ENERGIEGESCHICHTE
Die Schweiz – ein Land der Solarpioniere

«Der Sonnenenergie gehört die Zukunft.» Eine Überzeugung, die viele Schweizer im Bereich der Photovoltaik und der Solarthermie zu einzigartiger Pionierarbeit animierte.

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BILD: SUPSI - FACHHOCHSCHULE SÜDSCHWEIZ

1982

Mit Unterstützung des Bundes installiert
der Kanton Tessin auf dem Dach
der Fachhochschule Südschweiz (SUPSI)
in Lugano die erste ans ö entliche Netz
angeschlossene 10-kWƒPhotovoltaikanlage
der Schweiz und Europas. Das Ziel: die
Sicherheitsprobleme zu studieren, die mit
dem Anschluss an das ö entliche Stromnetz
entstehen könnten. Bis heute liefert
die Anlage ununterbrochen Solarstrom.

1985

Als Werbefahrt für die Solarenergie
wird die Tour de Sol ins
Leben gerufen. Das weltweit erste
Rennen mit solarbetriebenen Fahrzeugen
führte in fünf Etappen von
Romanshorn über Winterthur nach
Genf. Initiiert wurde das Solar-Rennen
von Josef Jenni und einer
Gruppe der Schweizer Vereinigung
für Sonnenenergie.

BILD: ZVG

1989

In Oberburg bei Burgdorf realisiert
Josef Jenni zusammen mit seinem
Bruder Europas erstes vollumfänglich
mit Sonnenenergie beheiztes Wohnhaus. 84
Quadratmeter Sonnenkollektoren und ein 118
Kubikmeter grosser Warmwasserspeicher
produzieren so viel Wärme, dass selbst im
Winter ein Aussenpool auf 37 Grad
erwärmt werden kann.

BILD: EPFL / ALAIN HERZOG

1990

Chemiker Michael Grätzel,
Professor an der Eidgenössischen
Technischen Hochschule
in Lausanne (EPFL), er¥ ndet eine
Farbsto -Solarzelle nach dem Vorbild
der Photosynthese der P§ anzen. Die
Technologie ist günstiger und gilt als umweltfreundlicher
als Siliziumzellen, doch
der Wirkungsgrad ist tiefer. Die Folgearbeiten
zielten darauf ab, die E ̈ zienz zu erhöhen.
Mit Erfolg: Die Grätzel-Zelle kommt nun an
den Wirkungsrad der Siliziumzelle heran.

1992

Auch mit einer Grossanlage
macht die Schweiz bald von
sich reden. Anfang der 90er-
Jahre bauten die Elektrowatt
AG und die Bernische Kraftwerke
AG auf dem Mont Soleil
im Berner Jura eine Anlage
mit 500 Kilowatt; die seinerzeit
grösste Europas.

BILD: BKW ENERGIE

1993

Um das Potenzial von hochalpinen
Photovoltaikanlagen zu erforschen,
wird auf dem Jungfraujoch, 3500
Meter über Meer, die weltweit höchstgelegene
Anlage in Betrieb genommen.
Wie verhalten sich Solarzellen in grosser
Höhe? Die Erkenntnis: Der Jahresertrag ist
45Ž75% höher als der mittlere Jahres-Energieertrag
von Flachland-Anlagen. Die Gründe
dafür: Das Sonnenlicht wird weniger von der
Atmosphäre absorbiert, je kälter die Umgebung
ist, umso mehr leistet ein Photovoltaikelement
und der ewige Schnee re§ ektiert
das Licht um bis zu 70%.

BILD: ZVG

2007

«Die Zeit ist reif für den breiten
Einsatz der Solartechnik», so die Überzeugung
des Vereins transatlantic21. Zur
Demonstration wird die «sun21» – ein 14 Meter
langer und 6 Meter breiter Katamaran – konstruiert
und im Herbst 2006 auf Reisen geschickt: von
Basel nach New York. Im Mai 2007 erreicht die
«sun21» den New Yorker Hafen und überquerte
somit als erstes Solarboot den Atlantik,
ausschliesslich mithilfe von Sonnenlicht,
ohne einen Tropfen
Treibstoff.

2009

In 18 Monaten durchquert Louis
Palmer mit seinem «Solartaxi» 38 Länder
und umrundet mit über 54 000 Kilometern
die Erde. Die Reise startet 2007 in Luzern und
endet rund zwei Jahre später wiederum in der
Schweiz. Damit hat Louis Palmer als erster Mensch
in einem mit Solarkraft betriebenen Auto die Welt
umfahren. Für seinen persönlichen Einsatz zum
Schutz des Planeten wurde Louis Palmer mit
dem «Champion of the Earth»-Preis der
UNO geehrt.

2011

«Ein Skilift als Kraftwerk», so
titelt eine Schweizer Pendlerzeitung.
Wer hätte gedacht, dass
das kleine 110ƒSeelen-Dorf Tenna im
Sa¥ ental einmal schweizweit für Schlagzeilen
sorgen wird? Der Grund dafür: Im
Dezember nimmt der weltweit erste Solar-
Skilift seinen Betrieb auf. Dank den sich
automatisch nach der Sonne ausrichtenden Solarmodulen
produziert der Lift fast viermal mehr
Strom, als er verbraucht. Und auch Schneefall ist kein
Problem: Die Module können fast senkrecht gestellt
werden, damit der Schnee abfällt.

BILD: SOLARSKILIFT.CH

2012

584 Tage, 23 Stunden und
31 Minuten – so lange dauerte
die weltweit erste Weltumrundungsfahrt
per Solarboot. Das Gefährt,
mit dem der Schweizer Raphaël Domjan
und seine Crew in Monacos Hafen eintre en,
ist ein 95 Tonnen schwerer Katamaran. Auf dessen
Oberseite sind 38 000 Solarzellen installiert,
die Energie für eine durchschnittliche Geschwindigkeit
von 14 Stundenkilometern lieferten. Am Ziel der Reise
angekommen, sagt Raphaël Domjan: «Wir haben gezeigt,
dass es möglich ist. Damit wollten wir das
Potenzial der erneuerbaren Energie aufzeigen
und der Politik einen Impuls geben.»

BILD: PLANETSOLAR

2016

Bertrand Piccard und André
Boschberg landen im arabischen
Emirat Abu Dhabi und schreiben mit ihrem
solarbetriebenen Flugzeug «Solar Impulse 2»
Geschichte: Es ist der erste Weltumrundungs
§ ug mit reiner Solarenergie überhaupt.
Das Flugzeug hat eine grössere
Spannweite als eine Boeing 747 und
wiegt nur so viel wie ein Minivan. Die
Flügel sind mit über 17·000 Solarzellen
ausgestattet, durch die die
Propeller betrieben und Batterien
aufgeladen werden.

BILD: SOLAR IMPULSE

2017

«Welt-Solar-Rekord in Scha1 ausen»,
verkündet das Schweizer Radio. Die Solaranlage
des Scha1 auser Fussballstadions produziert
50% mehr Strom, als die gesamte
Arena – inklusive Läden und Verkaufs-
§ ächen – benötigt. Hierfür bekam das
Fussballstadion den Schweizer Solarpreis
2017 verliehen. Gallus Cadonau,
Präsident der Solar Agentur
Schweiz, zum Juryentscheid: «Mit
dem Überschuss an Strom könnten
300 Elektroautos jeweils
12 000 Kilometer weit fahren.
Das ist Weltrekord.»

BILD: ZVG

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