Formel E
«Zukunft des Motorsports»: Die Formel E gewinnt immer mehr an Popularität

Die Formel E gewinnt an Popularität. Für die Hersteller bietet die Rennserie die ideale Plattform, um sich zu präsentieren.

Konstantin Furrer
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Die Formel E setzt auf spektakuläre Strecken wie am Flughafen Tempelhof in Berlin.

Die Formel E setzt auf spektakuläre Strecken wie am Flughafen Tempelhof in Berlin.

Keystone

Ein Auto-Rundstreckenrennen hier in der Schweiz? Eigentlich undenkbar. Seit dem Unfall am 11. Juni 1955 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1955, als 84 Menschen ihr Leben verloren, existiert ein Verbot für Rundstreckenrennen in der Schweiz. Jegliche Bemühungen, das Verdikt wieder aufzuheben, stiessen auf taube Ohren. Zuletzt sprachen sich in einer Umfrage lediglich 41 Prozent der Stimmbürger für eine Aufhebung aus.

Die Hersteller sind in der Formel E aktiv

Die Fédération Internationale de l’Automobile (FIA) hat für die Jahre 2018 bis 2021 neun Hersteller für die Formel E zugelassen: BMW, DS, Abt (Audi), Mahindra, Renault, Jaguar Land Rover, NEXTEV, Penske und Venturi. Mercedes hat bis zum Oktober Zeit, sich für einen Einstieg als Kundenteam zu entscheiden. Auch McLaren denkt offenbar über ein Engagement nach. Das britische Unternehmen liefert für die nächste Saison die Batterien für die Rennserie. Ausserdem überlegen sich Honda und Volvo einen Einstieg in die Formel E. (FUR)

Und trotzdem darf sich der Motorsport-Fan in der Schweiz wieder Hoffnungen machen, hierzulande ein Rennen live mitzuverfolgen. Am 1. April 2016 beschloss der Bundesrat, Formel-E-Rennen in der Schweiz zuzulassen. Und ein Austragungsort ist auch schon gefunden: Läuft alles nach Plan, kurven die elektronisch betriebenen Boliden bereits im nächsten Jahr um das Zürcher Seebecken. Am Mittwoch wurde von «E-Mobil Züri» ein Gesuch für die Durchführung des «e-Prix» im Juni 2018 eingereicht.

Die Formel E ist im Aufwind. Während die Formel 1 Zuschauer verliert und der Langstrecken-WM die Teams abspringen, kann die neue elektronische Rennserie Erfolg an Erfolg reihen: Im Oktober gab der deutsche Automobilhersteller Audi den Rückzug aus der Langstrecken-WM bekannt, und vor einer Woche wurde publik, dass Audi ab der nächsten Saison in der Formel E tätig sein wird.

«Dass Audi sich als erster deutscher Automobilhersteller in der Rennserie engagiert, ist auch ein deutliches Bekenntnis unserer Marke zur Elektromobilität», sagte Peter Mertens, Vorstand Technische Entwicklung bei Audi, zum Einstieg. Die Konkurrenz liess nicht lange auf sich warten: Nur vier Tage später zog BMW nach und kündigte ebenfalls an, künftig in der Formel E um den Titel mitkämpfen zu wollen.

Sébastien Buemi reiht in der Formel E und der Langstrecken-WM Sieg an Sieg.

Sébastien Buemi reiht in der Formel E und der Langstrecken-WM Sieg an Sieg.

KEYSTONE

Viel Aufmerksamkeit für wenig Geld

Der Popularitätsgewinn der Formel E überrascht nicht: Renault und Jaguar sind bereits dabei und auch Mercedes könnte schon bald mitmischen: Bis Oktober muss sich der deutsche Hersteller entscheiden, von seinem Startrecht für die Saison 2018/19 Gebrauch machen zu wollen. «Die Hersteller sind sehr interessiert an Formel E», sagt der Schweizer Rennfahrer und aktuelle Formel-E-Weltmeister Sébastien Buemi, «wenn man Elektroautos verkaufen möchte und sich präsentieren will, gibt es nur eine Möglichkeit. Die Formel E ist derzeit die einzige Elektroserie. Da gibt es kein Vorbeikommen.»

Während die Spitzenteams in der Formel 1 mit einem Budget von 400 Millionen Franken hantieren, braucht es in der Langstrecken-WM 150 Millionen. Die Teams in der Formel E sind deutlich bescheidener unterwegs: Um vorne mitfahren zu können, reichen bereits 15 Millionen. «Für vergleichsweise wenig Budget kriegt man sehr viel Aufmerksamkeit», sagt Buemi. Die Formel E setzt auch seit Beginn stark auf soziale Medien.

Fans können ihren Lieblingen mittels Twitter zu mehr Energie verhelfen. Und mehr Energie bedeutet in der elektrischen Rennserie schnellere Rundenzeiten. «Ich habe noch sehr viel Potenzial in der Formel E», sagt Buemi und meint damit auch das attraktive Format: «Die Rennen sind kurz und können deshalb auch von gewöhnlichen TV-Sendern übertragen werden. Sechs-Stunden-Rennen wie in der Langstrecken-WM sind da deutlich unattraktiver.»

Auch ein Thema bei Sauber

Auch bei Sauber war die Formel E ein Thema. Zumindest die ehemalige Teamchefin Monisha Kaltenborn schien der Rennserie nicht abgeneigt zu sein: «Die Formel E ist die Zukunft. Da müssen wir ein Auge darauf werfen.» Angeblich soll der Hinwiler Rennstall in der Saison 2014/15 sogar kurz vor einem Debüt in der Formel E gestanden sein.

Monisha Kaltenborn: «Die Formel E ist die Zukunft. Da müssen wir ein Auge darauf werfen.»

Monisha Kaltenborn: «Die Formel E ist die Zukunft. Da müssen wir ein Auge darauf werfen.»

KEYSTONE/EPA/DIEGO AZUBEL

Ob die Rennserie unter dem neuen Teamchef Frédéric Vasseur eine Option bleibt, ist noch ungewiss. Bis zum Januar stand Vasseur bei Renault unter Vertrag, also genau bei dem Hersteller, der die Formel E derzeit dominiert. Ausserdem leitete der Franzose die Firma Sparks, die auf die Entwicklung der Formel-E-Autos spezialisiert ist.

Kommt es also bald zu einem Schweizer Rennen mit einem Schweizer Rennfahrer und Schweizer Team? Zumindest die ersten zwei Möglichkeiten erscheinen wahrscheinlich. «Das Rennen in Zürich wird stattfinden. Wenn nicht 2018, dann bestimmt 2019», sagt Buemi, «die Formel E passt perfekt in die Schweiz. Es ist das ideale Land für Elektroautos». Buemi wäre der erste Schweizer Rennfahrer an einem Rundstreckenrennen im eigenen Land seit den 50er-Jahren: «Sehr geil», findet der Waadtländer.

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