Langenthal
Das Haus am Mühleweg 15 ist ein Gesamtkunstwerk

Urs Hugs Haus an der Langeten wird in einer Publikation dokumentiert. Diese zeigt auf 168 Seiten die Geschichte des Gebäudes und die künstlerischen Interventionen von Hug.

Urs Byland
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Urs Hug (links) erklärt Vernissagebesuchern ein Werk.

Urs Hug (links) erklärt Vernissagebesuchern ein Werk.

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Das Haus am Mühleweg 15 an der Langeten im Zentrum Langenthals, gleich vis-à-vis vom Parkplatz Wuhrplatz, ist ein Gesamtkunstwerk. Der Künstler Urs Hug, Mitinhaber der Werbeagentur P’inc, kaufte das unscheinbare Gebäude 2001 und unternimmt seither laufend künstlerische Interventionen im und am Haus. Nun hat er den Mühleweg 15 in einem grösseren Rahmen einige Stunden geöffnet. Anlass war die Vernissage des Kataloges «Das Haus Urs Hug».

Schon einmal, im Januar, bot Hug Einblick ins Haus, als er das Gebälk des Dachstuhles im Rahmen der Kunsthaus-Aussstellung «Das Dorf» ausstellen durfte. Damals gab es einen Tag der offenen Türe. In der Zwischenzeit hat Hug weitere künstlerische Interventionen vorgenommen.

Flickwerk von Gebäudeteilen

Am Mühleweg 15 wohnt niemand. Das Gebäude dient einzig als Medium der künstlerischen Veränderung durch Urs Hug. Das zweistöckige Haus «ist ein Flickwerk unterschiedlichster Gebäudeteile», schreibt die ehemalige Kunsthausleiterin Fanny Fetzer in einem Artikel in der neu erschienenen Publikation. Dazu beigetragen hat auch Urs Hug mit einem markanten kubischen Aufbau, der anstelle des ursprünglichen Dachstocks auf dem Gebäude sitzt. Die Wände des ehemaligen Dachstockes sind in die Wände des neu gebauten Kubus integriert. Auch dies ist ein Kunstwerk, wurden doch die Strukturen der verschiedenartigen Backsteine, die ursprünglich verwendet wurden, sichtbar.

Die Interventionen von Hug sind meistens ein Ausdruck der Auseinandersetzung mit dem Vorhandenen. Beispielsweise die im Dachstock herausgenommenen Balken, die alle wieder verwendet werden, einfach in einem neuen künstlerischen Zusammenhang. Die Balken sind einerseits in einem Raum am Boden ausgelegt – wie ein neuer Boden. Andererseits füllen sie kreuzförmig einen weiteren Raum im Parterre. Es wirkt wie an einer Baustelle, bei der Wände gesichert und abgestützt werden müssen, damit sie nicht einstürzen. Nicht ohne Hintergedanken: Im Jahr 1910 drohte das Haus unterspült zu werden. Um einen Zusammenbruch des Hauses zu verhindern, wurde dieses mit langen Balken über die Langeten hinweg gestützt. Eine Foto zeigt diesen rettenden Eingriff und war Ausgangspunkt für Hugs künstlerische Intervention.

Die Publikation dokumentiert auf 168 Seiten die Geschichte des Gebäudes und die künstlerischen Interventionen von Hug.

Bohnenstangen als Zaun

Eine andere Intervention befindet sich rund ums Haus. Bohnenstangen verbunden mit Schnüren, an denen Bohnen rankten, haben zu einem Diskurs mit der Baubehörde geführt (das az Langenthaler Tagblatt berichtete). Der Zaun entspricht nicht den Vorgaben der Baubehörde. Noch im Frühjahr erklärte Hug, er werde im Herbst, wenn das Gemüse reif ist, die Behörde zu einer Bohnensuppe einladen und das Gespräch suchen.

An der Vernissage verköstigte Hug die Gäste denn auch mit besagter Bohnensuppe. Doch Gespräche fanden keine statt. «Die Behörden haben keine Zeit, um Suppe essen zu kommen.» Es sei aber von den Behörden wahrgenommen worden, dass er diskussionsbereit sei, so Hug. Der Gartenhag müsse zwar weg, aber: «Die Diskussion geht weiter. Ich werde eine weitere Intervention machen. Ich habe meine Idee auch schon mit den Behörden vorbesprochen und es hiess, wenn es den Bauvorschriften entspreche, hätten sie nichts dagegen.» Er habe dann geantwortet, Kunst sei schwierig in Vorschriften zu integrieren.

Das Haus Urs Hug, Publikation, erhältlich beim Kulturbuchverlag Herausgeber.ch. www.herausgeber.ch

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