Schlieren
Im Juli eröffnet Schlieren sein eigenes Mandatszentrum

Nach sechs Jahren gibt Unterengstringen die Schlieremer Fälle im Erwachsenenschutz wieder ab.

Alex Rudolf
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Der Schlieremer Sozialvorstand Christian Meier (SVP).

Der Schlieremer Sozialvorstand Christian Meier (SVP).

zVg

Eigentlich hätte das Schlieremer Mandatszentrum für Berufsbeistände schon Anfang dieses Jahres eröffnet werden sollen. «Aus verschiedenen Gründen reichte jedoch die Zeit nicht und wir können es erst auf Anfang Juli eröffnen», sagt Christian Meier (SVP). Der Sozialvorstand freut sich aber, die aktuell 112 Klientinnen und Klienten in Schlieren betreuen zu können. In einer Stellungnahme gab er dem Parlament am Montagabend bekannt, dass Schlieren sein eigenes Mandatszentrum eröffnet. Heute erscheint der offizielle Stadtratsbeschluss.

2014 übernahm die Gemeinde Unterengstringen die Mandatsführung von der Stadt Schlieren, die trotz ihrer Grösse über kein eigenes Zentrum verfügte. Vergangenes Jahr flatterte dem Stadtrat jedoch die Kündigung des Anschlussvertrags in den Briefkasten. Seitdem Unterengstringen das Mandat übernommen hatte, wuchs die Anzahl Fälle um über 70 an. Der Dreijahresvertrag hätte per Ende 2019 verlängert werden müssen.
Unterengstringen verlangt von Schlieren einen Betrag von 4850 Franken pro Fall. «Im Rahmen der Abklärungen führten wir auch Gespräche mit der Stadt Zürich, der Pro Senectute und dem Mandatszentrum Dietikon», so Meier. «Externe Lösungen wären uns teurer zu stehen gekommen als die Schaffung eines eigenen Zentrums,» sagt er weiter. Die Kosten pro Fall betragen in Schlieren rund 4900 Franken.

Das neue Zentrum entsteht an der Rütistrasse

Die Stadt übernimmt zwei Mitarbeitende von Unterengstringen. Einer davon hatte das Zentrum in Unterengstringen zuvor geleitet. Die aktuell laufenden Fälle werden nahtlos übernommen. Einquartiert wird das Zentrum nicht etwa im Stadthaus, sondern in der städtischen Liegenschaft an der Rütistrasse. Insgesamt sind 380 Stellenprozente vorgesehen.
«Eigentlich hätten wir mit dem Zentrum schon Ende 2019 starten wollen», sagt Meier. Doch habe man erst keine geeignete Lokalität gefunden und auch die personelle Besetzung habe mehr Zeit in Anspruch genommen. Daher sei man froh, dass Unterengstringen die Fälle für ein zusätzliches halbes Jahr übernommen hat.

Bereits 2016 wurde der Wunsch nach einem eigenen Mandatszentrum laut. CVP-­Gemeinderätin Heidemarie Busch reichte gemeinsam mit neun Mitunterzeichnern eine Motion ein, in der sie ein solches verlangte. Sie erachtete es als problematisch, dass die Klientinnen und Klienten den Weg nach Unterengstringen machen müssen. Im Februar des Folgejahres lehnte das Parlament die Forderung jedoch ab.

«Im Rahmen der Abklärungen führten wir auch Gespräche mit der Stadt Zürich, der Pro Senectute und dem Mandatszentrum Dietikon.»

(Quelle: Christian Meier, Sozialvorstand Schlieren (SVP))

In Unterengstringen geht nach der Gründung des Schlieremer Mandatszentrums alles zum Alten über, wie Sozialvorsteherin Gisela Biesuz (SVP) auf Anfrage sagt. «Um die zwischen 20 und 25 Beistandschaftsfälle im Erwachsenenschutz in unserer Gemeinde kümmert sich neu eine Person im Sozialdienst», sagt sie. Zuvor waren drei Personen für die Bearbeitung der rund 150 Fälle verantwortlich.

Auch aus finanzieller Sicht gebe es keinen grossen Unterschied, da die Fallkosten, die Schlieren verrechnet wurden, beinahe kostendeckend waren. Weil der Anschlussvertrag auf Ende 2019 hätte für weitere drei Jahre verlängert werden müssen, entschied sich der Unterengstringer Gemeinderat für die Kündigung. «Aufgrund der Fallzunahme und des Bevölkerungswachstums bei der Stadt Schlieren machte es immer wie weniger Sinn, dass wir als kleine Gemeinde die Mandate einer Stadt mit beinahe 20000 Einwohnern führen», sagt Biesuz.

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