Luzerner Kantonales
Der verletzte Schwingerkönig Christian Stucki darf in Rothenburg nur zuschauen

Eigentlich wäre Christian Stucki am Luzerner Kantonalschwingfest angetreten. Dem Schwingerkönig macht aber eine Schulterverletzung zu schaffen. Ob er bis zum Eidgenössischen wieder fit wird?

Claudio Zanini
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Wo der König auftaucht, werden Selfies gemacht: Christian Stucki auf der Tribüne in der Arena in Rothenburg.

Wo der König auftaucht, werden Selfies gemacht: Christian Stucki auf der Tribüne in der Arena in Rothenburg.

Urs Flüeler/Keystone

Vor dem Clubhaus des FC Rothenburg, direkt neben der Schwingarena, sass der König am Mittag. Unspektakulär auf einer Betontreppe, in der Hand einen Pappteller mit Kartoffelsalat und einem Stück Fleisch. Neben ihm sein Athletiktrainer Tommy Herzog, ebenfalls kauend. Zwischen den Bissen signierte Stucki Kappen und T-Shirts. Und als eine junge Frau kein Schreibmaterial dabei hatte, zog er mit beiläufigem Handgriff aus seiner Hosentasche einen Filzstift. Die Professionalität des Königs scheint über den Schwingplatz hinauszugehen.

Eigentlich wäre Stucki selbst im Sägemehl angetreten. Doch er erlitt Mitte April einen Teilabriss der Sehnen in der rechten Schulter. Bis auf weiteres pausiert er. Wie lange noch, weiss niemand. Offenbar auch Stucki selbst nicht. Er habe «keine Ahnung», sagte er. Und auf die Nachfrage betonte er:

«Ich weiss es wirklich nicht.»

Ob er bis zum Eidgenössischen wieder fit wird? Stucki: «Bis zum Eidgenössischen wird noch viel Wasser die Aare hinunterfliessen.»

«Du musst keinem etwas beweisen»

Dass Stucki nach Rothenburg kam, obwohl er nicht schwingen konnte, ist bemerkenswert. «Denn eigentlich fuchst es mich, dass ich nicht mittun kann.» Aus Freundschaft erwies der König den Rothenburgern die Ehre. Denn der Rothenburger Schwingklub und der Seeländer Schwingklub pflegen ein enges Verhältnis. «Wir sind ja quasi verbrüdert», sagte Stucki. Wenn die einen ein Fest veranstalten, kommen die andern – und umgekehrt.

Ikone des Schwingsports: Christian Stucki.

Ikone des Schwingsports: Christian Stucki.

Urs Flüeler/Keystone

Der Gesundheitszustand des Königs beschäftig. Auch Peter Imfeld, der ehemalige Obwaldner Spitzenschwinger, erkundigte sich bei Stucki über den Stand der Genesung. Auch ihm erzählte Stucki von der Aare und vom fliessenden Wasser. Imfeld sagte: «Du musst auch keinem mehr etwas beweisen.» Wohl wahr. Stucki hat Kilchberger, Unspunnen und den Königstitel gewonnen. Die Erfolge sprechen eine deutliche Sprache.

Und für Stucki spricht im Hinblick aufs Eidgenössische auch die Vergangenheit. 2019 wurde er Schwingerkönig, obschon er kaum Wettkampfpraxis hatte und bloss zwei Kranzfeste bestritt.