Diemtigen
Die Visionäre bauten eine Nummer zu gross

Die konkursite Grimmialpbahn soll bereits im nächsten Winter wieder Skifahrer transportieren. Gewerbler und weitere Leute aus der Region suchten nach einem Ausweg aus der Misere. Sie sind zuversichtlich, dass das Konkursamt der Sanierung zustimmt.

Bruno Utz
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Ganz zuhinterst im Diemtigtal bauten die Grimmialpbahnen AG 2005 für mehrere Millionen Franken eine Dreiersesselbahn. Von knapp 1300 Meter über Meer auf den rund 1800 Meter hohen Stiereberg transportierte die Bahn seither Skifahrerinnen und -fahrer. Mit dem Projekt verbanden die Bahnverantwortlichen um Verwaltungsratspräsident Peter Knutti - er ist auch Gemeindepräsident von Diemtigen - geistig touristische Höhenflüge.

Doch keine sechs Jahre später kam bereits der totale Absturz: Vor zwei Monaten musste die Grimmialpbahnen AG auf dem Konkursamt Oberland die Bilanz deponieren. «Der Neubau führte zu einer grossen Schuldenlast. Dazu kamen schlechte Winter mit wenig Schnee», erklärt Knutti. Obwohl die Pisten im unteren Bereich beschneit würden, habe man vergangene Saison praktisch nie fahren können. «Wenn kein Geld rein kommt und die Kosten weiterlaufen, dann ist eines Tages Schluss», so der Ex-Verwaltungsratspräsident.

Das Darlehen von 600 000 Franken der Gemeinde Diemtigen sei wohl «futsch». Ihr Geld abschreiben könnten wohl auch Bund und Kanton, die laut Knutti noch je 187 000 Franken zu gut haben. Zu den Geschädigten gehörten auch die zwölf Teilzeitangestellten: «Die Bauern verlieren im Winter ihren wichtigen Nebenerwerb.» Betroffen seien aber auch das Hotel Spillgerten und die zwei Campingplätze im Gebiet. «Das ist eine harte Sache», sagt Knutti. Seine Hoffnung auf eine Wiederaufnahme des Bahnbetriebes sei aber gross, schiebt Knutti nach und verweist auf Leute aus der Region, die sich zusammengetan hätten, um eine Auffanggesellschaft ins Leben zu rufen.

Ein Drittel aller Logiernächte

Die Bedeutung des Bahnbetriebes im Gebiet Grimmialp ist auch laut Bruno Reber gross: «Heute lebt dort beinahe ein kleines ‹Tourismusdörfli› vom Bahnbetrieb», sagt der Geschäftsführer von Diemtigtal Tourismus. Rund ein Drittel aller jährlich 80 000 Logiernächte würden derzeit im Gebiet Grimmialp generiert. «Ich will nicht behaupten, dass niemand mehr in die Ferien kommt, wenn die Bahn weg wäre. Aber wir würden es merken», sagt Reber.

«Für uns ist die Grimmialpbahn längerfristig von existenzieller Bedeutung», bestätigt Franziska Erb, Mitinhaberin eines Sportgeschäftes und eines «kleinen privaten Skilifts». Die Ski-Mietstation besitze zwar eine gute Stammkundschaft, doch ohne die grossen Skipisten werde diese schmelzen, ist Erb überzeugt. Betroffen wäre zudem auch das Postauto.

Symbolischen Preis bezahlen

Gewerbler und weitere Leute aus der Region suchten nach einem Ausweg aus der Misere. Als Koordinator betätigt sich Hanspeter Gilgen: «Wir sind bereit, die konkursite Bahn zu einem symbolischen Preis zu übernehmen.» Die Liftanlage zum Buch- oder amtlichen Wert von 1,311 Millionen Franken zu kaufen, wäre aber nicht möglich. «Ein solcher Preis lässt keinen kostendeckender Betrieb zu», so Gilgen. Er sei zuversichtlich, dass das Konkursamt Hand zu einer Lösung bietet, damit der Sessellift schon in der kommenden Wintersaison wieder fahren kann. Der Zustand der Bahn sei tipptopp und die erste Konzession laufe noch bis ins Jahr 2021.

«Wir müssen die Fristen einhalten und die Gläubiger müssen zustimmen», kommentiert Fritz Huber die Pläne der Interessenten. Laut dem Vorsteher des Konkursamtes Oberland sind vorerst die Gläubiger am Zug. Diese hätten noch bis zum 21. August Zeit, eigene Offerten einzureichen. Huber kritisiert die Bahnverantwortlichen. «Diese hätten besser getan, vor der Bilanzdeponierung nach in Gesprächen mit den Gläubigern nach einem Ausweg zu suchen. Die Bergbahnen Meiringen-Hasliberg hätten so gehandelt und inzwischen eine Nachlassstundung erreicht (az Langenthaler Tagblatt berichtete). «Dort ist der Winterbetrieb gesichert.»

Diesen Weg habe der Verwaltungsrat besprochen, erklärt Peter Knutti: «Aber wenn man den Gläubigern überhaupt nichts mehr anbieten kann, dann ist er hoffnungslos. Der Bund sagte beispielsweise von Anfang an, er mache nicht mit.»

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