Corona-Krise

Wohin fliessen die 100 Millionen für den Sport? Nur wer relevant für das System ist, erhält Geld

Auch die Organisatoren des abgesagten Luzerner Stadtlaufs sind ein Kandidat für staatliche Finanzhilfe. (Bild: Nadia Schärli, 5. Mai 2019)

Auch die Organisatoren des abgesagten Luzerner Stadtlaufs sind ein Kandidat für staatliche Finanzhilfe. (Bild: Nadia Schärli, 5. Mai 2019)

So will der Bundesrat mit seiner Verordnung ehrenamtliche Sportorganisationen mit 50 Millionen Franken unterstützen und dem Profisport mit Darlehen in der gleichen Höhe unter die Arme greifen.

Erhält unser Verein eine staatliche Entschädigung, weil der Turnerabend wegen dem Virus abgesagt wurde? Solche Fragen stellten sich in den letzten Tagen vielen der rund 19000 Sportklubs der Schweiz, die wegen Corona auf geplante Aktivitäten verzichten mussten und einen finanziellen Schaden davontrugen. Denn am 13. März beschloss der Bundesrat im Rahmen seiner Konjunkturhilfe eine Finanzspritze von 50 Millionen Franken an ehrenamtlich tätige Organisationen im Sport.

Diese Subventionen sind gekoppelt an Auflagen für eine ausreichende Kapitaldecke. Wie die Schweizer Banken sollen auch die Schweizer Sportanbieter künftig zwingend Reserven bilden, um eine ausserordentliche Situation ohne fremde Hilfe bewältigen zu können.

Gestern nun hat der Bundesrat die vom Bundesamt für Sport (Baspo) in Rekordfrist ausgearbeitete Verordnung verabschiedet. Diese sieht folgende Schwerpunkte vor: Verantwortlich für die Ausschüttung der Subventionen ist das Baspo und nicht etwa die Sportverbände. Unterstützung gibt es nur, wenn man relevant für das System ist, wenn ohne solche Angebote die Struktur des Breitensports angegriffen wird.

Zudem muss eine existenzbedrohende Zahlungsunfähigkeit vorliegen und zumutbare Selbsthilfemassnahmen, wie Erhöhung von Startgeldern oder Beiträgen, bereits ergriffen worden sein. Mögliche Betroffene sind beispielsweise die Organisatoren der Laufsportveranstaltung Grand Prix Bern oder die Radsporttage in Gippingen.

Beim Schweizer Leichtathletikverband Swiss Athletics ist man nicht unglücklich darüber, dass eine andere Instanz für die Prüfung der Anliegen zuständig ist. Der grösste Schweizer Sommersportverband sieht bei sich in drei Bereichen Handlungsbedarf. Einerseits bei den im Anstellungsverhältnis arbeitenden Trainern der Kaderathleten. Hier bringt die Ausdehnung der Kurzarbeit auf befristete Arbeitsverhältnisse Entlastung.

Hat Swiss Olympic Zugriff auf private Anbieter?

Schwierig ist die Situation auch für Vereine, die kleinere oder grössere Meetings und unzählige Trainings durchführen. Und nicht zuletzt für die 500 Veranstalter von Volksläufen. Bereits mussten mehr als 70 solcher Wettkämpfe abgesagt oder verschoben werden. Die Organisatoren wandten sich diese Woche mit einem Brief an Bundesrat Parmelin, um auf den Existenzkampf aufmerksam zu machen.

Die oft nicht auf Rosen gebettete Laufveranstalter sind ein gutes Beispiel, wie schwierig die konkrete Umsetzung der Massnahmen ist. Nur 140 dieser Eventanbieter sind Mitglied bei Swiss Athletics. «Und auch gegenüber ihnen haben wir keinerlei finanzielle Weisungsbefugnis», wie Peter Bohnenblust, der Geschäftsführer von Swiss Athletics, erklärt.

Deshalb ist der vorgesehene Weg, Massnahmen zur besseren Liquidität für Krisenfälle über die jährliche Leistungsvereinbarung zwischen Bund und dem Dachverband Swiss Olympic zu verankern, nicht überall mit den derzeitigen Strukturen kompatibel.

Fragen ergeben sich auch bei der Abgrenzung von Breitensportanlässen und Wettkämpfen des professionellen Sports. Für Letztere stellt der Bund zinslose Darlehen in der Höhe von 50 Millionen Franken zur Verfügung. Neben den Profiligen im Teamsport fallen etwa die Tour de Suisse oder ein internationales Leichtathletik-Meeting unter diese Kategorie, nicht aber nationale Leichtathletikanlässe.

Für viele Sportvereine spielen die Gelder von Jugend+Sport eine sehr wichtige Rolle. Weil wegen Corona viele Trainings gar nicht stattfinden, werden die ordentlichen J+S-Gelder von mehr als 100 Millionen Franken heuer längst nicht ausgeschöpft. Auch hier ist der Bund gefordert, eine gute Lösung zu finden.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1