Ratgeber Gesundheit
Gutartigen Weichteiltumor operieren oder nicht?

Unser Sohn (9) hat einen Weichteiltumor am Fussrücken; er liegt direkt unter der Haut und infiltriert nicht in die Faszien oder Muskeln. Wahrscheinlich ist er gutartig. Andererseits sei er gut operierbar. Nun sind wir unsicher: operieren oder nicht? Könnte ein zunächst gutartiger Weichteiltumor mit der Zeit bösartig werden ? Wäre eine Behandlung mit Hitze (Hyperthermie) eine Alternative? A. K. aus Z.

Dr. med. Robert Weil, Leitender Arzt Kinderchirurgie, Kantonsspital Baden
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Korrekterweise muss ich als Erstes erwähnen, dass jede gutartige Geschwulst das Risiko birgt, sich bösartig zu verändern. Bösartige Weichteiltumoren kommen aber bei Kindern glücklicherweise äusserst selten vor.

Die geschilderte Gewebeveränderung zeigt erfreulicherweise keine Zeichen der Bösartigkeit (keine Infiltration ins benachbarte Gewebe, keine Entzündung, keine Schmerzen, keine rasche Grössenzunahme). Ich kann mir vorstellen, dass es sich hierbei um eine flüssigkeitsgefüllte Zyste (sog. Ganglion oder Überbein) handelt, eine gutartige Geschwulst, die von einer Gelenkkapsel oder Sehnenscheide ausgeht.

Bei unklaren Tumoren ist in der Regel zunächst eine Diagnosestellung mittels Punktion unumgänglich. Meistens wird der Fall auch an einem sogenannten Tumorboard vorbesprochen, an welchem sich alle dafür nötigen Spezialisten zusammenfinden (Chirurgen, Onkologen, Radiologen, Pathologen).

Bei gutartigen Tumoren, die –wie in diesem Fall geschildert – einfach zu entfernen sind, empfehlen wir aber von vornherein die Operation. Zwei Ziele werden damit gleichzeitig erreicht: Die endgültige Diagnose wird durch dieGewebeuntersuchung rasch gestellt, und in den meisten Fällen ist die Behandlung dadurch schon quasi abgeschlossen. Ein solcher Eingriff, insbesondere auch bei Kindern, kann in der Regel ambulant vorgenommen werden.

Die in der Frage vorgeschlagene Behandlung mit Hitze stellt in diesem Fall keine Option dar. Bei unklarem Tumor wäre dies nur ein Therapieversuch, der sich ungünstig auswirken könnte, und zeigt gegenüber der chirurgischen Behandlung mit rascher Diagnosestellung und kurzer Behandlungsdauer keine Vorteile.