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Zum EM-Auftakt: Stürmerfoul, Schrittfehler, gelbe, rote oder blaue Karte? Handball kurz erklärt

«Der Gegenspieler hat geklammert, das ist ein Siebenmeter.» Das - oder Ähnliches - will Alen Milosevic hier dem Schiedsrichter sagen.

«Der Gegenspieler hat geklammert, das ist ein Siebenmeter.» Das - oder Ähnliches - will Alen Milosevic hier dem Schiedsrichter sagen.

Wann gibt es Siebenmeter? Warum stehen plötzlich sieben statt sechs Feldspieler auf der Platte? Wofür gibt es eine Zweiminutenstrafe? Darf man unbegrenzt Spieler wechseln? Und was hat es mit der blauen Karte auf sich? Vor dem EM-Auftakt der Schweiz liefern wir die wichtigsten Antworten.

Wer spielt eigentlich?

Ein Torhüter und sechs Feldspieler, das ist die Grundformation. Im Angriff formieren sich die Team in einem Halbkreis. Rechter Flügel, rechter Rückraum, Rückraum Mitte, linker Rückraum, linker Flügel und direkt am Kreis der Kreisläufer. Jeder von ihnen erzielt die Tore anders: Die Distanzschützen, meist über 190 cm gross, spielen im Rückraum. Die kleineren, wendigen Spieler mit den schnellen Beinen besetzen die Flügelpositionen. Und die kräftigsten, die auch als Schwinger eine gute Figur abgeben würden, rackern sich am Kreis ab. In der Abwehr gibt es verschiedene Formationen: alle rund um den Kreis (6:0-System), mit einem vorgezogenen Spieler (5:1), mit zwei (4:2) oder in einer Art Tannenbaum (3:2:1).

Warum wechseln ständig die Spieler?

Weil es kein Wechselkontingent gibt. Meist werden Angriffs- und Abwehrformationen gebildet. Dabei werden häufig die Angreifer aus dem Rückraum für die defensive Phase durch Abwehrspezialisten ersetzt. Häufig gibt es auch auf der Kreisläuferposition einen Spieler für die Offensive und einen für die Defensive. Bei der Schweiz wechselt Andy Schmid, Spielmacher auf der Position Rückraum Mitte, für die Abwehrarbeit an jenen Flügel, der der Schweizer Bank am nächsten ist. Hintergrund dieser taktischen Variante: Zwar ist Schmid kein Abwehrmonster, aber für die Flügelposition reicht es. Vor allem aber ist er mit seiner Spielübersicht und seiner Technik prädestiniert, den schnellen Konter nach einem abgewehrten Angriff zu lancieren. Übrigens: Auch die Torhüter wechseln häufig. Beliebt sind Torhüterwechsel vor einem Siebenmeter, um den Schützen aus dem Konzept zu bringen.

Warum gibt es manchmal einen siebten Feldspieler?

Eine taktische Variante, um im Angriff eine Überzahlsituation zu schaffen. Dafür nimmt der Trainer den Torhüter vom Feld. Häufig wird diese Variante angewendet, wenn der Gegner mit einer Zweiminutenstrafe sanktioniert wird. Oder, wenn man wegen einer Zeitstrafe dezimiert ist, um im Angriff numerische Gleichheit herzustellen. Den Torhüter durch einen Feldspieler zu tauschen birgt aber das Risiko, bei einem Ballverlust einen einfachen Gegentreffer zu kassieren.

Wie viele Schritte mit dem Ball in der Hand sind erlaubt?

Direkt nachdem der Ball gefangen wurde drei. Dann muss der Ball entweder weitergespielt werden oder der Spieler muss den Ball prellen. Stehend darf der Ball maximal drei Sekunden in den Händen gehalten werden. Bei Schrittfehler wechselt der Ballbesitz.

Wann ist ein Foul ein Foul?

Handball ist Kontaktsport. Das heisst: Wenn ein Verteidiger einen Angreifer klammert, wird das zwar mit einem Freiwurf sanktioniert, aber von den Mitspielern als Abwehraktion gefeiert. Man darf, ja man soll den Gegenspieler mit angewinkelten Armen kontrollieren und begleiten. Sind die Arme aber ausgestreckt, ist das ein Foul. Streng verboten ist es zu stossen. Das Stossen eines Spielers in der Luft führt immer zu einer Strafe. Dem Gegner den Ball mit der offenen Hand abzuluchsen, ist erlaubt. Den Ball entreissen oder wegschlagen hingegen nicht.

Ein deutliches Foul von Serbiens Zivan Pesic am Schweizer Luka Maros. Pesic geht mit ausgetreckten Armen zu Werke und verhindert eine klare Torchance. Das wird einen Siebenmeter geben.

Ein deutliches Foul von Serbiens Zivan Pesic am Schweizer Luka Maros. Pesic geht mit ausgetreckten Armen zu Werke und verhindert eine klare Torchance. Das wird einen Siebenmeter geben.

Wann gibt es Siebenmeter?

Wenn durch ein Foul eine klare Torchance verhindert wird oder ein Abwehrspieler im Kreis steht. Wie bei fast allen Handballregeln ist die Entscheidung, ob Freiwurf oder Penalty, respektive Siebenmeter, fliessend. Eine Faustregel: Je näher ein Foul am Kreis, desto eher entscheiden die Schiedsrichter auf Siebenmeter.

Wann ist ein Foul ein Stürmerfoul?

Wenn der Angreifer in den Gegner hineinläuft. Es ist die wohl heikelste Entscheidung im Handball, weil sie immer im Ermessen des Schiedsrichters liegt.

Die blaue Karte: Kein gutes Zeichen.

Die blaue Karte: Kein gutes Zeichen.

Welche Strafen gibt es?

Wie im Fussball gibt es gelbe und rote Karten. Die gelbe Karte ist eine erste Verwarnung. Eine gelbe Karte gibt es für das Sperren oder Wegdrängen des Gegners, für das Herausschlagen des Balles aus den Händen, das Klammern oder Zerren des Gegners und unsportliches Verhalten.

Wofür gibt es die Zweiminutenstrafe?

Für härtere Fouls. Und wenn ein Spieler verwarnungswürdige Aktionen wiederholt. Gleichzeitig können mehrere Zeitstrafen gegen ein Team ausgesprochen werden.

Und die rote Karte?

Die dritte Zweiminutenstrafe für den gleichen Spieler ist gleichbedeutend mit der roten Karte. Rot kann es wie beim Fussball aber auch direkt geben, für ausserordentlich grobe Vergehen wie einen Schubser im Tempogegenstoss, einen Schlag ins Gesicht oder wenn man den Schiedsrichter beleidigt. Im Gegensatz zum Fussball kann der Trainer nach einer roten Karte und verbüsster Zweiminutenstrafe die Mannschaft wieder auffüllen.

Was bedeutet denn die blaue Karte?

Die härtere rote Karte. Erhält man die blaue Karte, wird es zum Ausschluss noch eine nachträgliche Sanktion geben.

Was ist Zeitspiel?

Zögern und zaudern wird im Handball nicht gern gesehen. Erkennen die Schiedsrichter keine Angriffsbemühungen, was häufig in numerischer Unterlegenheit der Fall ist, heben sie den Arm. Das bedeutet: Der angreifenden Mannschaft bleiben noch sechs Pässe, um abzuschliessen. Wenn das nicht passiert, wechselt der Ballbesitz.

Wie lange dauert ein Handballspiel?

Zwei mal 30 Minuten. Bei Regelverstössen, Time-Outs oder wenn das Feld trocken gewischt werden muss, wird die Zeit angehalten. Jede Mannschaft kann drei Mal ein Time-Out von einer Minute nehmen. Es sind jedoch maximal zwei Auszeiten pro Halbzeit zulässig und in den letzten fünf Minuten einer Partie darf nur ein Time-Out pro Team genommen werden.

Wie viele Schiedsrichter gibt es?

Es gibt zwei Schiedsrichter und ein Schiedsgericht, das für die Zeitnahme, die Time-Outs und die Zeitstrafen verantwortlich ist.

Wie schnell fliegt ein Handball?

Bis zu 140 Stundenkilometer.

Wie gross ist das Spielfeld?

20 Meter breit und 40 Meter lang. Der Torraum, auch Kreis genannt, wird durch einen durchgezogenen Halbkreis mit einem Radius von sechs Metern definiert. Weder Angreifer noch Verteidiger dürfen aktiv werden, wenn sie den Torraum betreten. Nach einem Gegentor muss der Ball nach dem Pfiff des Schiedsrichters aus dem Mittelkreis gespielt werden. Dabei spielt es aber keine Rolle, ob sich die gegnerische Mannschaft vollzählig in der eigenen Platzhälfte befindet oder nicht.

Wie gross ist ein Handball-Tor?

Drei Meter breit und zwei Meter hoch.

Autor

François Schmid-Bechtel

François Schmid-Bechtel

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