Flugverkehr
Dramatischer Absturz am Euro-Airport: Bis zu 99,9 Prozent weniger Passagiere

Der Lockdown war auch für den Flughafen ein Grounding. Der Direktor rechnet für 2020 mit 2,5 Millionen Passagieren, Dreiviertel weniger als 2019. Doch es gibt auch einen Sektor, der sich im Aufwind befindet – trotz oder gerade wegen der Corona-Krise.

Benjamin Wieland
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Blick in die leere Abflughalle des Euro-Airports. Am 30. März stellte Platzhirsch Easy Jet den Flugbetrieb komplett ein, schon zuvor waren viele Jets beinahe leer abgehoben.

Blick in die leere Abflughalle des Euro-Airports. Am 30. März stellte Platzhirsch Easy Jet den Flugbetrieb komplett ein, schon zuvor waren viele Jets beinahe leer abgehoben.

bz/ken (25. März 2020)

Wer in ein paar Jahrzehnten die Statistiken des Euro-Airports (EAP) studiert, wird sich im ersten Moment denken, dass da jemand um ein paar Dezimalstellen verrutscht ist. 1120 Passagiere flogen im April über Basel-Mülhausen – 99,9 Prozent weniger als im April des Vorjahres (siehe Tabelle).

Zwar erholte sich ab Sommer das Fluggastaufkommen, der Aufschwung war jedoch nur schwach. Bis Ende Jahr rechnet Flughafen-Direktor Matthias Suhr mit insgesamt rund 2,5 Millionen Passagieren, 2019 waren es über 9 Millionen. Immerhin: Noch im Juni war Suhr von lediglich 2 Millionen Fluggästen ausgegangen.

Trotz des dramatischen Rückgangs an Passagieren und damit auch an Einnahmen will der Euro-Airport weiterhin keine staatlichen Unterstützungszahlungen in Anspruch nehmen – weder von Frankreich, noch von der Schweiz. Das sagte Matthias Suhr am Dienstagabend an der Podiumsveranstaltung «Back to Cockpit – eine Auslegeordnung zur Luftfahrt und dem Euro-Airport» im Congress Center Basel, veranstaltet von der Handelskammer beider Basel. «Wir haben im vergangenen Jahr Gewinn gemacht», sagte Suhr. «Derzeit zehren wir von unseren Reserven.»

Corona-Crash am Flughafen
Differenz Passagieraufkommen 2019 und 2020

Quelle: EAP

Ewig könne man sich das jedoch nicht leisten, gab er zu Bedenken. Denn parallel zu den schwindenden Erlösen steige der Aufwand: «Wir versuchen, die Warteschlangen vor den Personenkontrollen zu minimieren. Wir haben mehr Busse eingesetzt. Wir haben Desinfektionsmöglichkeiten eingerichtet. Es wird viel mehr geputzt.»

Flughafen-Personal ist weiterhin in Kurzarbeit

Von Seiten der beiden Trägerstaaten sei die Botschaft klar, sagte Suhr: Der Flughafen habe sich grundsätzlich selber zu organisieren. Allzu grosse Einflussmöglichkeiten gäbe es wohl auch gar nicht. Der Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektor Thomas Weber (SVP) gab zu Bedenken: «Staatliche Beihilfen an Flughäfen sind nicht zulässig, wegen Wettbewerbsverzerrung.» Das gelte auch für den EU-Raum.

Komplett auf eigene Rechnung wirtschaftet der Euro-Airport jedoch nicht. Suhr sagte, man profitiere weiterhin von Kurzarbeitsentschädigung. Sie sei «ein ganz wesentlicher Punkt zur Reduktion der Personalkosten.» Per Ende 2019 bot der binationale Flughafen 386 Arbeitsstellen, 41 waren schweizerischem Sozialversicherungsrecht unterstellt.

Ganz so düster wie auf den ersten Blick präsentiert sich die Lage des EAP nicht. «Während des Lockdowns war der Flughafen immer offen», sagte Suhr. «Wir hatten praktisch keine Passagiere. Aber die Fracht lief gut.»

Halb so viele Starts und Landungen wie im Vorjahr

Das bestätigt ein Blick in die Monatsstatistiken. Im April, dem strengsten Lockdown-Monat, wurden pro Woche noch rund drei Passagierflüge gezählt. Das Total der transportierten Frachtgüter lag jedoch bei 5518 Tonnen – das sind sogar rund 10 Prozent mehr als im April 2019.

Das Plus bei der Fracht setzt sich im Jahresvergleich fort. Von Januar bis September wurden 4,1 Prozent mehr Güter via Basel-Mülhausen transportiert als in den ersten neun Monaten 2019. Somit ist auch das Minus bei den Flugbewegungen 2020 bislang weniger hoch ausgefallen, als man vermutete: Das Total hat sich «nur» halbiert.

Euro-Airport konnte aber auch von der Coronapandemie profitieren

Dass der Aufwind beim Frachtsektor auch mit der stark exportierenden Life-Sciences-Branche in der trinationalen Agglomeration zu tun haben könnte, wurde am Dienstag auch angedeutet. Klar scheint, dass zumindest ein Teil der Cargo-Flieger Schutzmasken, Schutzmaterial, aber auch medizinische Geräte und Medikamente transportiert haben. Somit hätte der EAP indirekt, zumindest ein wenig, auch von der Corona-Krise profitiert.

Einen Wermutstropfen gibt es jedoch aus Sicht des EAP. Wegen der unsicheren Lage hat er alle Investitionen eingefroren, mit wenigen Ausnahmen. Eine davon sind Leistungen für den geplanten Bahnanschluss. Suhr: «Das Projekt, an dem wir mitbeteiligt sind, führen wir auch in diesem Jahr aus.»

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