Wangen a/A
Jetzt erwägt die Kirchgemeinde den Pfarrhauskauf

Weil das Kirchengesetz revidiert wurde, ist die Kirchgemeinde nun doch am Pfarrhaus interessiert,, sofern der Kanton Bern dazu nach der Ablehnung im Jahr 2006 überhaupt noch bereit ist.

Kurt Nützi / Andrea Marthaler
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Geht es nach dem Kirchgemeinderat, soll die Pfarrerin wieder ins Pfarrhaus einziehen.

Geht es nach dem Kirchgemeinderat, soll die Pfarrerin wieder ins Pfarrhaus einziehen.

Hanspeter Bärtschi

Nachdem die Einwohnergemeinde den Kauf des Pfarrhauses wuchtig abgelehnt hatte, ging die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde von Wangen an der Aare nochmals über die Bücher. An der Kirchgemeindeversammlung am Donnerstagabend wurden die 21 anwesenden Stimmberechtigten informiert, dass man das Pfarrhaus nun doch kaufen wolle, sofern der Kanton Bern dazu nach der Ablehnung im Jahr 2006 überhaupt noch bereit ist.

Hermann Grünig, der Finanz- und Infrastrukturchef im Kirchgemeinderat, erläuterte dem Plenum die Beweggründe für die Kehrtwende: Seit dem 1. Januar 2012 ist das revidierte Kirchengesetz im Kanton Bern in Kraft. Dieses schreibt vor, dass «jede Kirchgemeinde innerhalb des Gemeindegebietes für mindestens eine Inhaberin oder einen Inhaber einer Pfarrstelle eine Dienstwohnung (Wohn- und Amtsräume im gleichen Gebäude) gegen eine entsprechende Entschädigung zur Verfügung stellt.» Der entsprechende Artikel endet mit folgender Drohung: «Werden die Bestimmungen nicht erfüllt, kann die Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion den Anspruch der betroffenen Kirchgemeinde auf Pfarrstellenprozente reduzieren.»

Dieses Szenario zwingt den Kirchgemeinderat zu handeln. Dabei glaubte doch der Rat, mit der Wahl der jungen Stadtberner Pfarrerin Evelyne Kehrli, welche ihr Amt am 1. Juli 2011 antrat, sei alles in Butter. Für sie wurde an der Bifangstr. 4 eine Wohnung gemietet und Arbeitsräume für 17000 Franken im «Wagnerhaus», welches sich in unmittelbarer Nähe der reformierten Kirche befindet und der Kirchgemeinde gehört, eingerichtet.

Prüfung von drei Varianten

In der Folge setzte der Kirchgemeinderat eine Arbeitsgruppe ein, welche nach einer gesetzeskonformen Lösung suchte. Diese prüfte drei Varianten zum Einrichten einer Dienstwohnung mit Arbeitsräumen: Im «Wagnerhaus» müssten zwei Mietverhältnisse aufgelöst werden, um den benötigten Raum zur Verfügung zu haben. Die Lage wäre zentral und in der Nähe der Kirche. Im «Friedheim», welches sich wie das «Wagnerhaus» im Besitz der Kirchgemeinde befindet, müssten drei Mietverhältnisse aufgelöst werden und die Lage wäre dezentral neben der katholischen Kirche. Als dritte Variante wurde der Erwerb einer Eigentumswohnung in den im Bau befindlichen Überbauungen in der Vorstadt oder in der Breitmatt geprüft. Die Lage wäre in beiden Fällen dezentral und mit hohen Investitionen verbunden.

Dachsanierung ist dringend nötig

Mit dem Nein zum Pfarrhaus der Einwohnergemeinde tat sich für die Kirchgemeinde eine vierte Möglichkeit auf. Geht es nach dem Kirchgemeinderat, so soll die Pfarrerin wie schon frühere Amtsinhaber wieder im Pfarrhaus einziehen. Der Kirchgemeinderat hat deshalb beim kantonalen Amt für Grundstücke und Gebäude ein Wiedererwägungsgesuch eingereicht. Auch der Kanton signalisiert Interesse: «In einem nächsten Schritt ist geplant, das Pfarrhaus Wangen an der Aare der Kirchgemeinde zum Kauf anzubieten», sagt Alain Rossier vom Amt für Grundstücke und Gebäude.

Neben dem Kaufpreis für das Pfarrhaus würden auf die Kirchgemeinde allerdings Sanierungskosten zukommen. Das Dach müsste für 10000 Franken sofort saniert werden, wie eine Überprüfung durch einen Dachdecker ergab. Zudem müssten der Estrichboden isoliert und weitere wärmetechnische Verbesserungen getätigt werden. Die Heizung ist zwar noch bis 2016 toleriert. Es drängt sich aber ein Anschluss an den Wärmeverbund auf, weil sich die bereits verlegte Leitung in unmittelbarer Nähe des Pfarrhauses befindet. Längerfristig wäre wohl auch eine Gesamt-Renovation des denkmalgeschützten Gebäudes nötig.

Sofern sich der Kirchgemeinderat für den Kauf entscheidet und der Kanton einwilligt, fände im September eine ausserordentliche Versammlung für den Kaufbeschluss statt.

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