Hägendorf
Flächendeckendes Tempo 30 in der Gemeinde wird klar abgelehnt

Die Hägendörfer Stimmbevölkerung lehnt ein flächendeckendes Tempo 30 klar ab: 70,9 Prozent aller Stimmen haben sich an der Urne dagegen ausgesprochen. Gemeindepräsident Andreas Heller ist froh über das klare Verdikt.

Fabian Muster
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Die Tempo-30-Gegner behalten in Hägendorf die Oberhand (hier ein Plakat am Mühlerain).

Die Tempo-30-Gegner behalten in Hägendorf die Oberhand (hier ein Plakat am Mühlerain).

Bruno Kissling

Wie so oft beim Thema Tempo 30, gingen die Wogen auch in Hägendorf hoch. Schon an der Gemeindeversammlung letzten Dezember nutzten die Verkehrsregime-Gegner den Anlass, um gegen die Einführung zu wettern. Damals ging es aber eigentlich nur darum, ob die Bevölkerung über Tempo 30 an der Urne abstimmen sollte oder nicht. Auch im Vorfeld dieser Urnenabstimmung kam es zu Auseinandersetzungen zwischen dem Pro- und Kontra-Lager: SP-Gemeindepräsident Andreas Heller, der zu den Befürwortern gehört, warf dem Gegner-Komitee vor in dieser Zeitung vor, dass «einige Argumente und Darstellungen ungenau oder schlicht falsch» seien. Letzte stritten das nicht völlig ab.

Trotz der emotionalen Debatte haben die Hägendörfer an der Urne ein klares Verdikt gesprochen: 70,9 Prozent der Stimmbevölkerung lehnte ein flächendeckendes Tempo-30-Regime in der Gemeinde mit einem Verpflichtungskredit von 220 000 Franken ab. Nur 29,1 Prozent konnten sich dafür erwärmen. In absoluten Zahlen ausgedrückt: Von den 1908 gültigen Stimmen waren 1352 dagegen und 556 dafür; leer gingen 17 Stimmen ein, ungültig deren 28. Die Stimmbeteiligung lag bei 59,8 Prozent.

Gemeindepräsident Andreas Heller ist froh, dass die Entscheidung so deutlich mit dieser hohen Stimmbeteiligung ausfiel. «Ich hätte mir das Resultat zwar anders gewünscht, aber nun ist klar, dass ein flächendeckendes Regime nicht erwünscht wird», sagt er auf Anfrage. Die Bevölkerung hätte es nicht als nötig erachtet und hätten sich bevormundet gefühlt, erläutert er mögliche Ablehnungsgründe.

Erfreut über das Resultat ist hingegen SVP-Kantonsrat Tobias Fischer, der im Gegner-Komitee sitzt, welche auf breiter Front gegen die Einführung kämpfte «Wir sind froh über das klare Signal der Bevölkerung.» Ein flächendeckendes Tempo 30 wäre eine extreme Lösung gewesen. Wie die Gegner aber bereits vor der Abstimmung gesagt haben, wehren sie sich nicht gegen punktuelle Anpassungen. «Wir sind auch für solche Massnahmen, wo es Sinn macht», sagt Fischer. Tempo 20 beim Dorfplatz hält er etwa für vernünftig.

Massnahmen bereits geplant

Der Gemeinderat hat unabhängig von der gestrigen Abstimmung bereits gewisse Verkehrsmassnahmen aufgegleist. So wird im Bahnhofquartier Tempo 30 eingeführt, die Begegnungszone mit Tempo 20 im Dorfkern wird ausgeweitet oder im Quartier Nellen gibt es künftig ein Autofahrverbot. Gemeindepräsident Heller schliesst nicht aus, dass es weitere punktuelle Änderungen im Verkehrsregime geben könnte. «Das müssten wir aber sehr genau anschauen und die betroffenen Einwohner miteinbeziehen.»

Beim Kirchrain etwa sei der Gemeinderat mit dem Kanton in Kontakt, um nach Lösungen zu suchen. Auch beim Rolliweg könnte sich Heller Massnahmen vorstellen. Die Abklärungen sollten in seinen Augen allerdings mit der nötigen Sorgfalt geschehen: «Es gibt keine hohen Unfallzahlen und daher verspüren wir keinen grossen Druck.» Mit weiteren Anpassungen könnte das Risiko für Unfälle minimiert werden, sagt Heller.

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