebenen Schnee behindert, fliesst aber unbeirrt, wenn auch etwas langsamer. Eigentliche Putschorgien sind ausgeblieben. Übersicht über ein weitläufiges Verkehrsnetz im öffentlichen Dienst muss Fredy Miller, Direktor Aare Seeland mobil (asm) halten. «Wir sind sehr gut vorbereitet und haben einen 24-Stunden-Pikettdienst aufgezogen.» Man habe darauf geachtet, dass die Wartungsarbeiten, wie fetten oder die Weichenheizungen kontrollieren, perfekt ausgeführt worden seien. «So sind wir bisher gut durch den Winter gekommen und haben wenig Verspätungen gehabt.»

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