OL
In Lotzwil beginnt der Countdown für die WM

Beim ersten nationalen Orientierungslauf des Jahres am Ostermontag im Rappenchof werden die Karten erstmals aufgedeckt. Wer hat Chancen an der Europameisterschaft in Schweden?

Rainer Sommerhalder
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Bettina Aebi. Fotos: SOLV

Bettina Aebi. Fotos: SOLV

Der Langenthaler OL wird zum ersten grossen Test des Jahres. Dank des Starts des norwegischen, finnischen und französischen Nationalteams sind bei den Männern acht von neun Medaillengewinnern der WM 2011 am Werk und die zwei Elite-Kategorien repräsentieren total 24 Weltmeistertitel der letzten fünf Jahre. Nach Lotzwil weiss jeder, wo er steht.

Zwei Wochen später gilt es mit den Testläufen für die Europameisterschaft in Schweden ernst. Wer es nicht an die EM schafft, braucht für die WM-Teilnahme ein kleines Wunder. Zumindest ein Traum ist die WM-Teilnahme auch für die je zwei regionalen Athletinnen und Athleten im Nationalkader. Gut möglich, dass im Gegensatz zum letzten Jahr niemand die Selektion schafft.

Je zwei Schweizer Plätze

Bei den Frauen hat dies einerseits mit der Rückkehr von Überfliegerin Simone Niggli-Luder zu tun. Damit bleiben in den drei Einzeldisziplinen noch je zwei Schweizer Plätze zu vergeben. Bettina Aebi aus Oberönz war im letzten Jahr an den Titelkämpfen in Frankreich erstmals dabei und hat ihre internationale Tauglichkeit auf Elite-Niveau mit dem 15. Platz über die Langdistanz bewiesen. Trotzdem wäre eine Nichtberücksichtigung für sie kein Weltuntergang.

Die 21-jährige Jura-Studentin kennt sich inzwischen in medizinischen Fragen fast ebenso gut aus wie in juristischen Angelegenheiten. Verletzungen im Bein-und Fussbereich begleiten die Oberaargauerin seit Jahren und verhinderten bisher eine kontinuierliche Entwicklung des zweifellos grossen Talents. Auch in diesem Winter war aufgrund einer chronischen Knochenhautentzündung am Schienbein sehr viel Alternativtraining angesagt. Derzeit sieht es wieder etwas besser aus. «Ich bin ziemlich zufrieden mit der Situation. Ich habe jetzt hoffentlich mit meiner Knochenhaut einen Kompromiss gefunden. Vier Lauftrainings pro Woche liegen drin», sagt Aebi.

Fokus auf Studenten-WM

Weil ihr aber im Winter mehr als zwei Monate Training fehlen und sie dadurch auch kartentechnisch einen grösseren Rückstand mitbringt, rechnet Aebi nicht mit einer WM-Qualifikation. «Das wäre derzeit kein realistisches Ziel. Mein Fokus richtet sich hin zur Studenten-WM», sagt Aebi. Ob es an den Selektionsläufen in zwei Wochen für einen Platz im – im Vergleich zur WM – doppelt so grossen Team für die Europameisterschaft reicht, lässt Aebi auf sich zukommen. «Vom Formaufbau her ist es zeitlich bis zu den Testläufen eine ziemlich enge Sache.»

Ein Jahr zu früh kommt die Heim-WM für die neu in Bremgarten wohnende Huttwilerin Sarina Jenzer. Das sagt die 20-Jährige selber. Die Medaillengewinnerin an der Junioren-WM von 2010 steht im ersten Jahr bei der Elite und will sich, obwohl sie in den ersten Vergleichen durchaus konkurrenzfähig erschien, durch die Titelkämpfe in Lausanne nicht unter Druck setzen lassen. Auch Jenzer hat sich als Saisonziel die Studenten-WM in Alicante vorgenommen. Gewisse Chancen rechnet sie sich auf einen Platz an der EM aus, «denn dort beträgt das Schweizer Kontingent immerhin zehn Läuferinnen.»

Noch schwieriger wird es für die Brüder Howald aus Oberönz, sich für Lausanne ins Gespräch zu bringen, denn das Schweizer Männerteam ist so stark, dass die Selektion für die drei Startplätze pro Disziplin (Sprint, Mittel- und Langdistanz) beinahe so schwierig ist wie der Gewinn einer WM-Medaille. Severin, der ältere der beiden, konzentriert sich in diesem Jahr auf den Sprint. Erstens liegt ihm diese Disziplin, zweitens ist wegen seiner Zystischen Fibrose die Erholungsfähigkeit nach langen Wettkämpfen stark eingeschränkt. Immerhin ist der 22-Jährige in diesem Winter ohne gesundheitliche Probleme durchgekommen und er hat sich in den ersten Sprintrennen bei der Konkurrenz schon Respekt verschafft. «Ich zähle ihn zu den WM-Kandidaten», sagt etwa Matthias Merz, Vizeweltmeister von 2007 über diese Distanz.

Zwischen Traum und Vision

Genau dieses Palmarès der internen Schweizer Konkurrenz lässt Howald seine eigene WM-Chancen realistisch betrachten. «Es ist irgendwo zwischen Traum und Vision», sagt er. Vier Schweizer haben in den letzten fünf Jahren im Sprint WM-Medaillen geholt, «und um diese Erfahrung sind sie mir voraus». Er könne sich wohl nur durch einen Exploit an der EM in Schweden ins Gespräch bringen, glaubt Severin Howald. Ins Gespräch bringen will sich auch der 20-jährige Florian Howald in seiner ersten Elite-Saison. Mit den Rängen 3, 4, 5 und 6 in den vier Rennen der letztjährigen Junioren-WM hat er ein starkes Ausrufezeichen gesetzt. Trotzdem sei eine WM-Teilnahme für ihn «mehr ein Traum für die Zukunft», wie er selber sagt. Die Weltcupläufe in der Schweiz von Ende Juni und die Studenten-WM stehen zuoberst auf seiner Menükarte. Am Montag will er «eine erste Duftmarke» setzen.

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