Ammann Group
«Es gibt immer noch viele Strassen zu bauen»

Nach der Wahl von Johann Schneider-Ammann in den Bundesrat hat Ulrich Meyer (64) die Unternehmensführung im Langenthaler Industriekonzern übernommen. Der neue Ammann-Chef versteht sich als Statthalter der Unternehmerfamilie.

Andreas Toggweiler
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Ulrich Meyer

Ulrich Meyer

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Dass ihn die Unternehmerfamilie Ammann mit der operativen Leitung betraut hat, sieht Meyer einerseits als Vertrauensbeweis, anderseits versteht er sich ganz klar als Statthalter bis der «Juniorchef» Hans Christian Schneider als Vertreter der sechsten Generation voraussichtlich 2012 die Geschicke der Familienfirma übernehmen wird. Schneider macht zurzeit im Ausland die Ausbildung zum Master of Business Administration (MBA).

Ein Mann aus der Firma

Der Umstand, dass Meyer nicht in einer Turnaround-Situation Chef wird und das Unternehmen mit weltweit 3000 Angestellten die Krise mit verhältnismässig wenig Blessuren überstanden hat, deutet auf eines hin: «Die Kontinuität wird gewahrt bleiben», betont Meyer selber im Gespräch. Er kenne die Firma schon recht gut, aus der operativen Tätigkeit der letzten vier Jahre sowie als vormaliger Verwaltungsrat der Avesco. Die Firma, die in der Schweiz Baumaschinen vertreibt, ist ebenfalls im Besitz der Familie Ammann.

«Kontinuität heisst nicht Stillstand», betont Meyer jedoch. «Wir dürfen in unseren Anstrengungen zur Sicherung und Entwicklung des Unternehmensstandortes Langenthal sowie der gesamten Gruppe nicht nachlassen.» Aktuelle Herausforderungen sind beispielsweise der hohe Frankenkurs. Mit Innovation und rigider Kostenkontrolle will Meyer diese Herausforderung selbstsicher angehen: «Währungsschwankungen wird es immer geben, und sie sind für uns zurzeit schmerzhaft. Unternehmerisch gesehen gibt es aber wichtigere Erfolgsfaktoren.»

Die Wettbewerbsfähigkeit und damit auch das Umsatzwachstum bei Ammann sollen vor allem durch technologischen Vorsprung und Dienstleistungsqualität erzielt werden. Meyer verweist auf die Marktführerschaft des Unternehmens bei der Aufbereitung von Recycling-Belag. Dabei wird herausgebrochener Asphalt direkt als Rohstoff für neuen Strassenbelag verwendet. Da die Herstellung von Asphalt energieintensiv ist, sei die Entwicklung von neuen, sparsameren und damit umweltfreundlichen Herstellungsmethoden erfolgsversprechend.

Die Ammann-Gruppe ist stark auf den Strassenbau ausgerichtet: schlüsselfertige Asphalt- und Betonwerke, eigene Verdichtungsmaschinen (Walzen) und Maschinen für den Asphalteinbau sowie der Import von Baumaschinen gehören zum Portfolio, mit dem 2009 ein Umsatz von 1,01 Milliarden Franken erzielt wurde.

Ohne Strassen geht nichts

Obwohl das in der Schweiz bisweilen so aussehen mag: Global gesehen ist beim Strassenbau noch lange nicht Ende der Fahnenstange. Meyer zeigt das Bild einer Überlandstrasse in Russland. Ein Sattelschlepper ist im morastigen Strassenbett stecken geblieben. «Es gibt noch viele Strassen zu bauen.» Besonders in den Schwellenländern werden Ammann-Produkte auch langfristig gefragt sein, ist der CEO überzeugt. «Eine entwickelte Volkswirtschaft braucht immer auch gute Transportwege.» Und übrigens laufe auch in der Schweiz das Geschäft dank der notwendigen Strassensanierungen recht gut. Heute wird etwas mehr als ein Viertel des Umsatzes in der Schweiz erzielt (inklusive Avesco) und weitere 50 Prozent im EU-Raum.

Meyer will auch in der Firmenkultur auf Kontinuität setzen. Wichtige Elemente der traditionsreichen Familienfirma seien Unabhängigkeit (insbesondere von Bankkrediten), Eigenständigkeit (eigene Entwicklung und Produktion) und Glaubwürdigkeit. «Sowohl firmenintern als auch gegenüber Kunden soll ein Wort ein Wort bleiben», sagt Meyer.

125 Lehrlinge

Ein besonderes Augenmerk legt die Firma auf die Lehrlingsausbildung. Von den 1250 Beschäftigten in der Schweiz ist genau jeder Zehnte ein Lehrling.

Was erwartet Meyer vom neuen Bundesrat Schneider-Ammann? – «Für die Firma kann ich natürlich direkt gar nichts mehr erwarten.» Aber von ihm als Volkswirtschaftsminister wünscht er sich, dass er sich weiterhin im In- und Ausland für die produzierende Wirtschaft engagiert. «Ich rechne auch fest damit.» Meyer, selber Mitglied der FDP, hofft ferner, dass sein Ex-Chef auch das etwas ramponierte Image des Bundesrates wieder aufpolieren kann. «Ein geeinteres Auftreten des Gremiums wäre schon nötig», meint er.

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