Bruno-Weber-Park
Aargauer Regierung vollzieht einen Kurswechsel

Wenn er die Stabilität des Betriebs gewährleistet sieht, wird der Regierungsrat eine finanzielle Unterstützung wieder in Erwägung ziehen.

Florian Niedermann
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SP-Grossrat Martin Christen begrüsst den Kurswechsel der Regierung. RUE

SP-Grossrat Martin Christen begrüsst den Kurswechsel der Regierung. RUE

Sophie Rüesch

Unter der Führung des neuen Stiftungsrats hat der Bruno-Weber-Park beim Aargauer Regierungsrat wieder mehr Kredit. Darauf lässt seine Antwort auf eine Interpellation schliessen, die der Spreitenbacher SP-Grossrat Martin Christen im August eingereicht hatte.

Als dieser im Juni mit einem anderen Vorstoss in Erfahrung bringen wollte, ob sich der Kanton an dringend nötigen Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten im Skulpturenpark beteiligen würde, verneinte die Regierung. Sie begründete dies mit der «schwierigen betrieblichen Situation», in der sich das Vermächtnis des 2011 verstorbenen Dietiker Künstlers Bruno Weber befand (wir berichteten).

Knapp ein halbes Jahr später zeigt der Kanton nun eine andere Haltung: Auch in der Antwort auf die aktuelle Interpellation Christens stellt der Regierungsrat zwar kein Geld in Aussicht. Er erklärt sich aber bereit, sich mit Anträgen zur finanziellen Unterstützung der Stiftung zu befassen, sofern es dieser gelingt, die «Stabilität und Konstanz» im Park sicherzustellen.

Der Interpellant äusserte sich gestern erfreut über den Kurswechsel der Exekutive: «Es ist schön, dass der Regierungsrat seine Ansichten revidiert hat. Auch in Gesprächen mit Ratsmitgliedern kam zum Ausdruck, dass Mitfinanzierungsgesuche nun wohlwollend behandelt werden», so Christen.

Doch euphorisch wird der Gründer des «Komitees zur Rettung des Bruno-Weber-Parks» deswegen nicht: «Der Grosse Rat übt derzeit enormen Spardruck aus. Da ist es für die Regierung schwierig, Geld für solche Projekte zu sprechen.»

Neue Leitung, neues Vertrauen

Mit seiner Interpellation reagierte Christen auf den Entscheid der kommissarischen Stiftungsrätin Brigitte Bitterli vom August, den Park am 19. Oktober zu schliessen.

Sie war im Frühling von der Aargauer Stiftungsaufsicht damit betraut worden, den Skulpturenpark zu verwalten, nachdem der vormalige Stiftungsrat im Februar in corpore zurückgetreten war. Finanzielle und strukturelle Probleme bedrohten schon davor die Existenz der Anlage auf der Grenze zwischen Dietikon und Spreitenbach.

Der Kurswechsel in der Antwort der Regierung erklärt sich vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen im Bruno-Weber-Park. Bitterli verkündete Anfang November, dass ein neuer Stiftungsrat eingesetzt worden sei. Damit stieg offenbar auch das Vertrauen des Regierungsrats. Er schreibt, dass mit der neuen Führung «wieder ein Ansprechpartner aufseiten der Bruno-Weber-Stiftung» bestehe. Sie müsse nun ihre Handlungsfähigkeit beweisen und klare Verantwortlichkeiten sowie professionelle Strukturen etablieren.

Fragen wurden teilweise hinfällig

Einige Fragen in Christens Vorstoss sind angesichts der veränderten Ausgangslage hinfällig geworden. So wollte er etwa wissen, warum Bitterli nach dem Rücktritt des Stiftungsrats kein neues Gremium eingesetzt habe. Der Regierungsrat antwortet mit dem Hinweis, dass der Stiftungsrat zwischenzeitlich neu besetzt worden sei. Bis zum Schliessungsbeschluss hätten sich aber «keine Personen, die eine geeignete Zusammensetzung ergeben hätten», für ein Mandat verpflichten lassen.

Erstaunt ist Christen über die Antwort auf seine Frage, wie viel das Verfahren der Stiftungsaufsicht Aargau die Bruno-Weber-Stiftung gekostet habe. Laut Regierungsrat belief sich der Aufwand auf 96 600 Franken. Davon entfallen 6600 Franken auf Gebühren und rund 90 000 Franken auf die Honorare für die kommissarische Stiftungsrätin sowie externe Experten. «Ich nahm an, dass die Kosten mehr als 100 000 Franken betragen würden», sagt Christen.

Laut der Regierung ist der Aufwand unter der kommissarischen Verwaltung gar gesunken. Dies, weil monatlich rund 11 000 Franken für die bisherige Geschäftsführung wegfielen, das Sekretariat eingespart wurde und die Ausgaben für die Buchhaltung reduziert werden konnten.

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