Kunst
Eintauchen in die Welt von Künstler Martin Ziegelmüller

Zwei Ausstellungen gleichzeitig geben einen umfassenden Einblick in das Werk von Martin Ziegelmüller. Morgen wird im Berner Kunstmuseum Vernissage gefeiert, heute bereits im Kunsthaus Langenthal.

Urs Byland
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Das sind die Werke von Martin Ziegelmüller
4 Bilder
 Martin Ziegelmüller berichtet über seine Arbeit, im Hintergrund das Bild eines Glasofens. (Urs Byland).
 Isolierglas (Fabrikationshalle), 1974 (damals waren für die Glasproduktion noch viel mehr Mitarbeitende nötig). (Urs Byland)
 Autoscheibenproduktion, Acryl auf Papier, 1998. (Urs Byland)

Das sind die Werke von Martin Ziegelmüller

az Langenthaler Tagblatt

Martin Ziegelmüller hat viele Verbindungen in den Oberaargau, nicht nur weil er in Graben am 3. April 1935 geboren wurde. Einer seiner grossen Förderer ist der Bützberger Unternehmer Heinz Trösch. Und eines seiner wichtigen Motive sind die Wässermatten nicht nur in Langenthal, auch in seinem Heimatdorf. «Vieles, was später meine Malerei prägen sollte, ist in diesem Dorf mit den Wässermatten, der alten Bäckerei des Grossvaters und der Aare angelegt», schreibt Ziegelmüller in seiner Biografie.

In beiden Kunsthäusern wird nicht einfach jeweils ein Querschnitt durch Ziegelmüllers Schaffen gezeigt. Die Städteporträts sind Bern vorbehalten. Ebenso das Werk 1968 (Kennedy), ein 2 mal 3 Meter grosses Schlüsselwerk, sowie Tierstillleben. Landschaften, in denen das Wasser ein zentrales Element ist, werden in beiden Häusern gezeigt.

Aquarelle in einem Zug gemalt

Langenthal vorbehalten sind insbesondere seine Bilder aus der Arbeitswelt und Porträts. Zu den Arbeitswelten, die Ziegelmüller malerisch festhielt, gehört diejenige von Glas Trösch. Sein Freund und Förderer Heinz Trösch hiess in zweimal in seinen Fabrikhallen willkommen, 1973/74 und 1997/98. Prägen im ersten Zyklus Strich und Vertikale die Bilder von Ziegelmüller, sind es 25 Jahre später Flächen und Horizontale. Wie in einem Zug sind die Aquarelle gemalt. Dies hat nicht nur mit der Hitze etwa beim Glasofen zu tun, «wo ich viel Wasser brauchte, weil die Farbe am Pinsel schnell trocknete». Ziegelmüller hat, so scheint es beinahe, sein Element, das Wasser, das ihn seit seiner Kindheit begleitet, in seinen Malstil integriert.

Ein Arbeiter unter Maschinen

Mit seinen Werken wurde Ziegelmüller auch zum Chronisten dieser Arbeitswelten in ihrer Zeit. 1973/74 sind beispielsweise noch etliche Arbeiterinnen und Arbeiter in den Produktionsprozess der Glasherstellung einbezogen. 1998 dominieren grosse Hallen und Maschinen die Bilder. «Es war irgendwie gespenstisch», berichtet Ziegelmüller. «Die Bilder habe ich vor Ort gemalt und ich war auch mal einen Tag alleine mit den Maschinen. Die Gläser wurden mit Apparaten von Raum zu Raum transportiert und ich musste aufpassen, dass ich mich nicht auf den gelb markierten Transportwegen aufhielt.»

Ausschlag für die zweite Serie gab der bevorstehende 65. Geburtstag von Heinz Trösch. «Er wollte jedem seiner Kaderleute ein Bild schenken», so Ziegelmüller. Er habe dann gefragt, wie viele Bilder er malen sollte. «Er wollte 45 für die Kaderleute und zehn für sich.» Am Ende sind es dann 97 Bilder geworden, von denen Ziegelmüller keines mehr in seinem Besitz hat.

Portraits prägen Ausstellung

Zu sehen sind im Kunsthaus auch die Werke, die 1989/90 in der Papierfabrik Biberist entstanden und Bilder von Operationen im Operationssaal. Dank seines Freundes Erich Grädel konnte Ziegelmüller 1982 bis 1984 immer wieder diese Arbeitswelt mitverfolgen und auf Bildern festhalten, wobei er im Operationssaal aus hygienischen Gründen nur mit dem Bleistift die Szenen skizzieren durfte, die er danach im Atelier zu grossflächigen Werken verarbeitete.

Ein wesentlicher Teil der Ausstellung im Kunsthaus Langenthal bestimmen die Porträts, die Ziegelmüller seit seinen Anfängen immer wieder malte. Waren es anfänglich noch Auftragsarbeiten für befreundete Familien, änderte sich dies schnell, weil er seine künstlerische Freiheit bedrängt sah. Entstanden sind im Laufe der Jahre viele Porträts von Menschen aus seiner nächsten Umgebung, die alle auch von ihm, Martin Ziegelmüller selber, berichten.

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