Entschädigung
Hitzige Debatte: 10 Millionen vom Kanton für Kinderbetreuung

Wer beim Kanton angestellt ist und seine Kinder fremdbetreuen lässt, soll finanziell unterstützt werden. Den Kanton kostet die Massnahme jährlich rund zehn Millionen Franken. Das gefällt vielen, aber nicht allen.

Sandra Hohendahl-Tesch
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Kinder und Betreuerinnen essen im Kinderhort. Kinder-Fremdbetreuung soll für Kantonsangestellte gefördert werden. Keystone

Kinder und Betreuerinnen essen im Kinderhort. Kinder-Fremdbetreuung soll für Kantonsangestellte gefördert werden. Keystone

Der Kanton Zürich will als Arbeitgeber mit gutem Beispiel vorangehen. So sollen seine Angestellten mit Kindern künftig einen Teil der Fremdbetreuungskosten vergütet bekommen. Der Regierungsrat hat die Finanzdirektion damit beauftragt, eine Vernehmlassung durchzuführen, wie es in einer Mitteilung von gestern heisst. «Ziel ist es, herauszufinden, welches Modell das sinnvollste ist», sagte Gregor Messerli, Personalchef des Kantons Zürich.

Wegen der uneinheitlichen Wohn- und Arbeitsorte der Mitarbeitenden will der Kanton kein eigenes Betreuungsangebot auf die Beine stellen. Die Idee des Entschädigungsmodells ist laut Messerli, dass man je nach Angebot, das man beziehe, unterschiedlich unterstützt werde. «Wer etwa eine Nanny für die Betreuung seiner Kinder anstellt, bekommt etwas weniger als jemand, dessen Kinder in einer Krippe betreut werden.» Wie hoch die Beiträge sein werden, sei noch nicht festgelegt.

Beiträge nicht lohnabhängig

Den Kanton kostet die Massnahme jährlich rund zehn Millionen Franken. Nach der Vernehmlassung will der Regierungsrat definitiv über die dafür notwendige Anpassung der Personalverordnung entscheiden. Das letzte Wort wird der Kantonsrat haben. Messerli rechnet damit, «dass kritische Fragen von links bis rechts auftauchen».

Fragt man bei Parlamentariern nach, bestätigt sich dies: Die Zürcher SVP-Kantonsrätin Barbara Steinemann kann dem «Staatsgeschenk» nichts abgewinnen. Im Jahr 2005 reichte sie eine Motion ein, dass der Kanton seine Mutterschaftsleistungen herunterschrauben soll. «Kinderbetreuung ist keine Staatsangelegenheit», sagt sie auf Anfrage. Berufstätige Eltern müssten selber um eine Lösung besorgt sein. Ferner sei der Zustupf auch gegenüber kinderlosen Angestellten unfair, weil es sich dabei faktisch um eine Lohnerhöhung für eine Minderheit handle.»

Zehn Millionen sind viel Geld, wenn man bedenkt, dass die Mehrheit der Beschäftigten keine Kinder hat.» Die SVP werde, so Steinemann, entschieden gegen den Betreuungsbeitrag vorgehen. Unterstützung im Kantonsrat erwartet sie von der EDU und der GLP. «Die Freisinnigen dagegen werden wie immer einen Kompromiss mit der Linken eingehen.» Das bürgerliche Mitglied der Bildungskommission Sabine Wettstein (FDP) bringt tatsächlich eine gewisse Skepsis zum Ausdruck. Sie finde es zwar gut, wenn der Kanton sich als attraktiver Arbeitgeber zeigt.

Anlass zur Kritik gibt für sie aber unter anderem, dass der Bildungsbeitrag wiederum versteuert werden muss. Die Freisinnigen könnten daher in der Kantonsratsdebatte das Zünglein an der Waage spielen. Ganz anders tönt es erwartungsgemäss bei der CVP und der Linken: Kantonsrätin Brigitta Leiser-Burri (CVP) und Kantonsrätin Susanna
Rusca Speck (SP), die sich beide mit Familienpolitik befassen, begrüssen die Massnahmen. Der Kanton nehme eine Vorbildrolle ein und setze ein starkes Zeichen für die berufstätige Frau.