Fasnacht
Das Publikum im Mümliswiler «Zauberwald» tobte und brüllte

In Mümliswil fand wie jede Fasnacht der beliebte Schnitzelbank- und Cliquenabend statt. Die Stimmung war hervorragend im Guldentalter «Zauberwald». Die Aula war trotz Sportferien und der im Dorf grassierenden Gripppe bis auf den letzten Platz gefüllt

Josef Tschan
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Die Tambouren brachten mit ihrem Puppentheater das Publikum zum Brüllen

Die Tambouren brachten mit ihrem Puppentheater das Publikum zum Brüllen

Josef Tschan

«Hoffentlich bringen wir die Aula heute Abend voll», machte sich Obernarr Markus I. am Nachmittag noch Gedanken. Seine Sorgen galten den Sportferien und der Grippe, die das Dorf leer fegten. Doch er hatte wohl nicht mit einem ganz anderen Fieber gerechnet - dem Fasnachtsfieber, das alljährlich und regelmässig die Guldentaler befällt. Und so war um 20 Uhr die Aula in Mümliswil bis auf den allerletzten Platz besetzt, als die Gugge «Rohrspatzen» den beliebten Schnitzelbank- und Cliquenabend eröffneten.

Die Rohrspatzen heizten mit ihren fetzigen Rhythmen und eingängigen Melodien gleich von Beginn weg die Stimmung im Saal so richtig auf. Das Publikum liess nicht locker und verlangte schon nach zehn Minuten die erste Zugabe - was selbst die Rohrspatzen zu überraschen schien. Nach dem tollen Auftritt der Guggenmusik war es für Moderatorin Martina Jäggi ein Leichtes, das Publikum für sich zu gewinnen. Allein schon durch ihr Auftreten als wunderschöne Zauberwaldfee hatte sie die Sympathie des Publikums auf ihrer Seite. Das Bühnenbild, das von den Mümliswiler Obernarren (MON) geschaffen wurde, rundete den optischen Gesamteindruck perfekt ab. Begleitet von dezenter Hintergrundmusik führte Martina erzählerisch durch den Guldentaler «Zauberwald» und was sie als Fee so alles sieht.

Hammerstimmung

Obernarr Markus I. und sein Oberchessler Remy gaben nochmals ihre Regierungserklärung zum Besten. Der gemeinsame Auftritt zusammen mit ihren Jodlerkolleginnen und -kollegen, die alle als Waldzwerge verkleidet waren, war ein richtiger Augen- und Ohrenschmaus. Die «umgeschriebenen» Jodelmelodien kamen bestens an und Zwerg «Hugo», alias Hugo Nussbaumer sorgte mit seinen Spässen zusätzlich für spontane Reaktionen im Publikum. Die «Lobiseitüüfle» kamen ganz im Dunkeln mit Taschenlampen auf die Bühne geschlichen. Für sie war die Abschaltung der Strassenbeleuchtung im letzten Jahr nichts anderes als eine «wenig sinnvolle Nacht und Nebelaktion». Ihre frechen Sprüche, die vor allem lokalen Persönlichkeiten und der Sparwut des Gemeinderates galten, wurden vom Publikum mit viel Applaus verdankt.

Ein weiterer Höhepunkt war der Auftritt der Tambouren. In einem ersten Teil zeigten sie ihr musikalischen Können, begleitet von einer absolut perfekten Choreographie. Auch sie traten wegen der gemeinderätlichen Lichtsparübung im Dunkeln auf - verkleidet als «Energie Polizei Guldental». Die mit LED beleuchteten Trommelstöcke wirbelten durch die Dunkelheit und die weiteren Lichteffekte verzauberten die Leute im Saal. Im zweiten Teil führten die Tambouren dann ein Puppentheater auf. Drei Trommler waren als Babyzwerge verkleidet, die allerlei Unfug trieben. Das gebotene Bild war so genial, dass das Publikum vor Begeisterung brüllte und tobte.

Narrenfreiheit gefordert

Einen eher nachdenklichen Auftritt hatten dann «dr Gottliebi und sis Annekäthy». Anscheinend wurden sie nach der letzten Fasnacht mit anonymen Postkarten belästigt, deren Inhalt wenig erfreulich war. Mit ihren Versen gaben sie dem anonymen Schreiber aber zu verstehen, dass sie sich dadurch nicht beeindrucken liessen und sie forderten, die Narrenfreiheit zu respektieren und versprachen zugleich dem Publikum, dass man nächstes Jahr wieder mit ihrem Auftritt rechnen dürfe.

Ein weiterer optischer Leckerbissen war der Auftritt vom «Häxechessu». Mit ihren langen roten Perücken, den tollen Kostümen und den kunstvoll geschminkten Gesichtern sorgten sie für Bewunderung. Die Hexen nahmen mit ihren träfen Sprüchen die Guldentaler Dreierkandidatur für den Kantonsrat von Christ, Fluri und Stoll aufs Korn. Ebenso die anstehende Hallenbadsanierung oder das Ansinnen des Fussballklubs einen Kunstrasen im Brühl zu installieren. Zum Abschluss des Abends trat dann noch die Kanofetti Steelband auf. Da die Stimmung in der Zwischenzeit dermassen aufgeheizt war, brauchten sie nur ein paar Takte, bis das Publikum auf den Bänken stand und fröhlich und ausgelassen mitklatschte. Angeführt von Oberchessler Remy bildete sich rasch eine Polonaise durch die ganze Aula und alle genossen noch lange die tolle Stimmung im Guldentaler Zauberwald.