Help-Point Sumy
114 Tonnen Hilfsgüter fürs "Armenhaus" der Ukraine

Mit elf Camions unterwegs

Marcel Siegrist
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Heute trifft der zweite Hilfskonvoi des Vereins Help-Point Sumy wieder in
Wohlen ein. In den vergangenen zehn Tagen wurden mit 11 Camions
rund 114 Tonnen Hilfsmaterial in die Stadt Sumy im armen Nordosten
der Ukraine transportiert. Möglich machten dies 22 freiwillige Fahrer, die
alle ihre Kosten selber bezahlten, das grosse Engagement der
Vereinsmitglieder und die grosszügige Unterstützung von Importeuren,
Transportunternehmern und Lastwagengaragen, die für den Konvoi ihre
Zugmaschinen, Auflieger oder Sattelzüge zur Verfügung stellten.
Am Samstag, 11. September, pünktlich um 6 Uhr startete der zweite Hilfskonvoi
dieses Jahres nach Sumy. Auf dem Schützenhausplatz in Wohlen wurden die
Motoren der 11 Camions gestartet, die insgesamt 114 Tonnen humanitäre Hilfsgüter
in die ukrainische Stadt brachten. Bei der Verabschiedung der 22 Sumy-Fahrer am
Vortag dankte Vereinspräsidentin Marianne Piffaretti den grosszügigen Sponsoren,
welche die humanitäre Hilfe für die Ukraine möglich machen und wünschte dem
Konvoi-Team eine gute Fahrt. In den nächsten Tagen legte der Konvoi insgesamt
rund 2600 Kilometer durch Deutschland, Polen und die Ukraine zurück.
Die beiden längsten Etappen lagen nach zwei Tagen hinter den Konvoifahrern, rund
1500 Kilometer legte der Hilfstransport dabei zurück. Der erste Abschnitt führte bis
ins polnische Zgorzelec, gleich nach der deutschen Grenze bei Görlitz. Weil in
Deutschland am Sonntag ein Lastwagen-Fahrverbot gilt, muss der Konvoi am ersten
Tag jeweils bis nach Polen fahren. "Wir sind genau nach Zeitplan voran gekommen
und konnten auch die Camions schon volltanken für die Weiterfahrt", berichtete
Konvoileiter-Stellvertretern Beatrice Portmann.
Auch der zweite Tag mit der Fahrt quer durch Polen verlief wie geplant. "Bis nach
Krakau war es etwas neblig und grau, danach zeigte sich die Sonne, aber bisher sind
wir ohne einen Tropfen Regen durchgekommen", erzählte Markus Rehsteiner,
Vizepräsident des Vereins Help-Point Sumy, der selber einen Lastwagen in die
Ukraine steuert. Kurz vor 20 Uhr abends kamen die Chauffeure im polnischen
Przemysl an, von wo aus der Konvoi am nächsten Tag um 6 Uhr zur Grenze bei
Medyka - Shegini aufbrach. Dort betrug die Wartezeit am Zoll rund sieben Stunden -
"das ist durchaus normal", erklärte Rehsteiner. Bereits die polnischen Zollbeamten
kontrollierten zwei Container mit Hilfsgütern, auf der ukrainischen Seite wartete der
übliche "Papierkrieg" mit unzähligen Formularen. "Die Stimmung unter den Fahrern
war aber hervorragend, die Warterei am Zoll konnte dies nicht ändern", schmunzelte
der Arzt, der das Prozedere selber schon mehrfach mitgemacht hat. Nach der
Grenze warteten noch gut 450 Kilometer auf teilweise schlechten Strassen auf den
Konvoi, der dritte Etappenort am Montagabend war dann das ukrainische Zhytomir.
Am Dienstag absolvierte der Konvoi dann die letzte Etappe bis nach Sumy, wobei die
Begleitung durch die ukrainische Strassenpolizei auf der Stadtumfahrung von Kiew
sehr wertvoll war. "Mit Blaulicht und Sirene räumte die Miliz für uns den Weg frei,
deshalb kamen wir gut voran", freute sich Konvoileiter Andreas Sulser. Rund 200
Kilometer nach Kiew wechselten die Camions von der Autobahn auf holprige
Landstrassen und erreichten am Abend die Grenze der Verwaltungsregion Sumy.
Nach einer offiziellen Begrüssung durch Vertreter der Stadt und Region legte der
Konvoi die letzten knapp 100 Kilometer zurück und traf schliesslich in Sumy ein.
Am nächsten Tag folgte der feierliche Empfang auf dem Platz der Unabhängigkeit
vor der Stadtverwaltung von Sumy. Danach wurden die Hilfsgüter ausgeladen, wobei
die Schweizer Konvoifahrer und die ukrainischen Polizei- und Militärrekruten Hand in
Hand zusammenarbeiteten. Die folgenden Tage bis zur Abfahrt in Richtung Schweiz
am letzten Sonntag nutzten die Chauffeure für Besichtigungen in der Region Sumy,
wobei die Stadtverwaltung ein abwechslungsreiches Programm zusammenstellte.
Auch die viertägige Rückfahrt verlief problemlos, am Mittwochabend erreichten die
11 Camions schliesslich wieder Wohlen. "Wir hatten weder Pannen noch Unfälle zu
verzeichnen, ein paar kleinere Reparaturen sind normal, aber insgesamt verlief auch
dieser Konvoi sehr erfreulich", zog Andreas Sulser danach Bilanz. Allerdings waren
für den Konvoi beträchtliche Finanzmittel nötig. "Der grösste Posten ist der Treibstoff,
dazu kommen Kosten für Fahrzeugunterhalt, Gebühren für Bewilligungen, Ausgaben
für Übersetzungen und vieles mehr", zählt Andreas Sulser auf. Und er ergänzt:
"Ohne die grosszügige Unterstützung von Importeuren, Transportunternehmern und
Lastwagengaragen, die unserem Verein die Zugmaschinen, Auflieger oder ganze
Sattelzüge zur Verfügung stellen, wären die Transporte gar nicht möglich."
Inzwischen laufen bereits die Vorbereitungen für den nächsten Transport, der für
kommenden Frühling vorgesehen ist. Die ersten Container werden in der Halle der
Ferrowohlen AG, welche dem Verein den Lagerplatz unentgeltlich zur Verfügung
stellt, bereits wieder beladen.
Informationen zum Help-Point Sumy:
www.help-point-sumy.ch / info@help-point-sumy.ch
Spenden für Help-Point Sumy:
Für seine Hilfskonvois ist der Verein Help-Point Sumy auf Spenden angewiesen. Das
Postcheckkonto für Spenden lautet: 60-496007-8. Der Verein Help-Point Sumy ist
vom Kanton Aargau als gemeinnützige Organisation anerkannt, Spenden können
von den Steuern abgezogen werden. (häg)

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