Zwischen Putin und Spengler-Cup: Wie René Fasel den internationalen Eishockey-Verband in neue Dimensionen geführt hat

Keiner hat den Eishockey-Weltverband länger und besser geführt als der Schweizer René Fasel.

Klaus Zaugg aus Davos
Merken
Drucken
Teilen
Ein Freund von Wladimir Putin: René Fasel, IIHF-Präsident.

Ein Freund von Wladimir Putin: René Fasel, IIHF-Präsident.

Gian Ehrenzeller/Keystone

Eigentlich schade für die Eidgenossenschaft, dass er keine Karriere als Politiker angestrebt hat. Er wäre ein formidabler Bundesrat geworden. Aber als er CVP-Grossrat im Kanton Freiburg war, pflegte er ab und an mit dem Bentley zur Session zu fahren und lancierte einen Vorstoss zur Kürzung der Lehrerlöhne. Nach einer Amtsperiode war seine politische Karriere zu Ende. Zum Glück fürs Eishockey. So ist René Fasel (69) der erfolgreichste Präsident geworden, der je den internationalen Eishockey-Verband (IIHF) geführt hat. Nun weilt er in dieser Funktion zum letzten Mal beim Spengler-Cup. Beim IIHF-Kongress in St.Petersburg geht seine Amtszeit am 26. September 2020 offiziell zu Ende. Sie hat im Juni 1994 mit der Wahl in Venedig begonnen.

Keiner hat den Weltverband länger und besser geführt. Unter René Fasel ist die globale ­Hockeyorganisation von 4 auf ­ 30 Vollzeitstellen und das Budget von weniger als 10 auf über 30 Millionen angewachsen. Durch den soeben unterzeichneten Vertrag mit der Vermarktungsagentur «Infront» ist die finanzielle Stabilität gesichert: Der Kontrakt läuft bis 2033 und sichert in diesem Zeitraum Einnahmen von über einer halben Milliarde Franken.

Aber es ist nicht Geld, das die Amtszeit des ehemaligen Schiedsrichters prägt. Es ist die Entwicklung des Eishockeys, das heute im Weltsport so gut verankert ist wie noch nie. Dem gelernten Zahnarzt ist es gelungen, die Position des europäischen Hockeys gegenüber dem Fünfmilliarden-Business NHL zu behaupten. Die NHL, die wichtigste Liga der Welt, ist nicht Mitglied eines Landesverbandes und tut und lässt, was sie will. René Fasel ist es gelungen, die NHL ins Olympische Turnier zu integrieren (1998, 2002, 2006, 2010, 2014). Erst für 2018 war die Einigung nicht mehr möglich. «Mein Ziel ist es, dass die NHL für Peking 2022 zurückkehrt», sagt René Fasel:

«Wir möchten gerne eine Einigung vor dem Start der Qualifikation im September.»

Es ist seine letzte grosse diplomatische Mission.

«Es war ein unglaublich komplexes Projekt»

Rückblickend sieht er die Integration der NHL in den olympischen Spielbetrieb, die Durchsetzung von «Null Toleranz» gemeinsam mit der NHL und die gemeinsame Olympiamannschaft von Nord- und Südkorea 2018 als prägende Ereignisse. «Für diese vereinigte koreanische Mannschaft haben wir vier Jahre lang gearbeitet. Es war ein unglaublich komplexes und spannendes Projekt.»

Die Frage ist natürlich: Was folgt nach dem Ende der Amtszeit? René Fasel sagt, er werde sich nicht in den Ruhestand zurückziehen. Seine Nähe zu Russland, seine Freundschaft zu Wladimir Putin haben ihm schon viel Kritik eingetragen. Aber noch mehr Türen geöffnet. Wird er also Präsident der russischen KHL? Oder Berater von Wladimir Putin? Solche Fragen bringen ihn zum Schmunzeln. Er sagt: «Es gibt viele interessante Anfragen. Kürzlich hat mir der chinesische Sportminister gesagt, ich solle doch beim Aufbau des chinesischen Hockeys helfen. Die Russen sind ja so gut, dass sie meine Hilfe nicht benötigen.»

HCD-Präsident Gaudenz Domenig sagte kürzlich, er möchte René Fasel als Botschafter für den Spengler-Cup gewinnen. «Das muss er eigentlich gar nicht» sagt der charmante ­Hockeydiplomat aus Fribourg. «Ich unterstütze das Turnier doch jetzt schon, wo ich kann. Es gibt in der Schweiz keine bessere Werbung fürs Eishockey als den Spengler-Cup.»