Kunst
Auf Amiets und Hesses Spuren – mit den Wanderschuhen auf Kunstendecktung

Interessierte können ab sofort das Leben und Wirken der beiden Künstler auf der Oschwand auf einem Pfad erkunden.

Manuela von Arx
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Simon Hesse und Christine Widmer-Hesse sind die Kinder von Bruno Hesse. Sie stellten zahlreiche Werke für die Ausstellung zur Verfügung.

Simon Hesse und Christine Widmer-Hesse sind die Kinder von Bruno Hesse. Sie stellten zahlreiche Werke für die Ausstellung zur Verfügung.

Markus Steinemann, CH-4950 Huttw

Die Landschaft mit den Augen zweier berühmter Schweizer Kunstmaler sehen – das ist ab jetzt möglich auf der Oschwand, welche den Gemeinden Seeberg und Ochlenberg angehört. Der Amiet-Hesse-Weg lädt ab sofort zum «Kunstwandern» auf den Spuren der Maler Cuno Amiet und Bruno Hesse ein. Der Weg führt mehrheitlich auf bereits bestehenden Berner Wanderwegen. Den Wanderern stehen zwei Rundwege zur Auswahl, ersterer ist mit eineinhalb Stunden Wanderzeit die kürzere Variante. Die lange Tour dauert drei bis vier Stunden. Auf den Wanderrouten sind immer wieder Stelen platziert, auf denen Informationen zum Leben und Wirken der beiden Künstler und natürlich deren Werke abgedruckt sind. Der Blick in die Landschaft ist indes so gewählt, wie sie oft auch Bilder der beiden Maler zeigen. Einige der Informationssäulen stehen dann auch genau dort, wo das eine oder andere Kunstwerk seinerzeit entstanden ist.

Erlebnis in der Natur

«Wir wollten, dass die Besucher die Landschaft so sehen, wie sei die beiden Künstler gesehen haben. Der Weg bietet ein Kunsterlebnis in der Natur», erklärt Beat Hugi, Projektleiter des Amiet-Hesse-Wegs. Er war es, der den Stein für den Kunstwanderweg ins Rollen gebracht hat. Für den Weg von der Idee bis zur Eröffnung brauchte aber auch er festes Schuhwerk. Es gab einige Hürden zu nehmen. Dabei konnte er aber auf die Unterstützung von vielen Seiten zählen. «Die beiden Standortgemeinden Seeberg und Ochlenberg waren sofort dabei und haben unser Vorhaben unterstützt», erzählt Beat Hugi. Danach konnten auch die Gemeinde Herzogenbuchsee, die Stadt Langenthal sowie die Kantone Bern und Solothurn ins Boot geholt werden. Privatpersonen und andere Institutionen haben sich ebenfalls finanziell engagiert und den Themenweg so möglich gemacht.

Seit dem Beginn des Projekts vor drei Jahren seien viele schöne Geschichten zu den beiden Künstlern zum Vorschein gekommen. «In beinahe jedem Bauernhaus hier oben hängt ein Bild von Bruno Hesse, und viele der Besitzer haben ihre eigene Geschichte dazu. Das kam manchmal auch ganz unerwartet», erzählt Beat Hugi begeistert.

Bilder aus Privatbesitz

Bis zum 3. September sind Werke von Bruno Hesse und Cuno Amiet im alten Schulhaus Oschwand ausgestellt. «Schliesslich kann man einen Wanderweg nicht in einem Raum ausstellen», sagt Hugi und lacht. Deshalb habe man mit der Ausstellung noch etwas Zusätzliches bieten wollen. Die Nachkommen der beiden Künstler haben dazu wertvolle Ölbilder, Zeichnungen, Radierungen und Lithografien aus ihrem Privatbesitz zur Verfügung gestellt. Man habe sogar Bilder ablehnen müssen, so viele Leute hätten ihre Hesse-Bilder in die Ausstellung geben wollen.

Eine der Infostelen auf dem Amiet-Hesse-Weg. Auf den Tafeln finden sich Informationen und abgedruckte Werke der beiden Künstler.

Eine der Infostelen auf dem Amiet-Hesse-Weg. Auf den Tafeln finden sich Informationen und abgedruckte Werke der beiden Künstler.

Schweiz am Sonntag

Die Bilderschau ist jeweils von Freitag bis Sonntag geöffnet. «Uns wird hier ein grosses Vertrauen entgegengebracht», betont der Projektleiter. Immerhin hängen die wertvollen Bilder in einem Schulhaus. Sämtliche Schlösser des Gebäudes mussten ausgetauscht und die Bilder mit einem Alarmsystem gesichert werden – eine teure Angelegenheit. Allerdings haben die zuständigen Firmen nicht den ganzen Betrag verrechnet und so ihre Unterstützung für das Projekt kundgetan. «Bis zum letzten Tag haben wir Goodwill von allen Seiten erfahren, dafür sind wir sehr dankbar», so Hugi. Lange Baubewilligungsverfahren haben zu Verzögerungen geführt, aber Hugi freut sich, dass nun alles geklappt hat: «Die Ausstellung ist rechtzeitig fertig geworden, der Weg wartet auf zahlreiche Wanderer. Ich bin zufrieden.»

Amiet und Hesse

Cuno Amiet (1868–1961) war Maler, Zeichner, Grafiker und Bildhauer. Er bezog zuerst ein Atelier in Hellsau, bis er heiratete und mit seiner Frau Anna auf die Oschwand zog, Gemeindegebiet von Seeberg und Ochlenberg.

Bruno Hesse (1905–1999) war der älteste Sohn von Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse. Mit 15 Jahren kam Bruno Hesse auf die Oschwand und wuchs dort als Pflegekind bei Cuno Amiet und dessen Frau auf. Wie sein Pflegevater wurde Bruno Hesse Kunstmaler. Er lebte mit seiner Familie zeit seines Lebens auf der Oschwand und setzte sich als Maler intensiv mit der Landschaft auseinander.

Lesungen und Referate

Zukünftig soll der Weg mit jährlich wiederkehrenden Führungen, Kunstaktionen, Ereignissen und Events lebendig gehalten werden. «Der Kunstweg soll auch ein Ort der Begegnung werden», so Beat Hugi. Schliesslich hoffe man auch, damit das Gebiet schweizweit bekannter zu machen. Bis zum 1. September finden nun verschiedene Begleitveranstaltungen zum Amiet-Hesse-Weg statt, so zum Beispiel eine Lesung, ein Kunst-Talk oder ein Referat.

Aktuell sind zudem die Arbeiten für den «Kunstplatz Cuno Amiet» im Gange: Das ehemalige Wohnhaus und das Atelier des Künstlers auf der Oschwand sollen zu einem Begegnungsort für Kulturinteressierte werden.

Weitere Informationen:
www.amiet-hesse-weg.ch

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