Minarett
Das Mahnmal ist «eine reine Provokation»

Ausser der SVP sind alle Parteien gegen das «Mahnmal». Es handle sich nur um eine Trotzreaktion der Minarett-Gegner.

Urs Byland
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Solothurner Zeitung

Wie reagiert die Langenthaler Politik auf die Initiative der Aktionsgruppe «Stopp Minarett»? Diese will ein 7 Meter hohes, minarettähnliches «Mahnmal» in Langenthal errichten und beabsichtigt diesbezüglich ein Baugesuch einzureichen.

«Das ist eine Trotzreaktion», sagt FDP-Präsident Rudolf Lanz. «Für mich ist das ein eigenartiger Weg, seinen Protest auszudrücken, dem ich nichts abgewinnen kann.» Es gebe genügend andere Möglichkeiten, sagt Lanz und verweist auf den Einspracheweg. «Das ist einfach too much.»

Unverständnis und Erstaunen äussert Anna Aeberhard, Präsidentin der Grünen. «Ich verstehe die Absicht nicht hinter der Aktion, ein Mahnmal zu errichten. Das Komitee will doch das Minarett nicht und nun planen sie selber den Bau eines Turmes. Wie geht das auf?» Zudem ärgert es sie, dass seinerzeit über das Minarett auf dem «Choufhüsi» geflucht worden sei, «und jetzt macht das Aktionskomitee das genau Gleiche». «Weshalb zum Geburtstag der Minarett-Abstimmung nicht einfach eine Kerze anzünden und feiern?», fragt Anna Aeberhard die Organisatoren rund um das Aktionskomitee.

«Wir begrüssen das Mahnmal»

Einzig Patrick Freudiger zeigt Verständnis. Er bearbeitet in der SVP das Dossier «Minarett» und beantwortet deshalb die Frage. «Wir begrüssen das Mahnmal.» Dieses würde auf das «völlig inakzeptable» Verhalten der Glaubensgemeinschaft, die bisher am Minarettbau festhält, hinweisen. «Wir erachten es aber auch als Mahnmal für die direkte Demokratie.» Mit seiner Meinung findet Freudiger kaum Freunde.

Sicher nicht beim Präsidenten der Grünliberalen Partei, Thomas Kalau. «Wir betrachten das geplante Mahnmal als reine Provokation. Es würde nur daran mahnen, dass sich Langenthal in den Händen gewisser christlicher Kreise befindet, die ihren Hass auf den Islam und andere nicht-christliche Weltanschauungen symbolisch dargestellt sehen und sich so einen grösseren, als der ihnen zustehende Platz in der Öffentlichkeit erzwingen wollen.» Kalau spricht von einem enormen Imageschaden für Langenthal und glaubt: «Das Mahnmal würde mutmasslich die öffentliche Sicherheit gefährden, indem das bereits gereizte Klima weiter aufgeheizt wird.» Angezeigt wäre es, Ruhe in die Diskussion zu bringen und den Gang des hängigen Minarett-Baugesuchs durch alle Gerichtsinstanzen abzuwarten, ergänzt Kalau. «Jede andere vor allem religiös motivierte Aktion ist zum jetzigen Zeitpunkt eine Verhöhnung unseres Rechtssystems.»

Auch sein politisch nahestehender Kollege Daniel Steiner (EVP) sagt. «Das Mahnmal würde einmal mehr ein negatives Image für Langenthal bedeuten.» Er betrachte das Ansinnen als eine unnötige Provokation und erinnert an den Rechtsweg.

Stefan Ryser bezweifelt namens der SP, ob das «Mahnmal» der richtige Weg sei, um ein Zeichen gegen Religionsverfolgung zu setzen. «Das Minarett ist ein Symbol für eine uns fremde Kultur. Darf man eine fremde Kultur so an den Pranger stellen?»