Nachspielzeit-Blog

«YB braucht offenbar den Duft von frisch gemähtem Plastik» – «Der erfolgreiche FC Luzern hätte jedes seiner vier Spiele auch verlieren können»

Flattern beim FC St. Gallen (Miro Muheim, rechts) die Nerven?

Flattern beim FC St. Gallen (Miro Muheim, rechts) die Nerven?

Welche Erkenntnisse hat das Fussball-Wochenende geliefert?  Was war mit dem Spitzentrio los? Warum haben St. Gallen, YB und der FCB verloren? Und: Hat der FCZ schon bereut, den Vertrag mit Ludovic Magnin vorzeitig verlängert zu haben? Unsere Fussball-Reporter Renato Schatz und Markus Brütsch befinden sich in der Nachspielzeit. Lesen Sie, welche Meinung sie zum Super-League-Geschehen haben.

Brütsch: Du hast dir am Sonntag das ganze Spiel zwischen dem FC Luzern und dem FC St. Gallen angeschaut, das die Luzerner 1:0 gewannen. Haben die jungen Gipfelstürmer aus der Ostschweiz vielleicht bereits das Nervenflattern?

Schatz: Nein. Ihr Pech war, dass der FCL verkleidet als Spitzenmannschaft an die Fasnacht geht. Aber irgendwann verflüchtigt sich der Rausch und es bleibt der Kater. Der St. Galler Lauf dagegen ist mehr als ein unbeschwerter Abend.

Brütsch: Beim FCL lobt der neue Trainer Celestini die Mentalität seiner Mannschaft. Das kann er natürlich nach vier Siegen in vier Spielen tun. Die Luzerner erinnern mich aber ans Jassen. Da kann es auch vorkommen, dass man einen ganzen Abend lang Kartenglück hat. Die Zentralschweizer haben nun eben seit Wochen Spielglück. Und mit Müller einen tollen Goalie. Sie hätten auch alle vier Spiel verlieren können. Die Gegner besassen immer viele Torchancen.

Vier Spiele, vier Siege für Fabio Celestini mit dem FC Luzern. Eine Frage der Mentalität? Oder einfach nur Dusel?

Vier Spiele, vier Siege für Fabio Celestini mit dem FC Luzern. Eine Frage der Mentalität? Oder einfach nur Dusel?

Schatz: Das waren keine überzeugenden Siege, da stimme ich dir zu. Vielleicht kommt ja der Donnschtig-Jass im Sommer nach Luzern. Mit internationalen Berufsreisen dürfte man kaum beschäftigt sein. Bemerkenswert ist indes, dass das Spitzentrio geschlossen verloren hat. Lustenbergers Patzer sah nach Grümpeli aus. Nur kann der YB-Captain die technischen Unzulänglichkeiten nicht auf das siebte Bier schieben. Und beim FCB sind Niederlagen inzwischen die Regel.

Au weia! Da ging in Lugano aber ziemlich viel schief. Nicht wahr, Fabian Lustenberger? (im Bild rechts)

Au weia! Da ging in Lugano aber ziemlich viel schief. Nicht wahr, Fabian Lustenberger? (im Bild rechts)

Brütsch: Der FCB ist nicht mehr der FCB, der im Herbst in der Europa League noch so überzeugend aufgetreten ist und in der Super League YB 3:0 weggeputzt hat. Aber YB ist derzeit auch nicht mehr das YB seiner guten Tage. Ich bin sehr gespannt auf den Auftritt der Berner am Sonntag in St. Gallen.

Schatz: YB hat drei seiner letzten vier Auswärtsspiele in der Super League verloren. Die Berner brauchen offenbar den Duft von frisch gemähtem Plastik. In der Ostschweiz kickt man allerdings auf Naturrasen. Vorteil Grün-Weiss. Mal sehen, ob die St. Galler Niederlage in Luzern Ausrutscher oder Pubertät war. Mehr jugendlicher Leichtsinn als beim FCZ geht jedoch nicht. Wieder vier Gegentore...

Brütsch...und es hätten noch ein paar mehr sein können. Es ist schon sehr erstaunlich, dass Trainer Magnin, der ein ganzes Fussballerleben lang Verteidiger war, es nicht hinkriegt, die FCZ-Defensive zu stabilisieren. Weiss der Geier, was Präsident Canepa und Sportchef Bickel in Magnin sehen, dass sie dessen Vertrag bereits verlängert haben. Mich jedenfalls überzeugt er genauso wenig wie seine Chefs.

Gewohntes Bild: Der FC Zürich (Yanick Brecher und Blaz Kramer,  von links) schleichen geknickt vom Platz.

Gewohntes Bild: Der FC Zürich (Yanick Brecher und Blaz Kramer, von links) schleichen geknickt vom Platz.

Schatz: Magnin setzt immerhin auf junge Fussballer. Fünf Spieler, die gegen Servette in der Startelf standen, waren 21-jährig oder jünger. Ich befürworte, dass der Trainer nicht beim ersten Gegenwind gefeuert wird. Ricardo Dionisio hat Sabine überstanden, wohl nicht aber Donnerwetter Constantin. Der Sittener Sonnenkönig hätte in Bremen schon zehn Trainer verbraucht in dieser Saison.

Brütsch: Die Super League ist aber keine U21-Meisterschaft. Ich habe gerade gelesen, dass der FCZ von der Uefa in der letzten Europa-League-Saison 10,25 Millionen Euro an Prämien erhalten hat. Wenn er wieder in den Europacup will, muss er anders auftreten. Und zu Bremen: Ich bin gespannt, ob sich die Nibelungentreue der Verantwortlichen zu Trainer Kohfeldt auszahlt. Im Moment sieht es für mich nicht danach aus. Aber darüber können wir das nächste Mal diskutieren.

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Autor

Markus Brütsch

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