Forum der Älteren
„Bhutan – ein Königreich im Himalaya“ – Ein Vortrag im Rahmen des FORÄRA Forum der Älteren

Marcel Siegrist
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Ruth Lerchner, unser FORÄRA-Ehrenmitglied, hat sich zeitlebens mit der Entwicklungsarbeit auseinandergesetzt: als junge Mitarbeiterin im EDA, als Pfarrfrau oder als Lokalpolitikerin. 2010 reiste sie mit Helvetas-Experten in einer kleinen Gruppe in einem Kleinbus durch Bhutan. Mit einer Reisegeschwindigkeit von 30 km/h waren sie unterwegs und durchfuhren „eine Million Kurven“. Auf dieser Reise hat die Referentin tiefe Einblicke in die Lebensbedingungen, die Kultur, die kunstvolle Architektur und die spezielle Landschaft Bhutans bekommen. Sie hat mit ihren Bildern über eindrucksvolle Tempelfeste, über die Symbole des gelebten Buddhismus und das karge Leben erzählt und der zahlreichen Zuhörerschaft die Menschen in Bhutan näher gebracht.

Über Allem thront der König. Er ist der Super-Vater, er sorgt für sein Volk, aber er fährt auch Velo! Der Alltag ist von der Religion durchdrungen: Gebetsmühlen drehen und Fahnen in den Farben der 5 Elemente wehen, rund um die Uhr. Es gibt etwa 7000 buddhistische Mönche, deren Lebensunterhalt vom König bezahlt wird. 80 % der Kinder besuchen heute eine Schule. - Der Hausbau, reine Stein- und Holzkonstruktionen, hat eine 1000jährige Tradition. Man kennt keine Nägel, alle Verbindungen sind aus Holz. Wasser und Reis sind zentrale Lebenselemente für das bhutanische Volk.

Am Anfang der schweizerisch-bhutanischen Beziehungen stand die Freundschaft zweier jungen Frauen. Eine Zürcher Industriellentochter und eine bhutanische Prinzessin lernten sich in den späten vierziger Jahren in einem englischen Internat kennen. Der König von Bhutan, der diese Prinzessin heiratete, kam so mit dem Vater jener Industriellentochter in Kontakt. Diese Bekanntschaft entwickelte sich zu einer Freundschaft, die danach in den 50er Jahren den Grundstein zur Partnerschaft der beiden Länder legte. Bis anfangs 1970 erfolgte auf dieser rein privater Basis die Entwicklung einer erfolgreichen Zusammenarbeit mit Schweizer Handwerkern: ein Ofenbauer aus Schöftland (!), Käser und Forstleute brachten unser Wissen und unsere handwerklichen Fertigkeiten in dieses Hochland. Ab 1974 engagierten sich dann die Helvetas und der Bund (DEZA). Erfolgreiche Projekte in der Land- und Forstwirtschaft, Brücken- und Strassenbauten, später folgten Berufsbildungsprojekte führten zu einer signifikanten Entwicklung. So ist die Lebenserwartung in diesem Zeitraum um 20 Jahre gestiegen. Ab 1993 hat das das Internet Einzug gehalten.

Die Elektrizität, gewonnen aus der Wasserkraft, und der Tourismus, 65‘000 Touristen pro Jahr, sind heute die Haupteinnahmequellen des Landes.

Aber keine Vorteile ohne Nachteile: Plastikabfälle, Jugend-Arbeitslosigkeit und die Entfremdung der jungen Generation von Religion und Tradition sind der Preis. Heute versucht das Land den Spagat, ein glückliches Land mit Tradition und einem moderaten Wirtschaftswachstum zu sein und sich dabei noch demokratisch zu entwickeln. Das DEZA schliesst seine Büros und beendet seine Entwicklungsprojekte in diesem Jahr. Auch Helvetas plant, sich schrittweise zurückzuziehen. Die Grundlagenarbeit ist getan. „May peace prevail on earth“ wie Ruth Lerchner ihren leidenschaftlichen Vortrag hoffnungsvoll abschloss.

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