Am Montagabend verlas Langenthals Stadtratspräsident Roland Christen (SVP) das Rücktrittsschreiben von Tobias Hirschi. Der Rücktritt des einzigen Stadtrates der Partei national orientierter Schweizer kam nicht überraschend. In diesem Jahr besuchte Hirschi kaum eine der bisher acht Sitzungen des Stadtparlamentes. Und wenn er in den vergangenen zwei Jahren anwesend war, fiel er höchstens mit seiner Untätigkeit auf. In dieser Legislatur reichte er keinen einzigen Vorstoss ein.

Widersprüchliche Aussagen

Hirschi gab für seinen Rücktritt berufliche Gründe an. Die Pnos Oberaargau teilt auf ihrer Homepage zudem mit: «Die Partei will im Langenthaler Stadtrat keinen Sitz mehr besetzen.» Die Partei betont aber: Es gebe Interessenten, die das Amt ausüben wollten. Warum dann der Rückzug aus dem Parlament? Dominic Lüthard, Vorsitzender des Vorstandes der Pnos Sektion Oberaargau, wollte das widersprüchliche Vorgehen selbst nicht begründen. Er war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Auf der Homepage lässt sich die Partei wie folgt zitieren: «Hauptsächlich aus dem Grund, weil wir nicht unnötig unsere Aktivisten verheizen wollen, indem wir sie dem politischen Narrentanz und den Medien ausliefern.»

Und weiter: Die Pnos Oberaargau werde sich Anfang des neuen Jahres der Strategie der Parteileitung fügen und voraussichtlich an keinen Wahlen mehr teilnehmen. Das bedeutet: Die Pnos tritt im Herbst 2012 nicht mehr zu den Stadtratswahlen an.

Das Präsidialamt rechnet noch

Wer für den Rest der laufenden Legislatur (2009 bis 2012) den Sitz der Rechtsaussenpartei erhält, ist zurzeit noch unklar. Beim zuständigen Präsidialamt der Stadt Langenthal hiess es gestern, es müssten noch Berechnungen vorgenommen werden. Basis bilden die Resultate der Stadtratswahlen im Herbst 2008. Heute will die Stadt informieren, welcher Partei der Sitz zugesprochen wird. Je nach dem rückt ein Kandidat nach oder die Partei muss einen Kandidaten nachnominieren. Die Pnos erzielte bei den Wahlen 2008 übrigens einen Wähleranteil von 2,4 Prozent (3156 Listenstimmen) und kam dank eines Restmandats zu einem Sitz in der Langenthaler Legislative.

Wirkungslose Arbeit im Parlament

Hirschi selbst sass für die polarisierende und oft negativ auffallende Partei bereits von 2005 bis 2008 im Stadtrat. Gerade zu Beginn trat er mit mehreren eingereichten Vorstössen in Erscheinung. Seine Postulate und Motionen wurden von den übrigen Stadträten jedoch immer klar abgelehnt. Auch die Partei selbst schreibt: «Vor allem in der Anfangszeit versuchten unsere Stadträte, die Anliegen der Pnos im Stadtrat durchzusetzen. Dies jedoch meist ohne Erfolg.» Deshalb trat Hirschi 2008 nicht mehr zu den Gemeindewahlen an.

Die Pnos schickte den damals 21-jährigen Timotheus Winzenried ins Rennen. Er wurde gewählt, demissionierte aber nach weniger als einem Jahr bereits wieder. Offiziell trat er aus beruflichen und schulischen Gründen zurück. Seltsam war jedoch, dass Winzenried gleich auch aus der Partei austrat. Um den Sitz zu halten, nominierte die Pnos Tobias Hirschi nach. Er hat nun ebenfalls genug von (isolierter) Stadtpolitik.