Katar 2022
Der Showdown, die Arbeit und das halbvolle Glas – drei Erkenntnisse nach dem makellosen Start in die WM-Quali

Lesen Sie, welche drei Schlüsse sich nach dem 1:0 der Schweizer Fussballer gegen Litauen im zweiten Spiel der WM-Qualifikation ziehen lassen.

Christian Brägger
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Zufriedener Vladimir Petkovic?

Zufriedener Vladimir Petkovic?

Bild: Gian Ehrenzeller/KEYSTONE

Alles läuft auf den Showdown hinaus

Italien: 2 Spiele, 6 Punkte, Torverhältnis 4:0. Schweiz: 2 Spiele, 6 Punkte, Torverhältnis 4:1. Was von den beiden Gruppenfavoriten gemeinhin erwartet worden war im Vorfeld der WM-Qualifikation, ist bereits in dieser frühen Phase Tatsache. Die Schweiz und Italien streiten sich um Platz eins in der Guppe C, der Verlierer wird den Gang in die komplizierte Barrage antreten müssen. Nordirland sowie Bulgarien haben nicht die Qualität, in diesem Zweikampf mitzumischen.

Umso ärgerlicher ist es, dass die Schweiz bislang nicht mehr fürs Torverhältnis getan hat. Gegen Bulgarien liess sie nach, gegen Litauen nutzte sie ihre Chancen bei 22 Abschlüssen noch weniger und wirkte nach dem frühen Tor von Xherdan Shaqiri uninspiriert, lethargisch. Das kann sich rächen, zumal die Schweiz gar nicht vor allzu langer Zeit am eigenen Leib erfahren musste, was es heisst, wenn das Torverhältnis zu ihren Ungunsten ausschlägt. Damals, in der Ausscheidung für die WM 2018 in Russland, behielt Portugal als direkter, punktgleicher Widersacher das bessere Ende für sich.

Vladimir Petkovic sagte: «Wir wollten zwei Siege, das haben wir bekommen.» Aber eben, das hat auch Italien.

Es wartet noch viel Arbeit

Es wartet noch viel Arbeit.

Es wartet noch viel Arbeit.

Bild: Freshfocus

Natürlich ist es schwierig, wenn eine Mannschaft wie Litauen den Bus vor das eigene Tor parkiert. Natürlich ist es schwierig, wenn die Spannung ein wenig abflaut nach einem frühen Führungstor. Und natürlich ist es schwierig, in diesem intensiven, mit vielen Spielen reich befrachteten Jahr jedes Mal inspiriert, effizient und voller Freude zu liefern. Dennoch: Die Zeiten in der Nationalmannschaft sind rar, weshalb es umso mehr gilt, das Optimum zu zeigen.

Petkovic sagte: «Wir haben nicht viel Zeit in der EM-Vorbereitung, unsere Form aufzubauen. Aber Siege bringen immer gute Gefühle, Energie. Sie lassen uns ruhiger und positiver planen.» Am Mittwoch testet die Schweiz gegen Finnland, mit Sicherheit wird dann vorwiegend die zweite Garnitur zum Einsatz kommen. Es könnte auch ein Spiel sein für Denis Zakaria, der nach seiner langwierigen Verletzung noch nicht der Alte ist.

Aber um Zakaria geht es nur bedingt, vielmehr geht es um das grosse Ganze. Um die 23 EM-Fahrer, auf die noch viel Arbeit wartet. In der EM-Gruppe warten mit Wales, Türkei und abermals Italien andere Kaliber –und keine Busparkierer. Da gilt es, die sich bietenden Chancen effizienter zu nutzen, und nicht nonchalant mit ihnen umzugehen wie gegen Litauen.

Ist das Glas halbvoll?

Einer, der sich in den beiden Länderspielen positiv präsentiert hat, ist Xherdan Shaqiri. Das ist gut, weil er für die Prise Extravaganz steht, die sonst niemand hat im Team. Nicht der Rackerer und formstarke Haris Seferovic, nicht der absolute Leader Granit Xhaka, schon gar nicht Remo Freuler, der sich mit Zakaria wohl um den Platz in der EM-Startformation duelliert. Vor allem aber: Es ist ein gutes Signal in die Mannschaft hinein, wenn Shaqiri Lust hat. Das hat man schon anders gesehen.

Spielfreudig: Xherdan Shaqiri (rechts).

Spielfreudig: Xherdan Shaqiri (rechts).

Keystone

Und doch bleibt die Gretchenfrage: Ist das Glas halbvoll? Petkovic sagt «Ja!». Pessimisten sagen «Nein!», aber die sagen das immer. Fakt ist: Die Schweiz ist punktemässig gut ins Länderspieljahr gestartet, mehr aber auch nicht. Den Blick auf den Wasserstand im Glas wird man ein erstes Mal im Juni schlüssig beurteilen können.

Yann Sommer reist nach Hause.

Yann Sommer reist nach Hause.

Bild: Claudio Thoma/Freshfocus

Yann Sommer reist nun aus familiären Gründen nach Hause, der formstarke Gregor Kobel vom VfB Stuttgart rückt nach. Sommer hatte mit Petkovic gegen Litauen einen kleinen Disput, weil der Nationaltrainer mehr Tempo forderte. Und Sommer jedoch das Tempo bewusst drosselte, dies seinem Coach auch mit einer Handbewegung verdeutlichte. Hat sich der Goalie nun widersetzt? Vielleicht ist es aber einfach auch diesem Selbstverständnis geschuldet: Wir wissen, wann wir zulegen müssen. Es ist erst März.

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