Gäupark Egerkingen
Coop baut seinen Megastore um — der Grundwassersee wird zu löchrigem Käse

Coop will mit einer neuen Grundwasserwärmepumpe beim Gäupark in Egerkingen mehrere hundert Tonnen CO2 sparen.

Hans Peter Schläfli
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An dieser Stelle, wo auf dem Parkplatz noch eine Sickergrube für das Regenwasser ist, soll eine Grundwasserfassung gebaut werden.

An dieser Stelle, wo auf dem Parkplatz noch eine Sickergrube für das Regenwasser ist, soll eine Grundwasserfassung gebaut werden.

Hans Peter Schläfli

Derzeit baut Coop im Gäupark Egerkingen seinen Megastore um. Dieser soll in Zukunft mit einer Grundwasserwärmepumpe beheizt werden. In Egerkingen ist dazu der Bau einer neuen Grundwasserfassung geplant, die 3000 Liter Wasser pro Minute fördert.

Um die Grösse der Anlage einordnen zu können: Jeder Schweizer verbraucht pro Tag rund 150 Liter Wasser. Das bedeutet, dass die neue Wärmepumpe für den Megastore etwa achtmal mehr Wasser aus dem Boden pumpen wird, als die ganze Bevölkerung des Dorfes Egerkingen verbraucht – nur dass das zur Heizung genutzte Wasser anschliessend über einen Rückgabebrunnen wieder ins Grundwasser zurückversickert wird.

Grundwasser anzapfen, um CO2 zu sparen

Ausgeschrieben ist eine Heizleistung von 830 kW, was einer jährlichen Einsparung von rund 250 Tonnen CO2 oder dem Heizölverbrauch von etwa 50 Einfamilienhäusern entspricht. Dafür ist Coop laut seiner Medienabteilung bereit, dreimal so hohe Kosten wie die einer herkömmlichen Erdgasheizung zu berappen. Die Idee, den riesigen Gäuer Grundwasserstrom für Heizungen anzuzapfen, ist nicht neu.

In der nahen Umgebung gibt es bereits fünf solche Grundwasserwärmepumpen. Eine davon heizt im Gäupark bereits den Möbelladen Livique, der zu Coop gehört. Konkurrent Migros will gleich daneben ebenfalls eine solche Anlage bauen, und auf Härkinger Boden kommen noch einmal zwei solche Grundwasserfassungen dazu. Neun solche Fassungen mit je zwei Brunnen wird es hier bald geben.

Der Grundwassersee beim Gäupark scheint Löcher zu bekommen wie ein reifer Emmentaler Käse. Aber wie viele Grundwasserwärmepumpen verträgt die Natur, bis das Gleichgewicht kippt?

Risiko einer «thermischen Übernutzung»

«Es ist tatsächlich so, dass die Anlagendichte in Egerkingen ein Mass annimmt, bei welchem auf den ersten Blick Fragen aufkommen können», sagt Claude Müller dazu, der als wissenschaftlicher Experte für Grundwasserbewirtschaftung im Solothurner Amt für Umwelt die ­Projekte für Grundwasserwärmepumpen überprüft. «Diese Anlagen sind für die Umwelt so lange kein Problem, als sie keine mengenmässige oder thermische Übernutzung des Grundwassers verursachen», führt Müller aus. Da das Pumpwasser jeweils zu 100 Prozent wieder versickern wird, gebe es mengenmässig keine Probleme.

«Es stellt sich einzig die Frage, ob sich die Entnahme- und Rückgabebrunnen aufgrund ihrer Nähe gegenseitig beeinflussen oder ob eine thermische Beeinträchtigung der Trinkwasserversorgung zu befürchten ist. Das Risiko wird bei jedem Gesuch mit Computersimulationen überprüft», erklärt Claude Müller. Jeder Gesuchsteller müsse zudem mittels eines Gutachtens den Nachweis erbringen, dass er mit seiner Anlage die Trinkwasserversorgung nicht beeinträchtigt. «Das Amt für Umwelt ist bestrebt, Werkzeuge zu erarbeiten, mit denen das thermische Nutzungspotenzial der Grundwasservorkommen in Zukunft besser ermittelt werden kann. Oberste Priorität hat dabei der Schutz der ­Trinkwasserversorgung.»

Das letzte Wort haben die Egerkinger

Die Konzession für die Nutzung des Grundwassers zu Heizzwecken erteilt das Kantonale Amt für Umwelt. Die Unterlagen dazu sind auch auf der Gemeindeverwaltung Egerkingen einsehbar, weil das definitive Baugesuch anschliessend hier beurteilt wird. Bauverwalter Markus Thommen rechnet aber nicht damit, dass Einsprachen eintreffen werden. Coop habe auf Anregung des Kantons früh das Gespräch mit den regionalen Wasserversorgern gesucht und deren Wünsche bereits berücksichtigt. So verzichte Coop nun darauf, das Grundwasser im Sommer auch zur Kühlung des Megastores einzusetzen.

Die neue Wärmepumpe darf das Wasser maximal um vier Grad abkühlen, bevor dieses wieder in den Grundwassersee versickert. Etwas kühleres Wasser sei angesichts der zu erwartenden Klimaerwärmung kein Problem, findet Egerkingens Bauverwalter. Riskant wäre es eher, wenn das Grundwasser im Sommer auch zur Kühlung eingesetzt und danach deutlich wärmer ins Grundwasser zurückgebracht würde.

«Unser Grundwasser ist ein Lebensmittel und muss besonders geschützt werden», sagt Markus Thommen. «Die Temperatur des Wassers darf laut Gesetz 15 Grad nie überschreiten, sonst kann es nicht mehr als Trinkwasser genutzt werden. Das dürfen wir nicht zulassen.»

Die Pläne für das Projekt liegen bei der Gemeindeverwaltung sowie beim Amt für Umwelt in Solothurn öffentlich auf. Schriftliche und begründete Einsprachen können bis am 28. Januar beim Kantonalen Amt für Umwelt eingereicht werden.